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Donnerstag, 24.05.2012
Tropenwälder: In 100 Jahren verschwunden?
Forscher warnen vor wachsender Abholzungsgefahr
Etwa zehn Prozent der Landfläche unseres Planeten waren einst natürlicherweise mit tropischem Regenwald bedeckt. Bis heute hat der Mensch davon bereits bereits die Hälfte davon vernichtet. Das warnen Forscher anlässlich des morgigen Tages der Tropenwälder. Die verbleibende Waldfläche schrumpfe jährlich um ein halbes Prozent.

Tropischer Regenwald
Tropischer Regenwald
© IMSI MasterClips
"Wenn die Zerstörung so weitergeht, ist der Regenwald in 100 Jahren weg", sagt Christian Wirth von der Universität Leipzig . Allerdings hält es der Biologe wegen der immer schärferen Schutzmaßnahmen für unwahrscheinlich, dass die Tropenwälder gänzlich vernichtet werden. Da sie jedoch die Hälfte aller Landlebewesen beherbergen, wird ein Zusammenschrumpfen auf wenige Nationalparks die Artenvielfalt auf unserem Planeten drastisch verringern, warnt der Experte.

Waldökysysteme und Gefährdung jeweils unterschiedlich
"Wenn man Fläche vernichtet, vernichtet man auch Arten, da jeder Quadratkilometer Regenwald eine andere Artenausstattung hat", berichtet Wirth. In Südostasien verschwinden ihm zufolge derzeit die größten Regenwald-Flächen. Die Bäume werden meist gerodet, um profitträchtige Ölpalmen anzupflanzen. Im Amazonasbecken in Südamerika, wo sich der größte zusammenhängende Tropenwald der Erde befindet, müssen die Bäume Acker- und Weideland weichen. Das Holz fällt der klimaschädlichen Brandrodung zum Opfer oder wird für die Zellstoffgewinnung und als Bauholz verwendet.

Schutz und Kontrolle teilweise schwierig
"Es gab im letzten Jahrzehnt auch positive, rückläufige Trends, was die Vernichtung der Tropenwälder angeht. Die haben sich aber inzwischen leider schon wieder umgekehrt", sagt Dietmar Sattler. Der Biologe arbeitet am Institut für Geographie der Universität Leipzig und erforscht unter anderem die Ökologie des Regenwaldes. Internationale Regularien zum Schutz dieser Wälder
seien in den einzelnen Ländern nicht gesetzlich bindend. Die hätten zwar ihre eigenen Gesetze, deren Umsetzung und Kontrolle allerdings wegen der Größe der Flächen "extrem schwierig" sei, sagt er. Seit mehreren Jahren könne allerdings die Abholzung der Regenwälder sehr genau über Satellit beobachtet werden.

Verinselung der Restwälder gefährdet Ökosysteme
Die Rodung von Regenwald beeinflusse auch die verbleibenden Flächen, sagt Sattler. "Der Rand der tropischen Regenwälder franszt immer mehr aus." In der Fachwelt werde dieser Trend Fragmentierung genannt. Forscher, die auch von der Universität Leipzig kommen, untersuchen, welchen Einfluss diese Tatsache auf die Funktionalität und die Artenvielfalt der Regenwälder hat. Durch die Verinselung von Wäldern würden Organismen isoliert und somit unter anderem die Samenverbreitung durch Tiere eingeschränkt. "Auf lange Sicht hat das zur Folge, dass viele Arten aussterben, da sie sich nicht mehr regenerieren können oder anfälliger für Schädlinge werden", sagt Sattler.

Hinzu kommt, dass die Randbereiche schneller austrocknen und dadurch die Wälder leichter abbrennen. Die Vernichtung des Regenwaldes beginne mit dessen Zerschneidung durch den Menschen. Durch die Abholzung verändere sich auch das lokale Klima, erklärt Wirth. Da weniger Wasser verdunstet, wird es ihm zufolge immer wärmer und trockener - ein sich selbst verstärkender Trend, der viele Organismen aussterben lässt.

Wissenschaftler der Universität Leipzig untersuchen derzeit in mehreren Forschungsprojekten vor Ort den Zustand der Regenwälder. Neben der Fragmentierung des brasilianischen Küstenregenwaldes geht es dabei unter anderem auch um den Einfluss von Stürmen auf die Dynamik von Regenwäldern im
Amazonasbecken. Ein weiteres Projekt befasst sich mit der Artenvielfalt auf einer Insel im Panamakanal.
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