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Dienstag, 28.03.2017
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Trocknet der Spreewald aus?

Entwicklung des Wasserhaushaltes im Spreewald bis zum Jahr 2050 prognostiziert

Der anhaltende Klimawandel zusammen mit den Nachwehen des Tagebaus in der Region könnte bis zum Jahr 2040 den Spreewald in Brandenburg akut bedrohen und es im Extremfall trockenfallen lassen. Dies prognostizierten Wissenschaftler im Rahmem eines Workshops, der sich mit den möglichen Auswirkungen des globalen Wandels auf den Wasserhaushalt, die Ökologie und Nutzung des Spreewaldes beschäftigte.
Spreewald

Spreewald

Vorgestellt wurden Ergebnisse von Untersuchungen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes GLOWA-Elbe, das sich mit den Auswirkungen des globalen Wandels auf den Wasserhaushalt, auf Umwelt und Gesellschaft im gesamten Elbegebiet auseinandergesetzt hat. Mit ca. 60 Teilnehmern aus der Region, die der Einladung der Verwaltung des Biosphärenreservats Spreewald gefolgt waren, wurden anschließend die Konsequenzen der Ergebnisse für die Nutzung der Wasserressourcen im Spreewald diskutiert.

Prognosen bis 2050


Die Forscher haben für die Prognosen bis zum Jahr 2050 verschiedene Szenarien der Klimaentwicklung zugrunde gelegt; unter anderem gehen sie in den nächsten 50 Jahren von einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius aus. Alle Modelle ergeben erhebliche Auswirkungen auf das Feuchtgebiet Spreewald. Abnahme von Niederschlägen und zunehmende Verdunstung in den Sommermonaten sowie damit einhergehend der Rückgang der Grundwasserneubildung führen zu wachsenden Problemen hinsichtlich der Verfügbarkeit des Wassers. Die durch den Bergbau mit dem Rückgang der Sümpfungswässereinleitung und der Flutung der Tagebaue verursachten Veränderungen des Wasserhaushaltes verschärfen diese Situation. Sie haben einen ähnlich großen Einfluss wie die sich verändernden klimatischen Bedingungen.

Die Folge dessen, so die Wissenschaftler, wird eine Zunahme des Wasserdefizits im Spreewald vor allem in den Sommermonaten sein. Insbesondere ist mit tieferen Grundwasserständen vorrangig im Norden und Süden des Spreewaldes sowie in den Bereichen der Niederung zu rechnen, die heute vorzugsweise von den Zuflüssen der Malxe versorgt werden. Mögliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Ökologie sind dann zum Beispiel Ertragseinbußen bei der Grünlandnutzung, der Rückgang spreewaldtypischer Lebensräume wie Feuchtwiesen oder nasse Erlenwälder sowie eine massive weitere Schädigung der wertvollen Niedermoore des Spreewaldes.


Wassermangel im Feuchtgebiet


Nach 2040, wenn die Klimawirkungen zunehmen und sich mit dem Auslaufen des Bergbaus überlagern, kann es laut der Prognosen in trockenen Sommermonaten zu extremen Wassermangelsituationen besonders an den Rändern des Spreewaldes kommen. In starkem Maße davon betroffen wären auch die Zuflüsse der Spree nach Berlin. War der Wassermangel im Sommer bisher die Ausnahme, wird sich dieser in den kommenden Jahren häufen. Das hat zur Folge, dass nicht mehr alle Wasserbedürfnisse in Landwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Teichwirtschaft gleichbleibend umfangreich gedeckt werden können. Dafür reicht das Wasser nicht mehr.

Wie auf dem Workshop betont wurde, kann und muss der zunehmenden Verschärfung dieser Konflikte mit der vorausschauenden Planung der Wasserbewirtschaftung in den langfristigen regionalen Entwicklungskonzepten entgegen gewirkt werden. Das Forschungsprojekt und die vorgestellten Ergebnisse stellen dabei einen Anfang dar. Ausgehend von Risikoanalysen für verschiedene Entwicklungen sollen nun unter Einbeziehung der Nutzer des Spreewaldes und der Abwägung der verschiedenen Interessen Handlungsstrategien zur Bewältigung des Wassermangels entwickelt werden.

In ersten Modellen wird dabei zum einen auf eine Umverteilung der Wasserressourcen durch geänderte Prioritäten der Wasserbereitstellung gesetzt, zum anderen auf eine Zuführung von Wasser aus dem Einzugsgebiet der Oder. Während Ersteres Probleme wegen der Bevorzugung bzw. Benachteiligung von Nutzungen aufwirft, ist Letzteres insbesondere aufgrund der hohen Kosten problematisch. Wie die Entscheidungen ausfallen werden, ist heute noch nicht abzusehen. Unumstößliche Tatsache aber ist, dass dem globalen Wandel in den langfristigen Planungen der Land- und Forstwirtschaft, des Tourismus und des Naturschutzes stärker als bisher Rechnung getragen werden muss, damit im Konsens der Nutzer notwendige wasserwirtschaftliche Maßnahmen realisiert werden.
(Technische Universität Berlin, 12.08.2004 - NPO)
 
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