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Dienstag, 17.01.2017
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Vibrierender Ring schützt vor Fehlkauf

"Angel Ring" erkennt Inhaltsstoffe von Produkten im Supermarkt

In Zukunft könnte ein unauffälliger Ring am Finger die Verbraucher vor dem falschen Griff ins Supermarktregal warnen: Ein jetzt von Wissenschaftlern entwickelter Chip-Ring speichert Informationen über Unverträglichkeiten oder Diätpräferenzen des Besitzers und kann diese via Datenbank mit den Inhaltsstoffen des gerade gegriffenen Produkts abgleichen. Ein kurzes Vibrieren signalisiert dann: „Hände weg“. Vorraussetzung für das System: Kennzeichnung der Produkte mit einem RFID-Chip.
Gegen falsche Einkäufe könnte in Zukunft der "Angel-Ring" schützen.

Gegen falsche Einkäufe könnte in Zukunft der "Angel-Ring" schützen.

Herkunft und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sind auf Produkten oftmals unverständlich, verschleiernd oder sogar irreführend angeben. Häufig werben die Hersteller auch mit Produkteigenschaften, die diese gar nicht haben. Was für die einen nur ärgerlich ist, etwa wenn der angeblich gesunde Joghurtdrink in Wahrheit eine echte Kalorienbombe ist, kann für Allergiker eine ernsthafte Gesundheitsgefährdung sein. Beispielsweise haben etwa 15 Prozent aller Deutschen eine Unverträglichkeit für Milchzucker (Laktose-Intoleranz). Mit Fruchtzucker haben sogar 30 Prozent der Bevölkerung Probleme. Auch spezielle Diät- oder Ernährungspläne sind häufig Gründe für differenziertes Einkaufen. Nicht zuletzt gibt es noch andere Motive für Verbraucher, bestimmte Produkte zu bevorzugen, etwa regionale Herkunft, Bio-Siegel oder eine Fair-Trade-Kennzeichnung.

Sekundenschneller Datenabgleich per WLAN oder UMTS


Mit dem vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT entwickelten "Angel Ring" könnten diese Probleme bald passé sein. Der Ring am Finger erkennt ein Produkt, sobald es gegriffen wird, und signalisiert durch Vibration, ob es zu den Präferenzen des Benutzers passt. Eine elektronische Anzeige am Regal zeigt weitere Information, wie etwa Namen und Preis des Produktes, den Grund einer Warnung und mögliche Alternativprodukte. Technische Voraussetzung ist eine RFID-Kennzeichnung der Produkte, die der Ring auslesen kann. Über WLAN oder UMTS erfolgt dann in Bruchteilen von Sekunden ein Datenabgleich zwischen den auf dem Ring gespeicherten Kundenpräferenzen und Produktinhaltsstoffen, die in einer zentralen, öffentlichen Datenbank, beispielsweise im Internet, hinterlegt sind.

Weiterentwicklung bestehender Auslesesysteme und Apps


„Abgesehen davon, dass sich die RFID-Kennzeichnung von Lebensmitteln aus Kostengründen noch nicht durchgesetzt hat, ist im Grunde alles vorhanden, um ein solches Systeme sofort am Markt zu platzieren.", erklärt René Reiners, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT. Die Inhaltsstoffe von Produkten sind genau bekannt und in verschiedenen öffentlichen Datenbanken hinterlegt. Schon heute sind Smartphone Apps verfügbar, mit denen der Kunde die Barcodes von Produkten fotografieren kann. Über eine Internetverbindung erhält er dann postwendend Informationen zum Produkt. Als interaktive Einkaufshilfe sind solche Lösungen aber vergleichsweise unhandlich und kompliziert.


„Unsichtbare“ Technik als Alltagsbegleiter


„Wir folgen mit dem Ring als Interaktionselement den Grundideen des Ubiquitous und Calm Computing, nach denen eine Unterstützung des Menschen durch die ihn umgebende Technik nur bei Bedarf aufgabengerecht aktiv werden soll, aber ansonsten unsichtbar bleibt.", beschreibt Reiners die wissenschaftliche Grundausrichtung des Systems. In Testläufen verstanden die Probanden die Vibration des Rings ohne Erklärung als "Nicht nehmen!"-Kommando. Diese Art der Interaktion erlaube die Konzentration auf die Ausführung der eigentlichen Aufgabe. Die Benutzung des Systems trete in den Hintergrund.

Das System wurde auf Basis einer Weiterentwicklung der LinkSmart Middleware aus dem Hydra Projekt realisiert, die Fraunhofer FIT im Rahmen des BRIDGE Projekts durchführt. Sie erlaubt eine intelligente Vernetzung stationärer, mobiler und ubiquitärer Endgeräte.
(Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT), 18.05.2011 - NPO)
 
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