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Montag, 18.12.2017
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Japan: Kontamination erreicht Tschernobyl-Niveau

Strahlenbelastung im 58 Kilometer-Umkreis hoch, keine gesundheitliche Gefährdung in Deutschland

In Japan entspricht die radioaktive Kontamination im Umfeld bis 58 Kilometer um den Reaktor inzwischen den Werten der Sperrzonen nach dem Tschernobyl-Unfall. Auch in Deutschland können in den nächsten Tagen je nach Wetterlage Spuren radioaktiver Stoffe aus Japan in der Luft gemessen werden. Gesundheitliche Auswirkungen für die Bevölkerung schließen die Experten jedoch aus, da die Messwerte weit unterhalb der Konzentrationswerte bleiben, die gesundheitlich bedenklich sind.
Rauch über dem AKW Fukushima

Rauch über dem AKW Fukushima

In Japan führt die Internationale Atomenergiebehörde IAEA gemeinsam mit den japanischen Behörden ständig Messungen bis zu 200 Kilometern Entfernung von Fukushima I durch und misst dabei Gammadosisraten und Beta-Gamma-Kontaminationen. Während die Gammastrahlung aus energiereicher elektromagnetischer Strahlung – vergleichbar einer besonders kurzwelligen Röntgenstrahlung - besteht, senden Radionuklide bei der Betastrahlung Elektronen aus.

Strahlenwerte entsprechen Tschernobyl-Sperrzone


Die Ergebnisse der Gammadosisrate liegen zwischen bisher zwischen zwei und 160 Mikrosievert pro Stunde (µSv/h) und sind damit gegenüber dem natürlichen Hintergrund von rund 0,1 µSv/h deutlich erhöht. In Berlin liegt die natürliche Hintergrundstrahlung bei 0,07 µSv/h. Die IAEA gibt zudem an, dass hohe Werte von Beta-Gamma-Kontaminationen zwischen 16 und 58 Kilometern Entfernung vom AKW gefunden wurden. Die Werte liegen zwischen 200.000 und 900.000 Becquerel (Bq) pro Quadratmeter. Die IAEA kann nicht ausschließen, dass solche hohen Werte auch in größeren Entfernungen auftreten.

„Wir haben es jetzt mit dem Super-Gau zu tun“, kommentiert Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, diese Messergebnisse. „Die Vergleiche mit Tschernobyl werden ernst. Weitere Evakuierungsmaßnahmen sind dringend erforderlich.“ Nach dem Super-GAU von Tschernobyl. wurden damals von den russischen Behörden Hotspots lokal begrenzter Kontaminationen von mehr als 555.000 Becquerel pro Quadratmeter definiert. „Das ist die Größenordnung, die in Japan zwischen 16 und 58 km von der IAEA gemessen wurde“, so Pflugbeil. „Die Ausdehnung dieser Zone in Japan ist vergleichbar mit der Sperrzone westlich von Tschernobyl.“ Pflugbeil warnt auch vor weiterer Bagatellisierung der Kontamination des Meeres.


Trotzdem deutliche Unterschiede zu Tschernobyl


Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, sieht aber dennoch deutliche Unterschiede zwischen der Situation in Tschernobyl und in Fukushima: „In Tschernobyl gab es einen Brand des Reaktors. Dieser Reaktor war graphitmoderiert, das heißt hier hat es brennbares Material unmittelbar im Reaktorkern gegeben. Dieses Feuer hat dazu geführt, dass die Stoffe, die radioaktiven Partikel, sehr hoch in die Atmosphäre gebracht wurden. Ein solcher Brand ist in den japanischen Siedewasserreaktoren nicht möglich.“, so König in einem Interview mit der dpa.

„Zweitens hatten wir in Japan bisher eine Wetterlage, die im Falle einer explosionsartigen Freisetzung des Reaktormaterials ein Aufsteigen der radioaktiven Stoffe in große Höhen nicht begünstigt. Aber gleichwohl ist natürlich in einem längeren Zeitraum dann damit zu rechnen, dass auch diese Partikel sich sehr verdünnt in der Atmosphäre verteilen. Dieses könnte man dann auch gegebenenfalls in der Messanlage Schauinsland analysieren."

Strahlungsmesskarte Deutschland: Noch keine erhöhten Werte

Strahlungsmesskarte Deutschland: Noch keine erhöhten Werte

Geringste Spuren von Radionukliden über Deutschland möglich


Was bedeutet die Freisetzung von Radioaktivität in Fukushima für Europa und Deutschland? Die Wetterbeobachtungen des Unglücksgebietes zeigen, dass der Wind die in Japan ausgetretene Radioaktivität überwiegend auf das offene Meer transportiert hat. Trotz der großen Verdünnung der radioaktiven Wolke auf dem Weg um den Globus können die in Deutschland im Einsatz befindlichen höchstempfindlichen Messgeräte radioaktive Stoffe auch in geringsten Spuren in der Luft nachweisen. Nach Medienberichten wurden radioaktive Stoffe in der Luft, die aus dem Kernkraftwerksunfall in Japan stammen, bereits in Island bereits nachgewiesen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betreibt ein integriertes Mess- und Informationssystem (IMIS) zur umfassenden Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt in Deutschland. Hierfür sind
flächendeckend etwa 1.800 Messstationen im ständigen Einsatz. So liegt zu jeder Zeit ein detailliertes Bild über die radiologische Situation in Deutschland vor.

Konkrete Daten aus den jeweiligen Regionen sind auf der Internetseite des BfS eingestellt. Weitere Messwerte veröffentlicht der Deutsche Wetterdienst sowie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt. Darüber hinaus werden an 50 Messstationen des Deutschen Wetterdienstes die Aktivitätskonzentrationen in der Luft gemessen. Außerdem werden in mehr als 60 Laboratorien von Bund und Ländern Proben von Nahrungs- und Futtermitteln, Pflanzen und Boden sowie Trinkwasser und Gewässern analysiert.

Mehr zum Thema in unserme Dossier Außer Kontrolle und im Special Atomunfall in Japan
(BMU, BfS, 24.03.2011 - NPO)
 
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