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Mittwoch, 26.07.2017
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Nordwestpassage ist für Grönlandwale offen

Schwindendes Meereis erlaubt Austausch zwischen atlantischen und pazifischen Meeresbewohnern

Die normalerweise vereiste Nordwestpassage ist für Grönlandwale kein Hindernis mehr: In den letzten Jahren haben Forscher per Sender markierte Tiere dabei beobachtet, wie sie die Wasserwege im Norden Kanadas durchschwammen. "Wir demonstrieren damit den ersten Beweis dafür, dass diese Route Wale zweier Populationen verbindet, die bisher als vom Meereis getrennt galten", berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Biology Letters". Bisher habe man geglaubt, dass das arktische Eis als physische Barriere zwischen den Walen des Atlantiks und Pazifiks stehe. Das habe sich jetzt als falsch herausgestellt.

Erste Vorstöße bereits 2002 beobachtet


Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler in den Jahren 2001 bis 2010 insgesamt 122 Grönlandwale im Atlantik und von 2006 bis 2010 58 Wale im Pazifik mit Sendern markiert. Per Satellit konnten sie so die Wanderungsbewegungen der Tiere verfolgen, die ausschließlich in arktischen Gewässern vorkommen. Bereits im Herbst 2002 und 2006 habe man Wale beobachtet, die weit in die Nordwestpassage hineinschwammen und dann wieder umkehrten, sagen die Forscher.

Im Herbst 2010, als die Nordwestpassage zwischen Alaska und der Ostküste Kanadas nahezu eisfrei war, seien zwei Wale von jeweils entgegengesetzter Richtung in die verästelten Kanäle der Passage geschwommen. "Im September 2010 hielten sich beide Tiere mehr als zwei Wochen lang im Viscount Melville Sound auf", berichten die Forscher. Beide seien dabei nur 130 Kilometer - das entspricht nur 48 Stunden Schwimmzeit für einen Grönlandwal - voneinander entfernt gewesen. Auf dem Rückweg hätten sich ihre Wege sogar gekreuzt. Das dokumentiere eine Überlappung zwischen beiden Populationen.

Wahrscheinlich habe es Begegnungen auch schon in vorgehenden Jahren gegeben, mutmaßen die Forscher. Sie gehen davon aus, dass den Walen bereits ein Absinken der Eisbedeckung auf rund 50 Prozent ausreicht, um freien Durchgang durch einen der Kanäle der Nordwestpassage zu haben.


Klimawandel öffnet Eisbarriere auch für andere Tierarten


Angesichts der momentanen Raten des Eisverlustes in der Arktis sei es wahrscheinlich, dass der Klimawandel die geographische Trennung zwischen den Walgruppen aufhebe, sagen Hauptautor Mads Peter Heide-Jørgensen vom Greenland Institute of Natural Resources in Nuuk und seine Kollegen. Gleichzeitig eröffne die eisfreie Nordwestpassage den Tieren neue Lebensräume, die seit Jahrtausenden für sie nicht zugänglich gewesen seien.

Forscher markieren einen Grönlandwal, indem sie ihm einen per Satellit verfolgbaren Sender in die Rückenhaut implantieren.

Forscher markieren einen Grönlandwal, indem sie ihm einen per Satellit verfolgbaren Sender in die Rückenhaut implantieren.

"Die Wanderungen der Grönlandwale sind vielleicht ein frühes Anzeichen dafür, dass auch andere Meereslebewesen mit einem Austausch zwischen Atlantik und Pazifik über die Arktis hinweg begonnen haben", schreiben die Forscher. Sollte die eisfreie Arktis ein Verbindungskorridor zwischen dem beiden Ozeanen werden, könnten die ökologischen Folgen allerdings beträchtlich sein, meinen sie.

Offene Passage erklärt geringe genetische Unterschiede


Nach Ansicht der Forscher könnte eine periodisch für die Wale passierbare Nordwestpassage auch erklären, warum die Walpopulationen in Atlantik und Pazifik sich genetisch noch so ähnlich sind. Offenbar sei es in den letzten mehreren tausend Jahren schon mehrfach zu Vermischungen über diesen Weg gekommen, postulieren die Wissenschaftler. Immer dann, wenn die Meereisbedeckung besonders gering war, könnten einige Individuen den Ozean gewechselt haben.

Erste Hinweise auf einen solchen Austausch habe es sogar schon vor dem Jahr 1900 gegeben, berichten die Forscher. Damals habe man Harpunspitzen grönländischer Inuit in der Haut von Grönlandwalen gefunden, die im Pazifik gefangen worden waren. Diese Information sei aber von den damaligen Wissenschaftlern als nicht plausibel und anekdotisch verworfen worden. Jetzt wisse man, dass diese Wale vermutlich tatsächlich aus dem Atlantik über die Nordwestpassage in den Pazifik gelangt waren. (Biology Letters, 2011; doi:10.1098/rsbl.2011.0731)
(Royal Society, 21.09.2011 - NPO)
 
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