• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 16.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

HIV: Genetische Vielfalt enthüllt Ansteckungs-Zeitpunkt

Neue Methode grenzt Infektionszeitraum deutlich ein

Schweizer Forscher haben eine einfache Methode entwickelt, um besser abzuschätzen, wann sich ein Patient mit dem Aids-Erreger HIV infiziert hat. Diesen Zeitpunkt zu kennen kann für die Behandlung wichtig sein und hilft, den Verlauf der Epidemie besser zu verstehen, berichten die Wissenschaftler online in der Fachzeitschrift „Clinical Infectious Diseases“.
Befallene Zelle mit freigesetzte HI-Virenpartikeln (grün)

Befallene Zelle mit freigesetzte HI-Virenpartikeln (grün)

Ärzte wissen häufig nicht, wann sich ein Patient mit HIV angesteckt hat. Den genauen Zeitpunkt können sie nur bis etwa acht Wochen nach der Infektion – während deren akuten Phase – ermitteln. Macht jemand erst später einen HIV-Test, blieb bisher unklar, ob die Übertragung vor drei Monaten oder vor zehn Jahren stattfand.

Wichtig für Studien zur Ausbreitung der Krankheit


Nun haben vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forscher eine einfache Methode gefunden, um den geschätzten Ansteckungszeitraum zumindest einzugrenzen. Angaben zum Ansteckungszeitpunkt bringen laut Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich verschiedene Vorteile: Der Arzt kann zum Beispiel einfacher abschätzen, wie rasch die Krankheit fortschreitet – und den Behandlungsbeginn entsprechend anpassen. Und in epidemiologischen Studien lässt sich mit höherer Sicherheit voraussagen, wann Übertragungen stattgefunden haben, wie sich also die Krankheit ausgebreitet hat.

Zusammen mit Kollegen der ETH Zürich nutzten die Wissenschaftler in ihrer neuen Studie Daten aus dem Resistenztest, der bei HIV-Positiven sowieso routinemäßig durchgeführt wird. Dabei wird das Erbgut der Viren untersucht um herauszufinden, gegen welche Medikamente sie immun sind. Wenn der Patient verschiedene HIV-Stämme in sich trägt, liefert der Test an einigen Positionen im Viruserbgut kein eindeutiges Ergebnis.


Abfallprodukt des Resistenztests


„Während langer Zeit galt die Unschärfe im Viruserbgut als Abfallprodukt des Tests“, sagt Günthard. „Aber wir fragten uns, ob sie ein Maß für die Vielfalt der Viren im Blut sein könnte.“ Weil die Viren-Vielfalt aus der Vermehrung und der Evolution der Erreger im Körper resultiert und über die Jahre hinweg zunimmt, könnte die Unschärfe im Viruserbgut daher Informationen über die Infektionsdauer enthalten.

Günthard und sein Team prüften diese Vermutung, indem sie die Resistenztestdaten mit einer früheren, rudimentären Berechnungsmethode des Ansteckungszeitpunkts verglichen. Zudem gibt es bei einigen Patientengruppen genauere Angaben zur Infektionszeit: etwa, wenn jemand sich in der akuten Infektionsphase testen ließ, oder vor und nach der Infektion je einen HIV-Test machte.

Neue Methode noch nicht präzise genug


Im Fachmagazin „Clinical Infectious Diseases“ berichten die Forscher, dass der Anteil der uneindeutigen Stellen in den genetischen Sequenzen der Viren tatsächlich in den ersten etwa acht Jahren nach der Ansteckung gleichmäßig ansteigt, dann wird die Kurve flacher.

Um den Infektionszeitpunkt genau vorauszusagen, ist die neue Methode zwar noch zu wenig exakt. Doch den Wissenschaftlern gelang es, einen Schwellenwert zu bestimmen, ab dem die Infektion mit 99-prozentiger Sicherheit länger als ein Jahr zurückliegt. (Clinical Infectious Diseases, 2011; doi:10.1093/cid/ciq164)
(Schweizerischer Nationalfonds SNF, 20.01.2011 - DLO)
 
Printer IconShare Icon