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Samstag, 27.05.2017
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Seezungen als umweltverträgliche Aquakultur

Fischgerecht und umweltschonend auf den Tisch

Seezunge

Seezunge

Seezungen gelten als köstliche und seltene Delikatesse. Und sie werden immer seltener. Laut Greenpeace werden weltweit über 70 Prozent der kommerziell genutzten Arten am Limit be- bzw. überfischt. Der Biologe Dr. Jens Kahle will eine Alternative schaffen. In großen Tanks am Wilhelmshavener Forschungszentrum TERRAMARE sollen die Seezungen an Land wachsen. Das Ziel des Projektes ist dabei eine umweltverträgliche Aquakultur in einem geschlossenen System zu schaffen. "Wir wollen eine Anlage entwerfen, die fischgerecht und umweltschonend ist und so den Menschen hilft ihren Appetit auf gesunden Fisch zu stillen." Ein weiterer Effekt ist, dass der Wissenschaftler zum Unternehmer und so zum potentiellen Arbeitgeber wird.

Fischfang und Aquakultur = Probleme?


Den Beständen der Nordsee an Hering, Makrele, Kabeljau und Scholle geht es schlecht. Auch die Krabbenfischerei hat bessere Tage gesehen und richtet zudem mit dem Fanggeschirr viel Schaden am Meeresboden an. Doch herkömmliche Aquakultur ist keine Antwort: die großen Kotmengen, der Einsatz von Medikamenten bei den eng gehaltenen Tieren, die Verfütterung von Fischmehl aus der Gammelfischerei und der Einsatz gebietsfremder Arten schaffen neue Probleme.

Integrierte Aquakultur

Integrierte Aquakultur

Das Meer an Land


Jens Kahle will mit der Zauberformel "integrierte Aquakultur" eine Lösung finden. Sein Ansatz zielt darauf, Meerestiere umweltgerecht und weitestgehend unabhängig vom Meer zu erzeugen. In einem Kreislaufsystem sollen sowohl Fische von der Larve bis zum marktfähigen Tier, als auch die notwendigen Futtertiere wachsen. Muscheln und Algen fungieren als Kläranlage, damit möglichst wenig bis gar kein Meerwasser zugegeben werden muss. Auch wenn die Seezungen als Hauptprodukt gelten, könnten auch Muscheln, Würmer und Algen zum kommerziellen Erfolg des Projektes beitragen.

Zuchtbecken

Zuchtbecken

Wissenschaft goes Wirtschaft


Doch bevor es soweit ist, müssen noch viele Fragen beantwortet werden: Kann man die Zuchtbecken stapeln? Wie viel Platz brauchen die Fische? Wie muss das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen sein? An diesen und vielen anderen Fragen arbeitet Kahle zusammen mit Dr. Uwe Waller vom Institut für Meereskunde in Kiel. Die richtigen Antworten auf diese Fragen führen, so hofft Kahle, zu einem kommerziell erfolgreichen Produkt. Für Kahle hängt davon sehr viel ab, denn: sein Ziel ist die Selbständigkeit.
(TERRAMARE, 16.09.2003 - Kirsten Achenbach / DFG-Forschungszentrum Ozeanränder Bremen (RCOM))
 
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