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Tsunami-Frühwarnsystem an Indonesien übergeben
System hat Funktionsfähigkeit schon mehrfach bewiesen
Sechs Jahre nach der Tsunamikatastrophe vom Dezember 2004 in Südostasien hat gestern eine deutsche Delegation das deutsch-indonesische Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean (GITEWS) in Jakarta offiziell an Indonesien übergeben. Indonesien übernimmt damit die alleinige Verantwortung für das unter Federführung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ entwickelte Gesamtsystem.
Tsunami
Tsunami
© NOAA
Das Warnsystem hat bereits 2008 den Betrieb aufgenommen und ist danach weiter ausgebaut und optimiert worden. Seitdem wurden mehr als zehn Tsunami-Ereignisse erfasst und Warnungen ausgegeben. Auch der jüngste Tsunami an der japanischen Küste, obwohl einige Tausend Kilometer entfernt, wurde von dem System registriert.

„Das Frühwarnsystem geht nun ganz in die indonesische Verantwortung über. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns jetzt aus dem System zurückziehen. Insbesondere mit der nachhaltigen Aus- und Weiterbildung des Warnzentrumsbetreibers BMKG unterstützt Deutschland weiterhin den Betrieb“, erklärte Professor Reinhard Hüttl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ.

Zahl der Opfer minimieren
„Mit dem Warnsystem trägt die Bundesrepublik Deutschland dazu bei, dass das Leben der Menschen in den wiederaufgebauten Küstenregionen in Zukunft besser geschützt werden kann“, ergänzte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, der im Auftrag der Bundesregierung die deutsche Delegation anführte. „Die Tsunamigefahr ist allgegenwärtig. Darum ist es für uns wichtig, dass die deutsche Initiative in ein dauerhaft zuverlässig funktionierendes Frühwarnsystem mündet. Ein Warnsystem kann Tsunami-Zerstörungen nicht verhindern, aber ihre Auswirkungen und die Zahl der Opfer minimieren. Das ist das Ziel von GITEWS“, betonte Rachel.

Die Erdbeben auf dem Grund des Indischen Ozeans entstehen entlang einer Subduktionszone am Meeresboden, dem Sundagraben, der sich bogenförmig von der Nordwestspitze Sumatras bis Flores im Osten Indonesiens erstreckt. Entsteht hier ein Tsunami, laufen die Wellen im Extremfall innerhalb von 20 Minuten an der Küste auf, so dass nur sehr wenig Zeit für eine Frühwarnung bleibt.

Reflectometrie
Reflectometrie
© GITEWS Reflectometrie
GITEWS: Kombination verschiedener Sensoren
Das technische Konzept von GITEWS beruht auf einer Kombination verschiedener Sensoren. Entscheidend ist die schnelle und präzise Erfassung und Auswertung von Erdbeben, unterstützt durch GPS-Satellitennavigationsdaten und Pegel-Messungen. Insbesondere die extrem kurzen Vorwarnzeiten für Indonesien stellten allerdings eine Herausforderung dar.

„Mit der vom GFZ entwickelten Software SeisComP3 wurde ein Werkzeug zur sehr schnellen Erdbebenauswertung entwickelt, das sich mittlerweile als Standard bei den Nationen rund um den Indik, aber auch im Mittelmeer etabliert hat“, soHüttl. Es geht nicht nur um die Gefährdung Indonesiens; der Tsunami von 2004 traf den gesamten Indischen Ozean und forderte insgesamt etwa eine Viertel Million Menschenleben, davon allein in Indonesien über 170.000.

GITEWS warnt deshalb bereits maximal fünf Minuten nach einem Beben auf der Basis von Informationen aus den rund 300 Messstationen, die in den letzten sechs Jahren in ganz Indonesien aufgebaut wurden. Dazu gehören Seismometer, GPS-Stationen und Küstenpegel. Die Daten der Sensoren werden über ein Tsunami-Simulationssystem im Warnzentrum in ein Lagebild umgesetzt, das entsprechend gestufte Warnungen für die betroffenen Küstenabschnitte ausgibt.

Sendai
Sendai
© U.S. Navy photo Sendai
Grenzen der Tsunami-Frühwarnung
Der Honshu-Tsunami vom 11. März 2011 im Pazifik oder das Erdbeben vor der Südküste Sumatras vom 25. Oktober 2010 zeigten allerdings die Grenzen der Tsunami-Frühwarnung auf. Bei letzterem wurden die vorgelagerten Mentawai-Inseln im Sunda-Bogen von dem ausgelösten Tsunami besonders stark getroffen. Etwa zeitgleich mit dem innerhalb von fünf Minuten ausgelösten Tsunami-Alarm liefen hier die ersten Wellen auf, so dass keine Zeit für eine Reaktion blieb und rund 500 Todesfälle zu beklagen waren.

Für die weiter vom Beben entfernte Hauptinsel Sumatra mit den größeren Küstenstädten kam die Warnung dagegen rechtzeitig etwa 40 Minuten vor Eintreffen der ersten Wellen. Trotz der extrem kurzen Vorwarnzeiten hat sich GITEWS technisch und organisatorisch als funktionstüchtig erwiesen.

Ausbildung des Fachpersonals geht weiter
Indonesien wird in den nächsten Jahren die Katastrophenschulung der Bevölkerung und die flächendeckende Verbreitung der Warnmeldungen weiter verbessern. Deutsche Experten unterstützen den Betreiber des Warnzentrums, BMKG (Meteorologischer, Klimatologischer und Geophysikalischer Dienst Indonesiens), bis 2014 weiter bei der Ausbildung des Fachpersonals. An dem Betrieb des Warnzentrums sind über 170 Personen beteiligt, etwa 40 davon ausschließlich im Schichtbetrieb.

Direkt nach der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 hatte die Bundesregierung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, vertreten durch das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ, den Auftrag zur Entwicklung und Implementierung eines Frühwarnsystems für Tsunamis im Indischen Ozean erteilt. Die Mittel in Höhe von 55 Millionen Euro stammen zu großen Teilen aus dem Beitrag der Bundesregierung im Rahmen der Flutopferhilfe.

Weitere Informationen zu GITEWS

Mehr zum Thema „Erdbeben und Tsunami in Japan“ in unserem Special.
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Tsunami, Frühwarnsystem, Erdbeben, Simulationen, GITEWS, GFZ, Indischer Ozean, Indonesien
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