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Dienstag, 23.05.2017
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Neue Therapie gegen Schuppenflechte

Proteinase hemmt Zellteilung in der Oberhaut

Zellbiologen der Universität Bonn haben in Koorperation mit der Universtity of Leeds (England) und der Industrie möglicherweise eine neue effektive Therapie gegen die Schuppenflechte entdeckt: Eine bestimmte Gruppe so genannter Metalloproteinase-Inhibitoren kann die gesteigerte Teilungsaktivität der Oberhautzellen normalisieren, die Ursache der unangenehmen Schuppenbildung ist. Toxische Nebenwirkungen konnten die Forscher zumindest in Zellkulturen nicht beobachten.
Hautkulturen im Labor

Hautkulturen im Labor

Rund zwei Millionen Deutsche leiden unter Schuppenflechte (Psoriasis vom griechischen psora = Jucken, Kratzen). Bei der unheilbaren Erkrankung ist die Regeneration der Oberhaut (Epidermis) enorm beschleunigt: Erneuert sie sich normalerweise innerhalb von knapp vier Wochen, ist diese Zeitspanne bei Psoriasis-Patienten auf vier bis sieben Tage verkürzt. Grund ist eine stark erhöhte Teilungsakivität der so genannten Keratinozyten. Sie bilden eine Schicht, die die Oberhaut von der tiefer liegenden Lederhaut trennt. Von dieser Keimschicht wandern die alternden Zellen immer weiter nach außen und schuppen schließlich ab.

Die Krankheit verläuft schubweise. Typische Merkmale sind scharf begrenzte rote Herde, die mit silberweißen Schuppen bedeckt sind. Im Mittelalter hielt man sie für Lepra-Symptome; ein großer Teil der verfolgten und teilweise sogar verbrannten "Aussätzigen" litt wohl unter der (nicht ansteckenden) Schuppenflechte. Schlimmer als die Hautveränderungen selbst ist bis heute die damit verbundene Stigmatisierung: "Während eines Schubes glauben viele Patienten, für ihre Umgebung kaum noch zumutbar zu sein", erklärt der Bonner Zellbiologe Professor Dr. Volker Herzog. "Manche Betroffene ziehen sich völlig zurück; Depressionen sind nicht selten."

Teilungsaktivität gebremst


Eine der Substanzen, die die Keratinozyten zur Teilung anregen, ist das Protein sAPP±. Es entsteht bei der Spaltung eines größeren Eiweißes, des APP. Die Keratinozyten produzieren ein Enzym, das APP zu sAPP± zurechtstutzt: die so genannte ±-Sekretase. Die Wissenschaftler haben nun diese "molekulare Schere" blockiert. "Wir wussten, dass bestimmte Metalloproteinase-Inhibitoren die ±-Sekretase hemmen. Nach Zugabe dieser Substanzen beobachteten wir an Zellen von Schuppenflechte-Patienten, dass die sAPP±-Freisetzung nahezu vollständig gehemmt wurde. Dadurch ging die stark erhöhte Teilungsaktivität der Keratinozyten 24 Stunden nach der Zugabe um 50 bis 60 Prozent auf normale Werte zurück", erklärt Herzogs Mitarbeiterin Christina Siemes. "Diese Ergebnissen konnten wir an Hautpräparaten von fünf Schuppenflechte-Patienten bestätigen."


Der hemmende Effekt der Metalloproteinase-Inhibitoren klang innerhalb von 72 Stunden größtenteils ab. Zudem konnten die Wissenschaftler selbst bei fünffacher Wirkstoff-Konzentration keine toxischen Nebenwirkungen beobachten. So blieb unter anderem die Zahl der Hautzellen, die in die Apoptose eintraten, konstant - die Apoptose ist das "Selbstmord"-Programm der Zellen, die sich so bei Fehlfunktionen selbst eliminieren können. Auch die zelluläre Proteinsynthese blieb unbeeinflusst.

Kein Ei des Columbus


"Die Behandlung mit den von uns untersuchten Metalloproteinase-Inhibitoren scheint eine neue und sehr vielversprechende therapeutische Option gegen Schuppenflechte zu sein", glaubt daher Professor Herzog. "Wir haben damit aber sicherlich nicht das Ei des Columbus gefunden - jede Haut reagiert schließlich anders." Zudem lindern die Substanzen lediglich die Symptome und bekämpfen nicht das zugrunde liegende Übel: Die chronische Entzündung der Haut aufgrund permanenter Angriffe durch das körpereigene Immunsystem, auf die die Keratinozyten mit fieberhafter Teilungsaktivität reagieren.

Die Wissenschaftler wollen ihr Verfahren nun im Tierversuch an Nacktmäusen testen, denen sie Hautgewebe von Schuppenflechte-Patienten transplantiert haben. Die Wirkstoffe wollen sie dabei lokal in Form einer Crème verabreichen. In Kürze sind zudem erste Tests am Menschen geplant.
(Universität Bonn, 17.08.2004 - NPO)
 
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