Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Geheimnisvolle Bronzezeit-Kultur in der Steppe entdeckt
Archäologen finden bemerkenswerte Zeugnisse einer vergessenen Kultur im Trans-Ural
Wissenschaftler haben bemerkenswerte Zeugnisse einer vergessenen Kultur im Trans-Ural entdeckt. Die 4.000 Jahre alten Siedlungsspuren, Alltagsobjekte und Gräber deuten darauf hin, dass die bronzezeitlichen Bewohner dieser Stätten gesellschaftlich bereits hoch organisiert gewesen sein müssen, sagen die Forscher. Die Funde der diesjährigen Grabungssaison stellen sie nun vor.
Ausgrabung von Brunnen
Ausgrabung von Brunnen
© Olgino/GU Ausgrabung von Brunnen
Der Ort des Geschehens liegt 3.530 Kilometer Luftlinie von der Goethe-Universität Frankfurt entfernt in Westsibirien, mitten in der russischen Steppe. Dieses Gebiet im Trans-Ural spielt seit kurzem eine wichtige Rolle für Rüdiger Krause, Professor für Vorgeschichte Europas am Institut für Archäologische Wissenschaften und seine russische Kollegin, Ludmila Korjakova von der Russischen Akademie der Wissenschaften aus Ekaterinburg. Von Anfang Juli bis Mitte August 2011 haben die beiden Archäologen und ihr großes Team an Mitarbeitern und Studenten bei einer Grabungskampagne weitere Geheimnisse der Steppe enthüllt.

Siedlungen, Brunnen und Gräber
Über den Alltag einer längst verflossenen Menschheitsepoche gab die Erde viele Zeugnisse frei: Hausgrundrisse bronzezeitlicher Häuser wurden ebenso gefunden wie zahlreiche Hinterlassenschaften des täglichen Lebens (Keramikscherben, Tierknochen, Geräte aus Stein, Knochen und Bronze). Spektakulär sind die zahlreichen Brunnenschächte zur Wasserversorgung, die sich in jedem Haus finden. Aus den Brunnenverfüllungen liegen erstmals zahlreiche Hölzer mit Bearbeitungsspuren vor, die wertvolle Hinweise zur Holzbearbeitung vor 4.000 Jahren liefern.

Aus Grabhügeln, die an vielen Stellen die karge Landschaft überragen, sind seit Jahren Streitwagen bekannt, die über die älteste, weltweit bekannte Speichenrad-Technologie verfügen. Auch finden sich in den Grabhügeln Pferdegeschirre mit scheibenförmigen Trensenknebeln, die bis an die untere Donau und zu den bronzezeitlichen Schachtgräbern von Mykene zu finden sind und somit weiträumige Kontakte durch die Weiten der Steppe zwischen Ost und West bezeugen.

„Die bronzezeitliche Sintastha-Kultur zählt zu den prominentesten Kulturerscheinungen im eurasischen Steppengürtel und hat eine weite Ausstrahlung bis an die untere Donau entfaltet. Das Rätsel des riesigen eurasischen Steppenraums ist noch lange nicht gelüftet“, so Rüdiger Krause.

Bearbeitete Hölzer aus einer Brunnenverfüllung.
Bearbeitete Hölzer aus einer Brunnenverfüllung.
© Olgino/GU Bearbeitete Hölzer aus einer Brunnenverfüllung.
Relikte sprechen für hohe gesellschafftliche Organisation
Bei den Grabungen wurde auch klar, dass die bronzezeitlichen Steppen-Menschen bereits über einen hohen gesellschaftlichen Organisationsgrad verfügten, der aber offenbar nicht von Dauer war: Befestigte Siedlungen mit regelhafter, funktionaler Innengliederung und systematisch angeordneten Häusern, die wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen und nach ungefähr zwei Jahrhunderten ebenso plötzlich im bislang noch undurchsichtigen Nebel der weiteren Geschichte wieder verschwinden, setzten die Forscher in Erstaunen.

Grundlage für diese frühe kulturelle Blüte bilden unter anderem die überaus reichen Mineral- und Erzvorkommen des Urals, die seit dieser Zeit bis heute genutzt werden und von herausragender Bedeutung für die Entwicklung des eurasischen Steppenraums sind.

Die Grabungen werden unterstützt von einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern: Archäobotanikern und Vegetations¬geschichtlern, Bodenkundlern und Biologen, Archäometallurgen, Geologen, Geophysikern und Vermessungsspezialisten, zu denen renommierte Wissenschaftler der Akademie der Wissenschaften aus Ekaterinburg, Tscheljabinsk, Miass sowie der Goethe-Universität gehören. Für April 2012 ist die Eröffnung einer Sonderausstellung im Landeskundemuseum in Ekaterinburg geplant.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Archäologie, Sibirien, Trans-Ural, Bronzezeit, Siedlung, Brunnen, Keramikscherben, Bronze, Streitwagen, Kultur, Ausgrabung
Weitere News zum Thema
Die Minoer kamen nicht aus Afrika (15.05.2013)
DNA-Analysen klären den Ursprung der ersten europäischen Hochkultur
Wurzeln der Maya-Kultur sind verzweigter als gedacht (26.04.2013)
Neue Studie widerspricht vorherrschenden Theorien der Olmeken als Vorgänger-Kultur
Terahertz-Strahlung enthüllt verborgenes Wandgemälde (11.04.2013)
Scanner macht antikes Porträt unter einem Fresco aus dem 19. Jahrhundert sichtbar
Archäologen entdecken eine der ältesten Sonnenuhren der Welt (14.03.2013)
3.000 Jahre alte Tafel mit Stundenlinien lag im Tal der Könige unter einem Steinhaufen
Altägyptische Herrscher kränker als gedacht (08.03.2013)
Die altägyptische Chefetage wurde selten älter als 30 Jahre - Mangelernährung und Krankheiten rafften sie dahin
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Archäologische Funde
Wikinger
Rungholt
Seidenstraße
Eismumien
Dossiers zum Thema
Die eurasische Steppe
Verkannte Einöde zwischen Schwarzem Meer und Wüste Gobi
Die Seidenstraße
Ein alter Mythos im Licht der Gegenwart
Luftbildarchäologie
Wenn Archäologen zur Cessna statt zum Spaten greifen
Eismumien
Auf Zeitreise mit Ötzi & Co
Die Wikinger im Bernsteinland
Auf der Suche nach Siedlungsspuren in Wiskiauten
Rungholt
Rätsel um das Atlantis der Nordsee
News des Tages
Licht von Galaxienhaufen bestätigt Relativitätstheorie
Nehmen Pflanzen mehr Kohlendioxid auf als gedacht?
Skandinavier sind weltweit am vertrauensvollsten
Geheimnisvolle Bronzezeit-Kultur in der Steppe entdeckt
Katalysator erleichtert Wasserstoffgewinnung aus Alkohol
Bücher zum Thema
Archäologie erleben
50 Ausflüge in die Vergangenheit von André Wais, Karoline Müller und Tina Steinhilber
Die Stadt des Scharfnasenfisches
Alltagsleben im antiken Ägypten
Die siebzig großen Erfindungen des Altertums
von Brian Fagan und Walter Spiegl
Rätsel der Archäologie
Unerwartete Entdeckungen - Unerforschte Monumente von Luc Bürgin
Tauchgang in die Vergangenheit
Unterwasser- archäologie in Nord- und Ostsee von Friedrich Lüth (Hrsg.)
Top-Clicks der Woche
1. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
2. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
3. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen
4. Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe
5. Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk