• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 22.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Zoos als Artenretter?

Forscher: Indem sie Tiere bedrohter Populationen züchten, können Zoos größeren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten

Von etwa sieben Landwirbeltierarten, deren Überleben in freier Wildbahn gefährdet ist, wird eine auch in Gefangenschaft gehalten. Dies und weitere Daten zur Arterhaltung in Zoos oder Aquarien haben jetzt Wissenschaftler in einer neuen Studie aufgedeckt. Das Forscherteam plädiert im Journal „Science“ dafür, gezielte Zuchtprogramme in Gefangenschaft zu etablieren, um den Schutz von Tieren in freier Wildbahn zu ergänzen.
Sumatra-Tiger

Sumatra-Tiger

Zoos sollten sich dazu in Netzwerken zusammenschließen und als eine Art Lebensversicherung die Tiere so lange beheimaten, bis sie ausgewildert werden können, so die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Demografische Forschung in Rostock in Zusammenarbeit mit dem International Species Information System (ISIS).

Zoo-Netzwerke mit enormem Potenzial


Wie viele der gefährdeten Spezies bereits in Zoologischen Gärten vorkommen, berechneten die Forscher aus ISIS-Daten. Ergebnis: Von allen bedrohten Säugetierarten werden 20 bis 25 Prozent auch in Zoos gehalten. Für Vögel sind die Anteile zwar insgesamt nur wenig kleiner, für die akut vom Aussterben bedrohten Vogelarten jedoch wesentlich niedriger: Nur neun Prozent davon kommen nach Angaben der Wissenschaftler in Gefangenschaft vor. Von den gefährdeten Amphibienarten werden lediglich drei Prozent auch in Käfigen und Gehegen gehalten.

Die Bedeutung der Zoos für den Arterhalt dürfe nicht unterschätzt werden, betonen die Max-Planck-Forscher Dalia Conde und Alexander Scheuerlein. „In einzelnen Zoos ist die Zahl der bedrohten Arten und der Individuen zwar gering“, so die Biologen. „Schließen sich mehrere Institutionen zusammen, steckt in den Zoologischen Gärten aber insgesamt ein beachtliches Potenzial für die Nachzucht bedrohter Tierarten.“


Spezialistenzoos für mehr Zuchterfolg


Die Science-Autoren plädieren für die Einrichtung von „Spezialistenzoos“, die sich auf die Aufzucht einer oder weniger Arten konzentrieren: „Spezialisierung erhöht in der Regel den Zuchterfolg“, erklären Conde und Scheuerlein. „In den jeweiligen Zoos können die Tiere ‚geparkt‘ werden, bis sie in freier Natur wieder eine Chance zum Überleben haben und ausgewildert werden können.“

Coautor Nate Flesness von ISIS betont zudem, dass es sinnvoll sei, Tiere rechtzeitig in Zuchtprogramme aufzunehmen, bevor ihr Bestand in freier Wildbahn zu stark dezimiert ist. „Die Zoos sollten nicht als Notaufnahme angesehen werden, da die Erfolgschancen bei der Aufzucht geringer sind, wenn die letzten, schon geschwächten Individuen einer Art dafür eingesetzt werden müssen.“

Przewalski-Pferde

Przewalski-Pferde

Zoos können fundamentale Tierdaten liefern


Wie erfolgreich die Nachzucht in Gefangenschaft die Arterhaltung fördert, stellte kürzlich auch die Weltnaturschutzunion (IUCN) fest: Unter den 68 Wirbeltierarten, deren Gefährdungsstatus sie wieder herabstufen konnte, habe die Nachzucht in Tierparks bei 17 Spezies eine entscheidende Rolle gespielt. Darunter waren unter anderem das Asiatische Wildpferd - Przewalski-Pferd -, der Schwarzfußiltis aus der Familie der Marder und der Geier „Kalifornischer Kondor“.

Zuchtprogramme in Zoos liefern außerdem neue demografische Daten, die dem Artenschutz dienen: Wann beginnt bei einer Tierart die Geschlechtsreife? Wie groß sind die Gelege? In welchem Abstand vermehrt sich eine Art? „Von vielen Tierarten sind solche fundamentalen Daten zu ihrer demografischen Entwicklung nicht bekannt“, sag Dalia Conde und Alexander Scheuerlein. „Sie werden aber dringend gebraucht, um die zukünftige Entwicklung einer Art und ihre Überlebenschancen in freier Wildbahn einschätzen zu können“. (Science, 2011; doi:10.1126/science.1200674)
(MPG, 18.03.2011 - DLO)
 
Printer IconShare Icon