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Mittwoch, 01.06.2016
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Gehirnzellen verraten Wirkung von Schadstoffen im Mutterleib

Züchtung von Astrozyten im Reagenzglas gelungen

Wie giftige Chemikalien auf das Gehirn ungeborener Kinder wirken, könnte in Zukunft vielleicht ohne aufwändige Tierversuche erforscht werden. Denn einem deutschen Forscher ist es gelungen, menschliche Gehirnzellen im Reagenzglas zu züchten, die sich für Chemikalientests eignen. Sie reagieren sensibel auf Giftstoffe und spielen daher auch eine wichtige Rolle für vorgeburtliche Schäden am kindlichen Gehirn.
Nervenzelle

Nervenzelle

Viele Chemikalien, wie beispielsweise Blei im Trinkwasser oder toxische Stoffe in der Farbe von Spielzeugen, werden in der Umwelt angereichert. Sie zeigen bereits in sehr geringen Konzentrationen eine schädliche Wirkung. Ein Kind im Mutterleib reagiert noch empfindlicher auf diese negativen Einflüsse. Forscher vermuten heute, dass vorgeburtlichen Vergiftungen des wachsenden Gehirns für Wahrnehmungs- und Lernstörungen bei Jugendlichen verantwortlich sein könnten. Bisher kann das aber nur in aufwändigen Tierversuchen genauer erforscht werden. Wissenschaftler forschen daher intensiv an der Entwicklung von alternativen Testmethoden für Tierversuche. Sie wären schneller und kostengünstiger und lieferten verlässlichere Daten.

„Wenn wir zelluläre Systeme für die Untersuchung von Neurotoxizität nutzen, vermeiden wir nicht nur Tierversuche, sondern können gleichzeitig sehr viel exaktere und effizientere Untersuchungsergebnisse gewinnen, als über die bisher üblichen Verfahren“, sagt Philipp Kügler von der Universität Konstanz. Er erzeugte sogenannte Astrozyten aus embryonalen Stammzellen. Astrozyten gehören zu den Hüllzellen des Gehirns und wachsen zwischen den Nervenzellen. Lange Zeit war ihre Funktion unklar. Jetzt habe sich gezeigt, dass die Astrozyten bei der Wirkung von Giften auf das Gehirn eine Rolle spielen, sagt Kügler.

Züchte man sie im Reagenzglas, könne ihre Reaktion auf Chemikalien zukünftig besser und leichter getestet werden. Mit einem solchen Zelltest könnte beispielsweise untersucht werden, wie Schadstoffe auf das Gehirn des ungeborenen Kindes wirken. Der Konstanzer Nachwuchswissenschaftler will bis zum Herbst dieses Jahres die verschiedenen Reaktionen der Astrozyten auf toxische Einflüsse genauer erforschen. Dafür wird er Laboruntersuchungen und erweiterte Testverfahren mit den neu gezüchteten Zellen durchführen.
(Universität Konstanz, 15.08.2011 - NPO)