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Sonntag, 24.09.2017
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Hightech-Blick ins Nervengewebe

Forscher entwickeln neuartige Laser-Mikroskop-Technologie

Um Wirkstoffe gegen Nervenerkrankungen wie die Parkinson-Erkrankung oder die gefürchtete amyotrophe Lateralsklerose (ALS) effizienter testen zu können, haben Wissenschaftler der Universität Göttingen eine neuartige Laser-Mikroskop-Technologie entwickelt. Sie soll es ermöglichen, Gewebeproben exakt und unter möglichst lebensnahen Bedingungen zu analysieren.
Nervenzellen im Lasermikroskop

Nervenzellen im Lasermikroskop

Das Projekt soll mehrere hochmoderne Technologien zu einem leistungsfähigen Gesamtsystem verknüpfen. Damit wollen die Forscher gewissermaßen "live" verfolgen, wie im Nervengewebe Signale übertragen werden und wie Wirkstoffe diese Signalwege beeinflussen. "Entscheidend dafür ist eine am Physiologischen Institut in Göttingen entwickelte Methode, Gewebeschnitte so anzufertigen, dass darin enthaltene Nervenzell-Netzwerke funktionsfähig bleiben", erklärt der Göttinger Neurowissenschaftler Prof. Bernhard Keller. Weitere Bestandteile des Analysesystems sind Methoden zur Fluoreszenzmarkierung von Molekülen sowie hoch auflösende Techniken der Lasermikroskopie. Kooperationspartner sind das neue DFG-Forschungszentrum "Center of Molecular Physiology of the Brain" und die amerikanische Cornell-Universität.

Fast wie im lebenden Körper


"Mit neueren Verfahren der Fluoreszenzmarkierung kann man markierte Moleküle in Zellen einschleusen - beispielsweise in die Nervenzellen von Mäusen", erklärt Prof. Keller. "Und mit unserer Gewebeschnitt-Methode präparieren wir diese Zellen dann so, dass sie zu einem großen Teil noch miteinander kommunizieren können, fast wie im lebenden Körper." Die Wissenschaftler bezeichnen den Zustand dieser Zellverbund-Präparate als "in-vivo-nah". Um ihr erprobtes Verfahren für möglichst viele Anwendungsfelder verfügbar zu machen, will Kellers Arbeitsgruppe ein robotergesteuertes Laborsystem etablieren, das serienmäßig in-vivo-nahe Gewebeschnitte mit gleichen Herstellungs-Parametern anfertigt.

Als nächste Komponente der mehrstufigen Technologie folgt dann ein Multiphoton-Lasermikroskop, das Kellers multidisziplinäres Team für den Blick ins Nervengewebe optimieren will. Multiphotonen-Lasergeräte unterscheiden sich von gewöhnlichen Mikroskopen durch ihr Auflösungsvermögen und die hohe Eindringtiefe der Lichtwellen in das Gewebe, ergeben also ein genaueres und plastischeres Bild mit herausragender wissenschaftlicher Aussagekraft. Die Kombination von automatisiertem Analysesystem und Multiphotonen-Gerät wird es Wissenschaftlern in Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen ermöglichen, mit bisher nicht erreichbarer Geschwindigkeit und Auflösung molekulare Signalwege in Nervenzellen zu analysieren. "Um diese Innovationen möglichst bald für die Medikamententwicklung nutzbar zu machen, kooperieren wir bereits intensiv mit interessierten Biotech-Unternehmen", erklärt Keller.
(BioRegioN - Biotechnologie Niedersachsen, 11.08.2004 - NPO)
 
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