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Samstag, 25.03.2017
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Leckende Bienen profitieren vom süßesten Nektar

Höherer Zuckergehalt macht Blütensaft für Schmetterlinge zu zähflüssig

Von Honigbienen besuchte Blüten haben meist einen deutlich süßeren Nektar als von Schmetterlingen bestäubte. Warum das so ist, haben jetzt US-amerikanische Forscher herausgefunden. Der Schlüssel liege in der Art, wie die Insekten den Nektar aus der Blüte aufnehmen, berichten sie im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". "Nektarfresser müssen schnell und effizient trinken, weil sie dabei leicht gefressen werden können", sagen die Wissenschaftler um Studienleiter John Bush vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Je süßer aber ein Nektar sei, desto zähflüssiger sei er auch.
Honigbiene auf einer Blüte

Honigbiene auf einer Blüte

Der süße Nektar blühender Pflanzen ist für viele Insekten, aber auch für Vögel wie beispielsweise Kolibris eine wichtige Nahrungsquelle. Die Tiere setzen dabei drei verschiedenen Techniken ein, um den mehr oder weniger zähflüssigen Sirup aufzunehmen, erklären die Forscher: Schmetterlinge besitzen einen Rüssel, mit dem sie den Nektar wie mit einer Pumpe einsaugen. Nektarfressende Vögel saugen ebenfalls, nutzen dabei aber ihre Zunge als passive Saughilfe. Bienen und Hummeln, aber auch einige Fledermäuse, setzen dagegen auf den Schwammeffekt: Sie tunken ihre raue Zunge in schneller Folge in den süßen Saft und lecken so den Nektar auf.

Honigbienen "aufs Maul geschaut"


Die Forscher verglichen nun erstmals diese drei Trinktechniken in Bezug auf eine effektive Nahrungsaufnahme bei verschiedenen Nektarkonzentrationen. Für ihre Studie filmten sie Honigbienen beim Trinken verschiedener Zuckerlösungen mit Hochgeschwindigkeitskameras. Über Modellrechnungen ermittelten sie dann, wie die Zähflüssigkeit - und damit der Zuckergehalt- die Trinkgeschwindigkeit beeinflusst. Diese Werte verglichen sie mit zuvor von anderen Forschern erstellten Modellen für das Nektartrinken mittels aktiv und passiv saugender Mundwerkzeuge, wie beispielsweise bei Schmetterlingen oder Kolibris.

Zuckerreicher Nektar zu zäflüssig für Sauger


Dabei habe sich nun herausgestellt, dass Honigbienen selbst dickflüssigen Sirup noch schnell genug aufnehmen können, weil sie den Nektar nicht saugen, sondern lecken, sagen die Forscher. Saugende Insekten wie Schmetterlinge bräuchten dagegen für stark zuckrigen Nektar zu lange. Für sie sei dünnflüssigerer, etwas zuckerärmerer Nektar besser geeignet. Für die leckenden Bienen habe sich eine Zuckerkonzentration von rund 50 bis 60 Prozent als optimaler Kompromiss aus Ertrag und Zeitaufwand ergeben, sagen die Wissenschaftler. Für die aktiv saugenden Schmetterlinge und die passiv saugenden Kolibris liege die optimale Konzentration dagegen bei nur rund 30 bis 40 Prozent.


Es habe sich zudem gezeigt, dass Faktoren wie Körpergröße, Artzugehörigkeit oder Position im Ökosystem keinerlei Einfluss darauf hatten, welchen Nektar ein Tier am effektivsten konsumiere, schreiben die Forscher. Entscheidend sei einzig und allein, ob das Tier seine Zunge in den Nektar tauche oder ob es eine Saugtechnik einsetze.

Pflanzen passten sich diesen Präferenzen an


Diese Erkenntnis erweitere nicht nur das Wissen über die bestäubenden Tiere. Es sei auch ein Hinweis darauf, dass sich die Pflanzen im Laufe der Evolution an die Trinkgewohnheiten ihrer Bestäuber angepasst hätten. "Diese Beobachtungen könnten erklären, warum der Nektar der von Bienen und Hummeln besuchten Blüten einen durchschnittlich höheren Zuckergehalt hat als der von Schmetterlingen und Kolibris besuchten Blüten", sagen die Forscher.
(Massachusetts Institute of Technology / PNAS, 27.09.2011 - NPO)
 
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