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Mittwoch, 29.06.2016
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Ozeanversauerung macht Fische taub

Wahrnehmung von Fressfeind-Geräuschen im Riff gestört

Die Versauerung der Meere durch das Treibhausgas CO2 nimmt zu. Sinken die pH-Werte noch mehr, könnten einige Fischarten ihren Gehörsinn verlieren und so taub für die Geräusche ihrer sich nähernden Fressfeinde werden. Das zeigt ein jetzt in der Fachzeitschrift „Biology Letters“ veröffentlichtes Experiment an Anemonenfischen, in dem diese Bedingungen wie für 2050 und 2100 vorhergesagt ausgesetzt wurden. Inwieweit eine langsame Anpassung an die sich ändernden Bedingungen solche Folgen vermeiden kann, ist noch unklar.
Anemonenfische im Korallenriff

Anemonenfische im Korallenriff

Seit Beginn der industriellen Revolution setzt der Mensch vermehrt das Treibhausgas Kohlendioxid frei. Mehr als die Hälfte davon haben seither die Meere der Welt aufgenommen – nicht ohne Folgen. Denn dadurch sank der pH-Wert des Meerwassers schneller als zu irgendeiner anderen Zeit in den letzten 650.0000 Jahren. Für die Meeresbewohner hat diese Versauerung der Ozeane bereits jetzt erste Auswirkungen: Sie behindert offenbar den Geruchssinn einiger Fischarten, wie Studien kürzlich zeigten. Jetzt haben britische Forscher festgestellt, dass auch der Gehörsinn beeinträchtigt werden kann.

Jungfische in unterschiedlichem Milieu aufgezogen


Für ihre Studie zogen die Wissenschaftler um Steve Simpson von der Universität von Bristol Larven des Anemonenfischs Amphiprion percula nach ihrem Schlupf in unterschiedlich CO2-haltiger Umgebung auf. „Einige der Baby-Anemonenfische hielten wir unter heutigen Bedingungen mit normaler Luft“, erklärt Simpson. „Bei drei anderen Gruppen gaben wir zusätzliches CO2 hinzu, die Dosis entsprechend der Vorhersagen des Intergovernmental Panel on Climate Change für das Jahr 2050 und 2100.“

Nach 17 bis 20 Tagen der Aufzucht unter den verschiedenen sauren Wasserverhältnissen untersuchten die Forscher die Reaktionen der Jungfische auf die Geräusche eines normalen, Raubfisch-reichen Korallenriffs. „Wir haben eine völlig neue Experimentierkammer entwickelt, die es uns erlaubt, den Fischen über einen Unterwasserlautsprecher Riffgeräusche vorzuspielen und dann zu beobachten, wie sie reagieren“, so der Biologe.


„Saure“ Fische zeigen keine Reaktion auf Fressfeind-Geräusche


Das Ergebnis fiel dabei je nach Aufzuchtbedingungen deutlich unterschiedlich aus: „Fische, die unter heutigen Bedingungen aufgewachsen waren, schwammen vor den Prädatoren-Geräuschen weg“, erklärt Simpson. „Aber diejenigen, die unter CO2-Bedingungen aufgewachsen waren, wie sie 2050 und 210 herrschen, zeigten keinerlei Reaktion.“ Die Studie demonstriert damit erstmals, dass die Versauerung der Ozeane nicht nur stark exponierte sensorische Systeme beeinträchtigt, sondern sogar solche Sinnesorgane, die eigentlich sehr geschützt tief im Hinterkopf der Fische liegen. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dies darauf hindeuten, dass die sauren Umweltbedingungen grundsätzlich die Funktion des sensorischen Systems beeinträchtigen.

Frage einer möglichen rechtzeitigen Anpassung noch ungeklärt


Allerdings räumt Simpson ein, dass die Laborversuche die reale Entwicklung nur zum Teil nachvollziehen können: „Was wir getan haben ist, die heutigen Fische einfach in die Umgebung von morgen zu setzen. Die Auswirkungen sind dabei potenziell verheerend”, so der Forscher. „Was wir aber nicht wissen ist, ob die Fische sich im Laufe der nächsten Generationen vielleicht anpassen können und dann die Versauerung tolerieren.“ Seiner Ansicht nach sind hier noch weitere Forschungen nötig.

„Die Versauerung ist ein Einbahnstraßen-Experiment in globalem Maßstab – ihre Folgen und die mit ihr verbundenen Wechselwirkungen vorherzusagen, ist eine große Herausforderung für die wissenschaftliche Gemeinschaft“, so sein Fazit.
(University of Bristol, 01.06.2011 - NPO)