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Donnerstag, 26.05.2016
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Urahnen der Aborigine verließen Afrika zuerst

Erste Sequenzierung eines Aborigine-Genoms spricht für mehrere Wanderungswellen des Homo sapiens

Die Vorfahren der australischen Ureinwohner verließen Afrika bereits mindestens 24.000 Jahre vor den Urahnen der Europäer und Asiaten. Das schließen Forscher jetzt aus der ersten Sequenzierung des Erbguts eines australischen Aborigine. Der Vergleich mit den Genen von Asiaten, Afrikanern und Europäern zeige, dass die ersten Aborigine-Ahnen bereits vor 62.000 bis 75.000 Jahren aus Afrika auswanderten, berichtet das internationale Wissenschaftlerteam im Fachmagazin "Science". Moderne Asiaten stammten dagegen von Frühmenschen ab, die erst vor 25 bis 38.000 Jahren nach Asien kamen.
Rekonstruktion der Auswanderungswellen aus Afrika

Rekonstruktion der Auswanderungswellen aus Afrika

Die australischen Ureinwohner gelten als eines der ältesten Völker der heutigen Menschheit. Archäologische Funde belegen, dass sie schon vor rund 50.000 Jahren in Australien lebten - lange bevor der Homo sapiens in Europa Fuß fasste. "Die genetische Geschichte der Aborigines ist daher sehr wichtig für das Verständnis der Evolution des modernen Menschen", schreiben die Forscher. Umstritten war bisher allerdings, auf welche Weise die Vorfahren der Aborigines einst aus Afrika nach Australien gelangten. "Nach der bisherigen Theorie soll Ostasien durch eine einzige frühe Welle der Migration besiedelt worden sein", sagen Willerslev und seine Kollegen. Die Aborigines hätten sich dann nachträglich von diesen ersten Asiaten abgespalten.

Der Vergleich mit 79 Erbgutsequenzen von Afrikanern, Europäer und Asiaten zeige jedoch, dass sich die Urahnen der Aborigines bereits von den gemeinsamen Vorfahren der Eurasier abtrennten. Erst danach sei die Trennung von Europäern und Asiaten erfolgt, berichten die Wissenschaftler. Die australischen Ureinwohner seien daher heute eines der wenigen Völker, die auf die frühesten menschlichen Auswanderer aus Afrika zurückgingen.

Dieses Haarbüschel eines vor rund hundert Jahren lebenden Aborigine lieferte die DNA

Dieses Haarbüschel eines vor rund hundert Jahren lebenden Aborigine lieferte die DNA

Haarlocke von jungem Westaustralier lieferte die DNA


Das Haarbüschel, das die DNA lieferte, stammt von einem jungen Aborigine, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Westaustralien lebte. Er soll die Haarlocke einem britischen Anthropologen geschenkt haben, der sich damals in dieser Region aufhielt. Das Haar war nicht eingefroren, sondern wurde rund hundert Jahre lang unter normalen Bedingungen im Museum aufbewahrt.


Dank modernster Sequenzierungstechnik sei es aber dennoch gelungen, die DNA des Zellkerns sowie die mitochondriale DNA zu sequenzieren. "Auf diese Weise liefert die Genetik einen einzigartigen Beitrag zu unserem Verständnis darüber, wie und wann der Mensch die Welt eroberte", sagt Francois Balloux vom Imperial College in London, Leiter des Genetiker-Teams in London.

Erste Pioniere der Menschheit


"Während die Vorfahren der Europäer und Asiaten noch irgendwo in Afrika oder dem Nahen Osten herumsaßen, verbreiteten sich die Vorfahren der Aborigines schnell", sagt Studienleiter Eske Willerslev der Universität Kopenhagen. Sie seien die ersten modernen Menschen gewesen, die über unbekanntes Gebiet nach Asien wanderten und schließlich das Meer nach Australien überquerten. Die jetzt sequenzierte DNA eines Aborigine belege, dass dieser von diesen ersten menschlichen Pionieren und Entdeckern abstamme.

Nach Ansicht der Forscher spricht die frühe Migration der Aborigine-Vorfahren auch gegen die gängige Theorie von nur einer einzigen großen Auswanderungswelle des Homo sapiens aus Afrika. "Ein solches Modell ist mit unseren genetischen Daten nicht kompatibel", konstatieren die Wissenschaftler. Die Ergebnisse sprächen stattdessen für mehrere Auswanderungswellen. Nach diesem verließen erst die Ur-Aborigenes Afrika, dann folgten die späteren Europäer und Asiaten nach. Es gebe auch erste Hinweise auf noch zwei weitere Wanderungswellen zwischen diesen Ereignissen, sagen die Forscher. (Science, 2011; DOI: 10.1126/science.1211177)
(Science, dapd, 23.09.2011 - NPO)