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Montag, 24.07.2017
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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko geht weiter

NABU fordert Stopp der Ölförderung im Wattenmeer

Im Schatten der Atomkatastrophe in Japan jährt sich heute eine andere, fast vergessene Katastrophe zum ersten Mal - der Untergang der Ölförderanlage „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Am 20. April 2010 tötete eine riesige Explosion elf Arbeiter, dann strömten 780 Millionen Liter giftiges Rohöl aus und verseuchten das Naturparadies an der Südküste der USA. Noch heute leidet die ganze Region, viele Menschen blicken in eine traurige Zukunft und die Tier- und Pflanzenwelt stirbt weiter.
Deepwater Horizon nach der Explosion

Deepwater Horizon nach der Explosion

Im Gegensatz zu den Behauptungen des für die Katastrophe verantwortlichen Konzerns BP, sind die Folgen des ausgeströmten Öls nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) noch immer verheerend. So dokumentierten Wissenschaftler der Universität von Georgia beispielsweise zentimeterdicke Ölablagerungen am Meeresboden, die alles Leben ersticken.

Welche Wirkung die gefährlichen Inhaltsstoffe und Abbauprodukte des Öls, sowie die massenhaft eingesetzten Dispersionsmittel in dem komplexen marinen Nahrungsnetz entfalten, ist noch nicht bekannt. Es gibt aber Informationen über tote Korallenriffe und dezimierte Fischpopulationen. Experten warnen wegen der erhöhten Belastung mit Kohlenwasserstoff zudem noch immer vor dem Verzehr von Austern und Shrimps aus der Region.

Dramatische Folgen bei Mensch und Tier


Kürzlich meldete darüber hinaus das Institut für Meeressäugetiere in Gulfport in Louisiana, dass in dem Unglücksgebiet zehnmal mehr tote Delfinbabys als üblich gefunden wurden – dem NABU zufolge eben jene Generation, die im Frühjahr 2010 gezeugt wurde und nun das Licht der Welt erblicken sollte.


Und fast die Hälfte der Menschen in der Region leidet laut Umfragen an Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Hautreizungen und Depressionen - zumal Entschädigungszahlungen von BP auf sich warten lassen und viele Existenzen in der Fischerei und im Tourismus für immer zerstört sind. Gleichwohl meldeten US-Medien nun, dass BP ab dem Sommer wieder Öl im Golf von Mexiko fördern darf.

Ölförderung im Wattenmeer geht weiter


Hat wenigstens Europa aus der Ölkatastrophe gelernt? „Entgegen aller Vernunft geht die riskante Ölförderung auf See weiter. Aus Profitgier setzen Internationale Konzerne die Zukunft ganzer Ökosysteme aufs Spiel und gefährden Menschen wie die Umwelt“, kritisiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Auch im deutschen Wattenmeer wird weiter Öl gefördert. Obwohl die Fördermenge in den letzten Jahren um 30 Prozent zurückgegangen ist und weniger als zwei Prozent des deutschen Ölverbrauchs ausmacht, hält RWE DEA an der laut NABU brisanten Produktion im Nationalpark fest.

Wattengrund gefährdet sichere Erdölförderung


Auch wenn die Technik der Bohrinsel „Mittelplate A“ anders ist als die der „Deepwater Horizon“, gefährdet vor allem der sich verändernde Wattengrund eine sichere Erdölförderung. Ein Nordsee-Priel wandert auf die Plattform zu und könnte zu einem Absacken führen, so der Naturschutzbund Deutschland. Um dies zu verhindern, wurden 80.000 Quadratmeter Wattenmeerboden mit Gestein, Beton und Mörtel versiegelt.

„Dabei ist die natürliche Dynamik der Wasserläufe ein wesentliches Schutzziel im Nationalpark Wattenmeer. Dieser sogenannte Kolkschutz stellt einen inakzeptablen Eingriff in das Ökosystem dar und verursacht starke Störungen für die dort lebenden Tierarten“, erklärt NABU-Wattenmeerexperte Eric Neuling.

Fördergenehmigung verlängert


Dennoch wurde ohne öffentliche Beteiligung die Fördergenehmigung von Mittelplate A für 30 weitere Jahre verlängert. Und nun soll es nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland auch um das Förderfeld herum weitere seismologische Untersuchungen und Probebohrungen zum Ausbau der Erdölproduktion geben.

Dagegen fordern der NABU und ein breites Bündnis von Verbänden das sofortige Ende der Ölförderung im Wattenmeer. Stattdessen will die Europäische Kommission in diesem Jahr lediglich einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Konzerne bei Havarien zur Kostenübernahme verpflichtet.
(NABU, 20.04.2011 - DLO)
 
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