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Donnerstag, 23.03.2017
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Magenbakterium schützt vor Asthma

Experimente an Mäusen geben Hinweise auf Schutzmechanismus

In einem Experiment haben Forscher nun nachgewiesen, dass der Magenkeim Helicobacter pylori tatsächlich zuverlässig vor Allergie bedingtem Asthma schützt. Mäuse, die schon kurz nach der Geburt mit dem Bakterium infiziert wurden, reagierten selbst auf stark Asthma auslösende Substanzen kaum oder viel schwächer als nicht-behandelte Tiere.
Magenbakterium Helicobacter pylori

Magenbakterium Helicobacter pylori

Dies bestätigt frühere Studien an Menschen, nach denen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ein statistisch deutlich niedrigeres Asthma-Risiko besitzen, wenn sie Helicobacter pylori-Träger sind. Die neuen Versuche geben nun erstmals auch Hinweise darauf, dass der Keim wichtige Zellen des Immunsystems beeinflusst. „Die Erforschung dieser grundlegenden Mechanismen ist für unser Verständnis der Asthma-Erkrankung sehr wichtig, um daraus später präventive und therapeutische Strategien entwickeln zu können“, sagt der Lungen- und Allergie-Spezialist Christian Taube von der Universität Mainz im Fachblatt „Journal of Clinical Investigation“.

Darmkeim weltweit verbreitet


Schätzungen von Medizinern zufolge dürfte rund die Hälfte aller Menschen weltweit vom Darmkeim Helicobacter pylori befallen sein. Die Infektion bleibt meist ohne akute Symptome, sie kann aber auch Gastritis, Magengeschwüre oder sogar Magenkrebs auslösen. Aus diesem Grund wird Helicobacter pylori oft vorbeugend mit Antibiotika bekämpft, selbst wenn keine Beschwerden vorliegen.

Die Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Mainz liefern in ihrer Studie nun wichtige Indizien dafür, dass der Kampf gegen die Mikroben für den Menschen auch negative Folgen hat. Möglicherweise stehe der Anstieg der Asthmaerkrankungen mit dem gezielten Ausmerzen des Magenbakteriums Helicobacter pylori in Verbindung.


Frühe Infektion schützt vor Asthma


Für ihre Untersuchungen infizierten die Forscher Mäuse über die Nahrung mit Helicobacter-Keimen. Geschah dies bei nur wenige Tage alten Tieren, reagierten diese selbst auf starke Allergieauslöser nicht oder nur geringfügig mit Asthma-Symptomen. Dagegen genossen Mäuse, die erst als Erwachsene mit dem Magenbakterium infiziert wurden, einen weitaus schwächeren Schutz.

Antibiotika beenden Schutzwirkung


Die Versuche gaben auch Hinweise auf den Mechanismus dieser bakteriellen Schutzwirkung: „Die frühe Infektion verhindert den Reifeprozess der dendritischen Zellen in der Lunge und führt zu einer Anreicherung von regulatorischen T-Zellen, die für die Unterdrückung von Asthma entscheidend sind“, erläutert Anne Müller, Krebsforscherin an der Universität Zürich. Dendritische Zellen spielen bei der Aktivierung von Immunzellen eine wichtige Rolle, regulatorische T-Zellen verhindern dagegen überschießende Immunreaktionen.

Der Schutz vor Asthma durch den Darmkeim hält allerdings nur so lange an, wie der Keim auch im Körper präsent ist. In den Experimenten verloren die Mäuse ihre Resistenz gegen Asthma-Auslöser wieder, wenn sie später mit Antibiotika behandelt wurden. Nach Ansicht der Forscher ist dies ein wichtiger Beleg dafür, dass die Zunahme von allergischem Asthma in den Industrienationen mit dem weitverbreiteten Einsatz von Antibiotika zusammenhängt. (Journal of Clinical Investigation, 2011; DOI: 10.1172/YCI45041)
(Universitäten Zürich und Mainz, 04.07.2011 - DLO)
 
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