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Freitag, 10.02.2012
"POPs" in der Bergluft
Start einer Fünf-Länder-Studie zur Gefährdung des Alpenraums durch POPs
In der EU ist ihr Vertrieb schon lange verboten oder streng beschränkt. Als äußerst langlebige Vertreter ihrer Familie findet man die so genannten POPs, den Persistent Organic Pollutants, dennoch heutzutage fast überall in der Umwelt, so auch in der Luft über dem Alpenraum. Die langlebigen hochtoxischen Substanzen können bereits in sehr geringen Konzentrationen eine Reihe von unerwünschten toxischen Wirkungen zeigen. Nun haben fünf Alpenanrainer-Staaten unter Federführung von Österreich den Startschuss für MONARPOP, ein groß angelegtes Monitoring - Projekt zur Untersuchung dieser POPs im Alpenraum gegeben.

Auch die Bergluft ist belastet
Auch die Bergluft ist belastet
© GSF
Manche der POPs werden trotz gesetzlicher Regelungen immer noch als unerwünschte Nebenprodukte emittiert, andere wurden aus weit entfernten Teilen der Welt zu uns verfrachtet. Sie lagern sich bevorzugt in kalten Regionen wie an den Polen oder im Gebirge ab, wo sie sich an fettreiche oder organische Substanzen binden. Besonders gefährdet sind daher im Alpenraum Pflanzen, Tiere und Böden der höheren Regionen und damit auch der Mensch als Bestandteil der Nahrungskette.

„Ab Herbst 2004 werden wir im bewaldeten Bereich zunächst Fichtennadeln und Bodenproben untersuchen sowie zur Erfassung der Luftbelastung oberhalb der Baumgrenze quasi als „virtuelle Fichtennadel“ Passivsammler einsetzen,“ beschreibt Karl-Werner Schramm, Leiter der Laboruntersuchungen und Verantwortlicher für diese neuartige Technik am GSF-Institut für Ökologische Chemie die unter anderem auch für die bayerische Seite geplante Vorgehensweise. Am GSF-Institut für Bodenökologie untersucht zudem Peter Schröder ausgewählte Enzyme in Fichtennadeln von unterschiedlich belasteten Standorten. Ergänzt werden diese Untersuchungen durch zusätzliche – tierversuchsfreie – Analysen zur Wirkung ausgewählter POP-Vertreter, darunter dioxinähnlicher Substanzen und Xenohormone.

An insgesamt sechs Höhenprofilen soll der Einfluss der Seehöhe auf die Belastungsverteilung erfasst werden. Die bayerischen Standorte für die Probenahme liegen in den Landkreisen Oberallgäu, Garmisch-Partenkirchen, Rosenheim und Berchtesgaden. Die Höhenprofile werden im Bereich Eschenlohe und im Nationalpark Berchtesgaden gezogen. Zusätzlich sollen Luft- und Niederschlagsmessungen an hochalpinen Standorten, wie etwa dem Sonnblick, dem Weissfluhjoch und der Zugspitze durchgeführt werden. Daraus erwarten sich die Wissenschaftler erste Hinweise auf die Herkunft der POPs.

Insgesamt sind im Rahmen des Vorhabens, das mit 1,8 Millionen Euro ausgestattet ist, Messungen ins sechs Ländern und Regionen an etwa 40 Messpunkten in den Alpen vorgesehen. Das GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit ist in den Verbund als maßgebliche deutsche Wissenschaftseinrichtung integriert. „Wir erfassen die Substanzen vor Ort für den Bereich der bayerischen Alpen und führen im Anschluss die nötigen Laboruntersuchungen für einen Teil der Substanzen durch“, erläutert Dr. Manfred Kirchner vom GSF-Institut für Ökologische Chemie die Beteiligung der GSF an der Studie. Er koordiniert die Probenahmen im Rahmen der Gesamtstudie, welche im übrigen finanzielle Unterstützung vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie aus dem EU-Interreg Alpenraumprogramm erhält.
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