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Montag, 23.01.2017
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Rohstoffabbau bedroht Tiefsee-Leben

Menschlicher Einfluss reicht bis in tiefste Meeresgebiete

Menschliche Aktivitäten beeinflussen zunehmend auch die tiefsten Regionen der Ozeane. Neben der Fischerei bilden Klimawandel und die Suche nach Rohstoffen die größte Gefahr für die noch kaum erforschten Lebensgemeinschaften der Tiefsee. Das zeigt die Bestandsaufnahme einer internationalen Forschergruppe. Die 20 Tiefsee-Experten aus verschiedenen Ländern erstellten sie im Rahmen des seit gut zehn Jahren laufenden „Census of Marine Life“, einer „Volkszählung“ der Meere.
Schleppnetz hat sich in Kaltwasserkorallen verfangen

Schleppnetz hat sich in Kaltwasserkorallen verfangen

In naher und mittlerer Zukunft seien die Kaltwasserkorallen, die oberen Bereiche der Kontinentalhänge und die submarinen Canyons am stärksten bedroht, berichten die Forscher im Fachmagazin „PloS ONE“. Eine starke Gefährdung sehen sie auch für die Lebenswelt um die hydrothermalen Schlote. Diese Quellen heißen, mineralhaltigen Wassers sind reich an begehrten metallischen Rohstoffen wie Kupfer, Kadmium, Nickel oder Platin. In Pilotprojekten erkunden Unternehmen und Wissenschaftler daher bereits Methoden und Machbarkeit eines zukünftigen Tiefsee-Abbaus. In Verbindung mit dem Klimawandel könnten sich die negativen Folgen dieser Abbauaktivitäten noch potenzieren, prognostizieren die Census-Forscher.

„Die Ergebnisse dieses Berichts kommen angesichts des zunehmenden Interesses an der Ausbeutung der Tiefsee-Ressourcen zur rechten Zeit“, konstatieren sie. Zwar gebe es Bemühungen, die ökologischen Auswirkungen solcher Abbauaktivitäten zu minimieren. Doch man wisse einfach noch zu wenig über die Artenvielfalt und das Funktionieren der Tiefsee-Ökosysteme, um die Folgen realistisch abschätzen zu können.

Erwärmung und Versauerung des Meerwassers auch in der Tiefe


Neben dem Rohstoffabbau stellen nach Einschätzung der Forscher die Erwärmung und Versauerung des Meerwassers zukünftig die größte Bedrohung dar. Beides wirke auf globaler Ebene und bis hinab in die großen Tiefen. Verändern sich Meeresströmungen, Nährstoffgehalte und Schichtung des Wassers, könnte unter anderem die Sauerstoffversorgung der Tiefseefauna in Gefahr sein.


Ein bis heute nachwirkendes Erbe der Vergangenheit seien dagegen Schadstoffe und Plastikmüll im Meer, sagen die Meeresforscher. Der zu winzigen Kügelchen degradierte Kunststoff - als „Tränen der Meerjungfrauen“ bezeichnet - sammelt sich in der Tiefsee an und wird dort von Tieren gefressen. Welche langfristigen Folgen dies habe, sei noch unbekannt. Die Wissenschaftler gehen aber von erheblichen Auswirkungen aus.

Tiefsee weitgehend unerforscht


„Das Hauptproblem ist, dass wir noch immer sehr wenig über das wissen, was wir die Tiefsee nennen“, sagen die Forscher. Das mache es schwer, die tatsächliche Auswirkung industrieller Aktivitäten, der Schadstoffeinleitung und des Klimawandels in diesen Habitaten akkurat zu beurteilen.

Die Tiefsee umfasst alle Meeresregionen unterhalb von rund 200 bis 250 Metern Wassertiefe. Sie erstreckt sich über 326 Millionen Quadratkilometer, dies entspricht rund 73 Prozent des Meeresbodens. Erforscht ist davon gerade einmal eine Fläche von der Größe einiger Fußballfelder.

Die negativen Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten erreichten die großen Tiefen unserer Ozeane offenbar deutlich schneller als die Wissenschaft, sagen die Forscher. (PloS ONE, 2011)
(PloS ONE / Census of Marine Life / dapd, 02.08.2011 - NPO)
 
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