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Montag, 24.07.2017
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Nervenverbindung bewirkt überdurchschnittliches Gedächtnis

Stärke der Verdrahtung zwischen Vorderhirn und Schläfenlappen bestimmt Gedächtnisleistung

Wie gut unser Gedächtnis ist, hängt unter anderem von der Stärke spezieller Nervenverbindungen zwischen zwei Hirngebieten, dem Vorderhirn und Schläfenlappen, ab. Im Experiment zeigten Versuchspersonen mit einer stark ausgeprägten Verbindung durchweg überdurchschnittliche Gedächtnisleistungen. Erwachsene können diese Verbindung durch kognitives Training aber vermutlich nicht mehr nennenswert trainieren, so die Forscher in der Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).
Gehirn

Gehirn

Manche Menschen haben ein besseres Gedächtnis als andere. Über die Ursachen dieser Leistungsunterschiede wissen Neurowissenschaftler allerdings bis heute nur sehr wenig. Vermutet wird, dass Verbindungen zwischen Gehirnarealen hier eine wichtige Rolle spielen. Welche, ist allerdings unklar, da viele Hirnregionen miteinander durch Verbindungen verknüpft sind und es herauszufinden gilt, welche dieser Verbindungen speziell für Gedächtnisfunktionen relevant sind.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Magdeburg, Berlin und London ging hier einen neuen Weg. Sie benutzen Magnetresonanztomographie (MRT), um herauszufinden, welche Hirnregionen aktiviert wurden, während sich Studenten eine Liste von Wörtern einprägten. Bei allen Studienteilnehmern zeigten mehrere Regionen im Vorderhirn eine stärkere Aktivität bei Wörtern, welche später erinnert wurden, im Vergleich zu den Wörtern, die später vergessen wurden.

Regionen im Vorderhirn werden beim Lernen aktiv

Regionen im Vorderhirn werden beim Lernen aktiv

Verbindung zwischen Vorderhirn und Schläfenlappen entscheidend


Die Forscher untersuchten dann, ob diese aktivierten Vorderhirnregionen durch Nervenfasern mit Schläfenlappenregionen verbunden sind. Die Schläfenlappen, insbesondere deren innere Anteile, sind bekanntermaßen wichtige Gedächtnisspeicher. Mit einer MRT-Methode, die es erlaubt, Faserverbindungen zu visualisieren, fanden die Forscher heraus, dass zwei der aktivierten Vorderhirnregionen mit den inneren Anteilen des Schläfenlappens verbunden sind. Für eine Region zeigte sich dabei, dass die Stärke dieser Verbindung eine enge Beziehung zur individuellen Gedächtnisleistung aufwies.


Überdurchschnittliche Gedächtnisleistungen


Studienteilnehmer, die über eine stärkere Verbindung zwischen diesen Hirnstrukturen verfügten, zeigten durchweg überdurchschnittliche Gedächtnisleistungen. „Die Stärke dieser Beziehung zwischen Verbindungsstärke und Gedächtnisleistung hat uns überrascht“, erklärt Emrah Düzel von der Universität Magdeburg. Offenbar gibt es große Unterschiede zwischen Menschen, was die Verbindungsmuster zwischen diesen Hirnregionen anbelangt, und diese Unterschiede haben sehr spezifische Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses.

Angesichts dieses Zusammenhangs erscheint die Überlegung verlockend, ob die Stärke dieser Verbindung – und damit die Gedächtnisleistung – auch beim Erwachsenen erhöht werden kann, etwa durch besonderes kognitives Training. Nach bisherigem Stand der Forschung ist dies eher unwahrscheinlich, da die Reifung des Gehirns spätestens mit 25 Jahren als abgeschlossen betrachtet
werden kann.

Künftig wollen die Wissenschaftler insbesondere untersuchen, welche Rolle diese Faserverbindungen für Gedächtnisleistung im Alter spielen und welche möglichen Kompensationsmechanismen bei Menschen existieren, die trotz eher schwacher Faserverbindungen ein gutes Gedächtnis haben. (PNAS, 2011; doi: 10.1073/pnas.1013287108)
(Universität Magdeburg, 25.03.2011 - NPO)
 
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