Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Gentests sollen Therapie optimieren
Reaktion auf Medikamente oft genetisch bedingt
Ein Gentest könnte künftig bei zahlreichen Erkrankungen darüber Auskunft geben, mit welchen Medikamenten in welcher Dosierung der beste Therapieerfolg zu erzielen und ob mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Darauf setzt Dr. Winfried Siffert, Professor für Pharmakologie am Essener Universitätsklinikum.

DNA
DNA
© MMCD
Gemeinsam mit dem Unterehmen Medigenomix erforscht Siffert Veränderungen in Genen, die G-Proteine produzieren. G-Proteine kommen in allen Zellen des menschlichen Körpers vor und steuern alle Zellfunktionen. "Das Prinzip, das wir erforschen, ist relativ einfach zu erklären", sagt Siffert. "Bei bestimmten Veränderungen in G-Protein-Genen kommt es zu einer geänderten Signalverarbeitung in den Körperzellen. Damit verbunden sind geänderte Krankheitsverläufe, insbesondere wird aber auch das Ansprechen auf Arzneimittel beeinflusst".

Das Ziel, über Gentests die therapeutischen Erfolge oder Risiken beim Einsatz bestimmter Medikamente abschätzen zu können, hält Siffert für absolut realistisch: "Wir sind sicher, dass die von uns entwickelten Tests zukünftig zum medizinischen Standard gehören werden." Patienten mit Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen könnten seiner Einschätzung nach von den Tests profitieren.

Gefördert wird das Projekt von der BMBF-Initiative BIOChancePLUS beworben. Das Programm unterstützt risikoreiche und anwendungsorientierte Forschungsvorhaben kleiner und mittlerer Biotechnologieunternehmen, wobei der Transfer von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die praktische Anwendung von entscheidender Bedeutung ist.

Zur ersten Förderrunde im Jahr 2004 lagen mehr als 200 Projektskizzen vor, darunter die der Medigenomix und des Essener Instituts für Pharmakologie. 2,1 Millionen Euro fließen in den nächsten drei Jahren in das München-Essener Gemeinschaftsprojekt; davon gehen 620 000 Euro auf das Drittmittelkonto des Universitätsklinikums. "Das ist ein großartiger Erfolg für unseren Forschungsansatz und den Technologietransfer aus der Universität in die gewerbliche Anwendung in Zusammenarbeit mit einem renommierten Unternehmen " freut sich der Pharmakologe Siffert. "Diesen Zuschlag bei so vielen Mitbewerbern erhalten zu haben - das zeigt wieder einmal, dass die Genforschung am Universitätsklinikum Essen höchst erfolgreich und effektiv ist."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Gentest, Gentherapie, Wirkstoff, Arznei, Medikamente, Pharmazie, Medizin, Therapie
Weitere News zum Thema
CSI-Methoden können Herkunft von gefangenem Fisch klären (23.05.2012)
Neuartige Gentests helfen, der illegalen Fischerei einen Riegel vorzuschieben
Genvariante macht anfällig für Posttraumatische Belastungsstörung (03.04.2012)
Mutationen beeinflussen die Produktion des Glückshormons im Gehirn
Intelligente Dohle ist "Vogel des Jahres 2012" (18.10.2011)
NABU und LBV: Tiere brauchen einen besseren Schutz ihrer Lebensräume
Sind Neutrinos schneller als das Licht? (26.09.2011)
Experiment liefert mögliches Indiz für Bruch der Relativitätstheorie
Keim aus menschlichen Fäkalien tötet Korallen (18.08.2011)
Erster Beleg für den Sprung eines Krankheitserregers vom Menschen auf ein wirbelloses Meerestier
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Gentherapie
Hybris oder Heilsbringer?
News des Tages
Älteste Riftzone der Welt entdeckt
Klimawandel: Freispruch für die Sonne?
Wellenbrecher gegen Diabetes
Bioethik in Schlagwörtern
Gentests sollen Therapie optimieren
Doping im System begründet
Licht gegen Hautkrebs
Wenn Sterne "funken"
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen