• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 27.08.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

CCS-Kohlendioxidspeicher: Risiko geringer als gedacht?

Forscher nutzen Todesfälle an vulkanischen CO2-Quellen als Vergleichsgröße

Die Gesundheitsgefahren durch die technische Speicherung von Kohlendioxid im Untergrund sind möglicherweise geringer als vielfach befürchtet. Das deutet jetzt eine Studie britischer Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" an. Sie hatten untersucht, welches Risiko von vulkanischen Kohlendioxid-Quellen ausgeht und daraus Vergleichswerte für die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) abgeleitet.
CCS-Pilotanlage Schwarze Pumpe in Brandenburg

CCS-Pilotanlage Schwarze Pumpe in Brandenburg

Bei der CCS-Technologie wird das Treibhausgas Kohlendioxid aus Abgasen von Kraftwerken oder der Industrie zunächst herausgetrennt und dann in Speicher im Untergrundgestein geleitet. Genutzt werden sollen dafür unter anderem ehemalige Erdgas- oder Erdöllagerstätten Dort soll es auf unbegrenzte Zeit gelagert werden und so keinen Einfluss mehr auf das Klimasystem ausüben können. Dieses Verfahren gilt als vielversprechende Hilfe beim Klimaschutz, ist aber besonders im Hinblick auf seine Sicherheit umstritten. "Die Angst vor einem Leck verbunden mit geringen Vorteilen für die lokale Bevöllkerung ist einer der Hauptgründe für die negative öffentliche Meinung gegenüber der CCS", sagen Stuart Haszeldine von der University of Edinburgh und seine Kollegen.

"Es gibt bisher keine direkten Erfahrungen mit der CO2-Abscheidung und -Speicherung in kommerziellem Maßstab", sagen die Wissenschaftler. Daher lasse sich das Gesundheitsrisiko eines Speicherlecks auch nicht direkt an einer solchen Anlage ermitteln. Es habe sich aber in der Studie gezeigt, dass natürliche CO2-Quellen eine gute Analogie zu möglichen Lecks in solchen Anlagen sein könnten.

Elf Todesfälle in 20 Jahren


Für ihre Studie hatten die Forscher das Auftreten von Todesfällen im Umkreis von 286 ungesicherten vulkanischen CO2-Gasaustritten im Westen Italiens untersucht. "Solche Quellen finden sich dort sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen und der Zugang ist normalerweise ungehindert möglich, Warnschilder existieren nur selten", schreiben die Wissenschaftler. Zwischen 10 und 100 Tonnen CO2 trete an diesen Quellen aus. Das sei um mehrere Größenordnungen mehr als Modellierungen für Leckagen bei CCS-Speichern prognostizieren.


Risiko geringer als vom Blitz erschlagen zu werden


In dem rund 20 Millionen Einwohner umfassenden Studiengebiet ereigneten sich zwischen 1990 und 2010 elf Todesfälle, zeigte die Studie. "Das Risiko, dass ein Mensch versehentlich durch eine solche CO2-Quelle stirbt, liegt damit bei knapp drei Hundertmillionstel pro Jahr", berichten die Wissenschaftler. Dieses Risiko sei damit um rund drei Größenordnungen niedriger als vom Blitz erschlagen zu werden.

Da bei einem Leck in einem technischen Kohlendioxidspeicher deutlich weniger CO2 austrete als bei den vulkanischen Quellen, sei das Risiko bei diesen Anlagen noch geringer, konstatieren die Forscher. Zudem sei bei CO2-Speichern der Zugang normalerweise beschränkt. Man müsse außerdem davon ausgehen, dass bei einem technischen Leck entsprechende Notfallmaßnahmen eingeleitet würden und dadurch die Menge des ausströmenden Gases schnell sinken würde.

Null Risiko ist nicht möglich"


"CCS kann nicht mit Null Risiko durchgeführt werden", räumen jedoch auch Haszeldine und seine Kollegen ein. Aber man habe nun zumindest gezeigt, dass das Risiko für einen Todesfall selbst dann ziemlich klein wäre, wenn alle Abschirmungen versagen und CO2 an die Oberfläche gelangen sollte. "Die Sorge der Öffentlichkeit bezüglich eines Todes durch CO2-Lecks in solchen Speichern erscheint daher überzogen", meinen die Forscher. (PNAS, 2011; DOI:10.1073/pnas.1018590108)
(PNAS, 13.09.2011 - NPO)
 
Printer IconShare Icon