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Donnerstag, 27.07.2017
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Schwingt das Bewusstsein im Gleichtakt?

Spezielle Wellenformen bündeln Informationen

Wie bündelt unser Gehirn die Fülle der Einzelinformationen? Wie entsteht das Bewusstsein? Mit diesen Fragen beschäftigen sich noch bis zum 08. August Hirnforscher auf einem internationalen Workshop in Delmenhorst. Ziel ist es, den gegenwärtigen Stand der Forschungen zu Oszillationen im Gehirn zu bestimmen und neue Forschungsansätze zu diskutieren.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

In unserem Gehirn herrscht Arbeitsteilung. Das bedeutet: Die einzelnen Hirnbereiche sind nicht für alle Hirnfunktionen insgesamt zuständig, sondern sind Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet. So gibt es beispielsweise Hirnteile, die akustische Reize verarbeiten, andere befassen sich mit Druckreizen auf der Haut, und wiederum andere sind für Seheindrücke zuständig.

Von dieser arbeitsteiligen vielfachen Aufsplitterung unserer Sinneseindrücke, Gedanken und Emotionen spüren wir aber nichts und haben dazu keinen unmittelbaren Zugang. Sie existiert nur vom Standpunkt des arbeitenden Gehirns aus, aber nicht vom Standpunkt des Bewusstseins. Dies ist aus Sicht der Wissenschaft bis heute ein großes Rätsel geblieben. Nachweislich gibt es kein höchstes integrierendes Zentrum im Gehirn, kein Ich, das alle in unserem Gehirn verarbeiteten Informationen bündelt und zu einer Einheit zusammenfasst. Auch nach einem Jahrhundert der Suche nach diesem Ich konnte es nirgendwo im Gehirn entdeckt werden.

Gamma-Wellen formen Bewusstsein


Wie aber entsteht dann die Einheit des Bewusstseins, die jeder gesunde Mensch immer aufs neue an sich erfährt? Anders gefragt: Wie integriert das Gehirn die Aktivitäten von vielen Milliarden räumlich in ihm verteilten Nervenzellen, während es wahrnimmt, denkt, fühlt, sich erinnert, seine Aufmerksamkeit auf einen Punkt konzentriert, Bewegungen programmiert usw.? Seit etwa zwei Jahrzehnten gibt es eine mögliche Lösung für dieses Problem. Theoretische Überlegungen sowie Experimente führten zu der Einsicht, dass es Wellen mit einer Frequenz von über zwanzig Hertz sind (so genannte Gammabandaktivitäten), die - von den beteiligten Nervenzellen ausgelöst - ständig die verschiedenen Hirnbereiche durchlaufen und auf diese Weise deren Aktivitäten synchronisieren und zu einem einheitlichen Bewusstsein verdichten.


Doch auch wenn dieser Grundansatz weithin akzeptiert ist, so bleiben zahlreiche ungelöste Fragen, denen sich der Workshop im Hanse-Wissenschaftskolleg zuwenden wird. Viele Erkenntnisse über Gammabandaktivitäten stammen von Ratten und anderen Tieren. Doch inwieweit sind die so gewonnenen Einsichten auf den Menschen übertragbar? Denn immerhin unterscheiden sich ein Menschen- und ein Rattengehirn in der Größe sowie in ungezählten Details voneinander, wenn auch nicht im Grundaufbau.

Rolle weiterer Wellen diskutiert


Ein weiteres Thema wird unter anderem die Frage sein, ob die Gammawellen die einzigen Hirnentladungen sind, die Integrationsleistungen vollbringen, oder ob dies nicht auch langsamere Schwingungen im Gehirn (die sogenannten Alpha- und Thetawellen) zu bewerkstelligen vermögen. Schließlich soll untersucht werden, ob eines (oder alle) dieser Frequenzbänder tatsächlich die Aktivität des Gesamtgehirns zu einer Einheit zusammenfassen, oder ob sie das nur für bestimmte kleinere Hirnbereiche tun. Sollte letzteres zutreffen, dann wäre allerdings die Frage, wie ein einheitliches menschliches Bewusstsein entsteht, wieder ebenso ungeklärt wie vor zwanzig oder dreißig Jahren, und eines der größten Rätsel unseres Menschseins wäre weiterhin ungelöst.

Die rund dreißig Teilnehmer des Workshops, unter ihnen zu gleichen Teilen etablierte Experten und Nachwuchswissenschaftler, stammen aus mehreren europäischen Ländern sowie aus der Türkei, aus Kuba, Chile und den Vereinigten Staaten. Internationalität ist bei derartigen Unternehmungen längst die Regel. Aus dem Rahmen des bei wissenschaftlichen Konferenzen Üblichen fällt jedoch die Form des Workshops. Es gibt dort keine Vorträge, sondern die Konferenzthemen werden zunächst in mehreren parallelen Kleingruppen bearbeitet und die Arbeitsergebnisse anschließend im Plenum dargelegt und debattierend vertieft. Auf diese Weise soll eine diskussionsfreundliche Atmosphäre geschaffen werden, die Hemmungen und Schwellenängste abbaut, wodurch vor allem auch der wissenschaftliche Nachwuchs ermutigt werden soll, sich aktiv in die Gespräche einzubinden.
(Hanse-Wissenschaftskolleg, 06.08.2004 - NPO)
 
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