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Mittwoch, 13.12.2017
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Neandertaler und Homo sapiens hatten Sex

Genabschnitt auf dem X-Chromosom vieler Nicht-Afrikaner stammt vom Neandertaler

Einige unserer Vorfahren hatten vor mehreren zehntausend Jahren definitiv Sex mit Neandertalern. Ein internationales Forscherteam hat auf dem menschlichen X-Chromosom einige Gensequenzen identifiziert, die von unserem eiszeitlichen Vetter stammen. Diese Neandertaler-Erbstücke finden sich jedoch nur bei Nicht-Afrikanern. Wie die Forscher im Fachmagazin „Molecular Biology and Evolution“ berichten, ereigneten sich die Paarungen zwischen den beiden Menschenarten höchstwahrscheinlich vor 60.000 bis 80.000 Jahren im nahen Osten. In dieser Zeit kamen beide gemeinsam dort vor.
Schädel eines Jetztmenschen (links) und eines Neandertalers

Schädel eines Jetztmenschen (links) und eines Neandertalers

Wie viel Neandertaler steckt im heutigen Menschen? Diese Frage wird diskutiert und erforscht, seitdem im Jahr 1856 Steinbrucharbeiter das erste Skelett dieses Frühmenschen im Neandertal bei Düsseldorf entdeckten. Der Homo neanderthalensis lebte schon vor knapp 200.000 Jahren in Europa und Vorderasien und starb vor rund 30.000 Jahren aus. Er gilt nicht als direkter Vorfahre des modernen Menschen, sondern als ein Seitenzweig der menschlichen Stammlinie.

Naher Osten als früher Schmelztiegel


Während sich die Verbreitungsgebiete des anatomisch modernen Menschen und des Neandertalers in Europa vermutlich nur kurz überlappten, lebten beide Arten im Nahen Osten wahrscheinlich mehrere zehntausend Jahre im gleichen Gebiet. Das zeigen Fossilienfunde aus der Zeit von vor 60.000 bis 80.000 Jahren. Dass sich in dieser Zeit Neandertaler und Homo sapiens auch miteinander gepaart haben müssen, belegen Forscher um Damian Labuda von der Universität von Montreal jetzt aufs Neue.

Verdächtiger Genort im X-Chromosom


Bereits 2010 hatten deutsche Forscher den Anteil von Neandertaler-DNA in heutigen Europäern und Asiaten auf ein bis vier Prozent beziffert. Ihre Zahlen beruhten auf einem Genvergleich nach der Sequenzierung großer Teile des Neandertalergenoms. In der aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler die Ausprägung eines bestimmten Genorts auf dem X-Chromosom an 6.092 Proben von Menschen aus aller Welt. Dabei handelt es sich um einen Haplotyp, Genvarianten, die innerhalb eines Chromosoms in unterschiedlicher Ausprägung vorkommen und gemeinsam vererbt werden.


Bereits 2003 hatten Labuda und seine Kollegen festgestellt, dass der Haplotyp B006 auf dem X-Chromosom nicht zum gängigen Muster der Homo sapiens-Haplotypen zu passen schien. Sie vermuteten damals, dass er einen unbekannten, nicht-afrikanischen Beitrag zum menschlichen Genpool darstellt. Bestätigt werden konnte dies jedoch erst jetzt, nachdem die Forscher diesen Haplotyp und seine Verteilung beim modernen Menschen mit dem entsprechenden Genort beim Neandertalergenom verglichen haben.

Paarung vor 60.000 bis 80.000 Jahren


„Unsere Daten belegen, dass die Neandertaler-Einkreuzung sich sehr früh in der Ausbreitung des Menschen oder sogar kurz davor ereignet haben muss", erklären die Forscher. Möglicherweise seien es sogar solche Genzugaben gewesen, die den Erfolg des Homo sapiens bei der Besiedelung der Welt gefördert haben. „Es gibt wenig Zweifel, dass dieser Haplotyp bei uns existiert, weil unsere Vorfahren und die Neandertaler sich miteinander gepaart haben. Das ist ein sehr schönes Ergebnis und weitere Analysen könnten dazu beitragen, hier noch mehr Details aufzudecken", kommentiert der renommierte Anthropologe Nick Patterson von der Harvard University die Studie. (Molecular Biology and Evolution , 2011; DOI: 10.1093/molbev/msr024)
(University of Montreal, 19.07.2011 - NPO)
 
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