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Montag, 24.07.2017
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Grillen-Männchen sterben für ihre Partnerin

Forscher finden Beispiel für Kavaliers-Verhalten im Insektenreich

Männliche Grillen haben sich zur Überraschung von Biologen als echte Kavaliere entpuppt: Selbst wenn ihr Leben durch einen Fressfeind bedroht ist, lassen sie ihren Partnerinnen den Vortritt in die schützende Erdhöhle. Dadurch würden „verheiratete“ Männchen deutlich häufiger gefressen als „Singles“, berichten britische Forscher im Fachmagazin „Current Biology“. „Die Beziehung zwischen diesen Grillen sind ganz anders als wir es gedacht haben“, sagt Erstautor Rolando Rodríguez-Muñoz von der University of Exeter. Möglicherweise sei dies auch bei anderen Insekten so.
Feldgrille

Feldgrille

Bereits zuvor war bekannt, dass die Männchen einiger Insektenarten auch nach der Paarung noch in der Nähe der Weibchen bleiben. Nach gängiger Theorie soll dieses „Bewachen“ aber nur dazu dienen, das Weibchen an der Paarung mit weiteren, konkurrierenden Männchen zu hindern. Bei dem jetzt erstmals im Freiland beobachteten Schutzverhalten sei dies aber nicht der Fall. Stattdessen opfere das Grillenmännchen sein Leben für das Weibchen. „Diese Männchen können wir wirklich als Kavaliere bezeichnen“, sagt Rodríguez-Muñoz.

Ganz uneigennützig sei das Verhalten der Männchen aber nicht, meinen die Forscher. Die Kavaliere profitierten zumindest indirekt von ihrem Opfer: „Selbst wenn das Männchen getötet wird, trägt das überlebende Weibchen seine Spermien und stellt so sicher, dass seine DNA weiterlebt“, erklärt der Biologe Rodríguez-Muñoz.

Konkurrenz um Vaterschaft


Viele weibliche Insekten paaren sich nacheinander mit mehreren Männchen. Bei jeder Paarung geht ein Teil der bereits übertragenen Spermien des Vorgängers verloren. Deshalb ist die Chance für das jeweils letzte Männchen am größten, auch der Vater des Nachwuchses zu werden. Um sich die Position als letzter Partner zu sichern, hindern die Männchen einiger Insektenarten ihre Weibchen aktiv daran, sich mit anderen zu paaren.


Das Verhalten der Grillenmännchen habe sich davon jedoch deutlich unterschieden, berichten die Forscher. Sie hätten ihre Partnerinnen weder am Verlassen der Erdhöhlen, noch am Kontakt mit anderen Männchen gehindert. Aggressionen gegenüber den Weibchen oder aktives Bedrängen, wie bei einigen anderen Insektenarten häufig, habe man nicht beobachtet.

Konkurrierende Männchen wurden allerdings vom „verpartnerten“ Männchen angegriffen und oft auch in die Flucht geschlagen, wie die Biologen berichten. Wurde das Paar von einem Vogel oder sonstigen Fressfeind angegriffen, wartete das Männchen, bis das Weibchen in der Erdhöhle war. Das geschah in einigen Fällen selbst dann, wenn das Männchen näher am Höhleneingang war als dieses.

200.00 Stunden Videomaterial ausgewertet


Im Rahmen ihrer Studie hatten die Forscher eine wildlebende Population von Feldgrillen (Gryllus campestris) in Nordspanien über drei Jahre hinweg beobachtet. Mit Hilfe von 96 Infrarotkameras und Mikrophonen zeichneten sie das Verhalten der Tiere auf. Um die Einzeltiere in den Videos identifizieren zu können, klebten die Wissenschaftler jeder Grille ein winziges „Nummernschild“ auf den Rücken. Insgesamt 200.000 Stunden an Filmmaterial habe man insgesamt ausgewertet, berichten sie.

Zusätzlich entnahmen die Forscher zu Beginn der Studie jeder Grille eine Gewebeprobe, um daraus einen genetischen Fingerabdruck des Tieres zu gewinnen. Mit Hilfe dieser DNA-Informationen konnten sie nachverfolgen, wie viel Nachwuchs jede männliche Grille zeugte. „Als Kompensation für ihr erhöhtes Risiko zu sterben, paarten sich die ‚verheirateten‘ Grillenmännchen häufiger und zeugten mehr Nachwuchs“, sagen die Forscher.

„Das Videomaterial und die Monate der Auswertung geben uns einen seltenen Einblick darin, wie die natürliche Selektion im Freiland wirklich funktioniert“, sagt Mitautor Tom Tregenza von der University of Exeter. Möglicherweise würden auch die Weibchen anderer Arten weitaus weniger „herumgeschubst“ als man bisher annahm. (Current Biology, 2011; DOI 10.1016/j.cub.2011.08.053)
(Current Biology / University of Exeter / dapd, 07.10.2011 - NPO)
 
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