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Montag, 23.01.2017
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9/11-Helfer leiden an Spätfolgen

Einsatz am Ground Zero hinterließ Asthma, Lungenschäden und psychische Krankheiten

Auch zehn Jahre nach dem 11. September 2001 leiden noch tausende von Feuerwehrleuten, Polizisten und anderen Hilfskräften an gesundheitlichen Spätfolgen der Katastrophe. Das haben US-amerikanische Forscher jetzt festgestellt. Mehr als jeder Fünfte der unmittelbar am World Trade Center eingesetzten Helfer habe noch heute mehrfache körperliche und psychische Folgeschäden, berichten die Wissenschaftler in einer Sonderausgabe des Fachmagazins „The Lancet“. Am stärksten verbreitet seien dabei Asthma, Posttraumatische Stresserkrankungen, Depressionen und chronische Atemwegserkrankungen, sagen die Forscher. Bei 42 Prozent der Helfer habe man noch heute eine eingeschränkte Lungenfunktion festgestellt.
Die brennenden Türme des World Trade Center

Die brennenden Türme des World Trade Center

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler den Gesundheitszustand von mehr als 27.000 Einsatzkräften über gut neun Jahre hinweg verfolgt. Die Helfer waren nach der Katastrophe direkt am Ground Zero eingesetzt, dem Einsturzort der beiden Zwillingstürme des World Trade Centers. „Diese Männer und Frauen haben damals ihr Leben und ihre Gesundheit riskiert, um ihre Mitbürger nach der verheerenden Katastrophe des 11. September zu unterstützen“, sagt Studienleiter Philip Landrigan von der Mount Sinai School of Medicine in New York. Nun zeige sich, dass viele dieser Helfer noch auf Jahre hinaus mit mehrfachen Krankheiten belastet seien.

Zehn Prozent höheres Krebsrisiko


In einer weiteren, im gleichen Journal veröffentlichten Studie berichtet eine andere Forschergruppe, dass Feuerwehrleute, die am World Trade Center eingesetzt waren, auch ein insgesamt bis zu zehn Prozent höheres Krebsrisiko aufwiesen als die Allgemeinbevölkerung. Zwar habe der Einzelvergleich verschiedener Krebsarten bei den mehr als 9.000 untersuchten Feuerwehrmännern keine signifikante Erhöhung ergeben. Dies könnte aber auf die kleine Anzahl der jeweils von den einzelnen Krebsarten Betroffenen in der Studie zurückzuführen sein, konstatieren die Forscher.

Angesichts der jetzt festgestellten Langzeitfolgen müsse man eine wichtige Lehre auch für zukünftige Katastropheneinsätze ziehen, schreiben die Wissenschaftler. „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Langzeitbeobachtungen und Behandlungsprogrammen für Rettungs- und Wiederaufbaukräfte“, sagt Landrigan. Man müsse alles Erdenkliche tun, um ihnen die bestmögliche Langzeitversorgung zukommen zu lassen.


Einsatzkräfte waren giftiger Schadstoffmischung ausgesetzt


Nach Angaben der Forscher waren die Rettungskräfte je nach Zeitpunkt ihres Einsatzes unterschiedlich starken Belastungen ausgesetzt. Diejenigen, die unmittelbar nach dem Einsturz der beiden Türme mit der Arbeit begannen, seien am stärksten mit giftigem Staub, Asche und anderen toxischen Substanzen in Kontakt gekommen, sagen Landrigan und seine Kollegen.

Die Luft an Ground Zero und im Süden Manhattans habe damals eine komplexe Mischung aus Giften und krebserregenden Substanzen enthalten, berichten die Forscher. Man habe unter anderem Benzol aus dem Flugzeugtreibstoff, Asbest und Dioxine, Glasfasern, Blei, Chlorverbindungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen.

Die körperlichen Auswirkungen der am Einsatzort eingeatmeten Giftstoffe seien auch mehr als neun Jahre später noch nachweisbar, sagen die Wissenschaftler. So litten 28 Prozent der Helfer unter Asthma, 42 unter chronischer Nebenhöhlenentzündung und 39 Prozent unter einer chronischen Entzündung der Speiseröhre - auch als Refluxkrankheit bezeichnet. Fast jeder zehnte unter den Einsatzkräften habe gleichzeitig unter allen drei Krankheiten gelitten, berichten die Forscher.

Depression und Posttraumatische Belastungsstörungen


Auch die enorme psychische Belastung durch die traumatisierenden Ereignisse am 11. September hat offenbar bis heute Spuren hinterlassen, wie die Studie belegt. Bei sieben Prozent der Polizisten habe man eine Depression diagnostiziert, berichten die Forscher. Auch 28 Prozent der anderen Einsatzkräfte zeige noch immer Symptome einer Depression.

Bei neun Prozent der Polizisten und bis zu 32 Prozent der anderen Einsatzkräfte stellen die Mediziner eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) fest. 21 Prozent der Helfer litten unter Panikattacken und anderen Symptomen einer Angststörung. (The Lancet, 2011)

Mehr zum Thema in unserem Special "Ground Zero - zehn Jahre nach 9/11"
(The Lancet / dapd, 05.09.2011 - NPO)
 
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