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Freitag, 26.08.2016
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Vertrautheitsgefühl beeinflusst Entscheidungen

Hirnströme verraten Wahl schon im Voraus

Der Mensch wählt bei Entscheidungen zwischen zwei Dingen meist die bekannte Alternative. Was dabei in unserem Gehirn geschieht, haben Forscher jetzt herausgefunden. Bei der Messung von Hirnströmen gelang es ihnen, ein „Vertrautheitssignal“ zu identifizieren. Dieses trete in den ersten 300 bis 500 Millisekunden einer Entscheidung auf, berichten die Forscher in der demnächst erscheinenden Ausgabe des Fachmagazins „Psychological Science“.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Ein solches Signal sei zuvor nur im Zusammenhang mit Erinnerungen, nicht aber in einer Entscheidungssituation beobachtet worden. „Durch unseren neurowissenschaftlichen Ansatz konnten wir erstmals nachweisen, dass dieses Vertrautheitsgefühl nicht nur beim Erinnern, sondern auch beim Entscheiden eine wichtige Rolle einnimmt“, sagt Seniorautor Axel Mecklinger von der Universität des Saarlandes.

Anhand des Vertrautheitssignals gelang es den Wissenschaftlern im Experiment sogar, den Ausgang einer Entscheidung vorauszusagen. Es sei möglich gewesen, die Antworten der Versuchspersonen auf Basis dieser Hirnantwort zu prognostizieren, berichten sie.

Hirnströme beim Städtetest aufgezeichnet


Für ihre Studie zeichneten die Forscher die Hirnströme von Probanden mittels Elektroenzephalografie (EEG) auf, während diese eine Entscheidung fällten. Die Testpersonen hörten dabei jeweils zwei Städtenamen und sollten spontan entscheiden, welches die größere Stadt ist.


Wie erwartet wählten die Versuchspersonen in 90 Prozent der Fälle den bekannteren Städtenamen. Dass Menschen bekannte Alternativen unbekannten vorziehen, hatten schon frühere Verhaltenstests ergeben. Dass dabei im Gehirn das Vertrautheitssignal eine Rolle spielt, zeigt sich aber erst jetzt.

Entscheidung auf Basis des Bekannten nicht immer günstig


Dieses frühe Gefühl von Vertrautheit habe wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen, sagen die Forscher. Erst später verarbeite das Gehirn dann auch weitere Informationen über die Entscheidungssituation. Im Alltag sei das manchmal durchaus vorteilhaft.

Es gebe aber auch Situationen, in denen diese von der Vertrautheit geleiteten Entscheidungen in die Irre führen können: „Das kann man etwa am Aktienmarkt beobachten: Bekanntere Unternehmen werden dort oft nach oben katapultiert, allein wegen ihrer häufigen Nennung in den Medien“, sagt Timm Rosburg von der Universität des Saarlandes, einer der Studienautoren. Eine solche Entscheidung sage jedoch nichts über den inneren Wert einer Aktie aus.

Nach Ansicht der Psychologen könnten die neuen Erkenntnisse daher dazu beitragen, schwierige Entscheidungsprozesse besser zu handhaben: „Wenn wir wissen, dass wir uns von vertrauten Dingen leiten lassen, sollten wir uns das in schwierigen Situationen bewusst machen und eine kritische Distanz dazu einnehmen“, sagen die Forscher. (Psychological Science, 2011)
(Universität des Saarlandes / dapd, 25.08.2011 - NPO)
 
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