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Sonntag, 22.01.2017
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Wehrhafte Bienen gesucht

Gezielte Auslese soll Bedrohung durch Varroamilbe abwenden

Die Honigbiene ist nach Rind, Schwein und Geflügel die viert wichtigste Nutztierart in Deutschland. Doch von den 900.000 Völkern in Deutschland haben 300.000 den Winter 2002/2003 nicht überlebt. Ein wesentlicher Grund für die Verluste ist die seit den siebziger Jahren in Deutschland vorkommende Varroamilbe (Varroa destructor). Ohne den Einsatz von Akariziden gäbe es nach Einschätzungen der Biologischen Bundesanstalt bald gar keine Honigbienen mehr. Jetzt aber soll gezielte Auslese Abhilfe schaffen
Honigbienen

Honigbienen

Die hohen Bienenverluste und die zunehmenden Resistenzen der Varroamilbe gegenüber chemischen Bekämpfungsmitteln belegen, dass eine rein medikamentöse Bekämpfungsstrategie in eine Sackgasse führt. Die Selektion varroatoleranter Bienen erscheint zur Zeit als eine sinnvolle Alternative der Varroose Herr zu werden und gleichzeitig die Gefahren der Resistenzentwicklung und Rückstandsbildung zu umgehen.

Jetzt soll im Rahmen des Projekts "Anwendung der markergestützten
Selektion auf Varroatoleranz bei der Honigbiene" nach Wegen gesucht werden, gezielt diejenigen Bienen zu identifizieren und später zur Zucht zu nutzen, die sich gut gegen die Parasiten behaupten können. Als am besten geeignetes Merkmal gilt hier die Fähigkeit, varroaparasitierte Brut zu erkennen und aus dem Stock zu entfernen. Mit einer am Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf entwickelten Methode der Infrarot-Videobeobachtung kann dies an individuell markierten Einzelbienen gut beobachtet werden.

Bei diesem Projekt sollen mit einer so genannten QTL (Quantitative Trait Loci) Analyse die Genorte in Erfahrung gebracht werden, die mit dem Verteidigungsverhalten gegenüber dem Parasiten in Verbindung stehen. Sind die genetischen Marker für das Resistenzverhalten dann erforscht, so kann mit der bei anderen Nutztierspezies schon erfolgreich angewendeten markergestützten Selektion bei der Honigbiene begonnen werden. Das Team um Herrn Prof. Bienefeld vom LIB verspricht sich davon eine große Chance das weltweit größte Problem der Bienenhaltung zun lösen.


Die Voraussetzungen für die geplanten molekulargenetischen Analysen sind gut, da eindeutige individuelle Merkmalsexpressionen unter standardisierten Bedingungen vorliegen. Die Suche nach den verantwortlichen Genen oder Markern wird zusätzlich noch dadurch erleichtert, dass mit einer ebenfalls im LIB optimierten Methode die individuelle Weitergabe der Gene an die nächste Generation untersucht werden kann. Hierfür werden Arbeitsbienen, die sich durch ein besonders ausgeprägtes Ausräumverhalten während der 7-tägigen Videobeobachtung auszeichnen, zur Reproduktion gebracht. Arbeitsbienen sind normalerweise steril, können aber unter bestimmten Bedingungen zur Ablage von Eiern gebracht werden. Diese Eier sind unbefruchtet. Es entwickeln sich aber aus diesen Eiern - wie bei den Königinnen - Drohnen. Deren Sperma kann zur Besamung genutzt werden. Aufgrund dieser reproduktionsbiologischen Besonderheit können auch einzelne wehrhafte Arbeitsbienen (über ihre Drohnen) als Väter genutzt werden. Das Projekt beginnt im August 2004 und wird durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) zunächst zwei Jahre gefördert und von der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) als Projektträger begleitet.
(Humboldt-Universität zu Berlin, 04.08.2004 - NPO)
 
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