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Freitag, 31.10.2014
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Leuchtende Adern machen Hirn-OP sicherer

Neurochirurgen entwickeln neues Fluoreszenzverfahren

Eine neue Methode zur bildlichen Darstellung der Gehirngefäße (Angiographie) könnte die Sicherheit und Effizienz bei Gehirnoperationen deutlich verbessern. Ein Fluoreszenzfarbstoff bringt die Gefäße ohne Röntgenstrahlung zum Leuchten und erleichtert damit besonders die Operation von Aneurysmen, Aussackungen in den Hirngefäßen.
Gehirn

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Das neue Verfahren nutzt dabei die Technik der so genannten Indozyaninfluoreszenz. Dabei wird über spezielles Licht im nicht sichtbaren Bereich ein Fluoreszenzfarbstoff zum Leuchten angeregt. Die Neurochirurgen um Andreas Raabe, Leitender Oberarzt an der Klinik für Neurochirugie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main können somit den Blutfluss in den Gehirngefäßen erstmals direkt durch das Operationsmikroskop beobachten. "Damit ist eine sofortige Bildkontrolle des Operationsergebnisses möglich", erklärt Raabe.

Das neue Verfahren wird vor allem zur Behandlung von Aussackungen der Hirngefäße, so genannten Aneurysmen, angewandt. Da Aneurysmen häufig platzen, müssen sie in den meisten Fällen mit einem Clip verschlossen werden, um eine Hirnblutung, die bei dieser Erkrankung ohne Behandlung wiederholt auftreten kann, zu vermeiden.

Zur Zeit werden etwa 70 Prozent der Aneurysmen über den Gefäßweg verschlossen, indem eine Platinspirale in das Aneurysma eingelegt wird. Bei 30 Prozent der Aneurysmen, darunter oft die komplizierten, gibt das Team der Neurochirurgen und Neuroradiologen der Behandlung durch einen operativen Verschluss des Aneurysmas den Vorzug.

Für das bisherige eingesetzte bildgebende Verfahren, die Röntgenangiographie, musste die Operation jedoch immer für 20 Minuten unterbrochen werden. Wegen dieser zeitlichen Verzögerungen, der besonderen technischen Anforderungen und der Nebenwirkungen kam diese Methode nicht routinemäßig zum Einsatz. Durch die sofortige Bildkontrolle ist eine Korrektur des Gefäßclips jedoch unmittelbar möglich. Komplikationen wie Gefäßeinengungen oder -verschlüsse durch den Clip oder ein ungenügendes Abklippen des Aneurysmas werden so vermieden.

Die Mediziner erhoffen sich jetzt von der routinemäßigen Anwendung der neuen Angiographiemethode eine weitere Verbesserung der Sicherheit des operativen Eingriffes. "Für den Patienten bedeutet das ein höheres Maß an Sicherheit, da wir jetzt bei allen Aneurysma-Operationen den Blutfluss sichtbar machen und das Ergebnis der Operation überprüfen können. Bei besonders komplizierten Fällen ist die intraoperative Röntgenangiographie aber weiterhin ein unersetzliches Verfahren", sagt Raabe.

Für seine Forschungsarbeit wurde Raabe auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Neurochirurgie in Orlando (Florida), dem weltweit größten neurochirurgischen Kongress, mit dem International Abstract Award ausgezeichnet. Raabe erhielt den Preis für seine Entwicklungsarbeit zur technischen Integration einer neuen Angiographiemethode direkt in das Operationsmikroskop.
(Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, 13.08.2004 - NPO)

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