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Freitag, 28.07.2017
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Mehr Demenz bei Armut im Kindesalter?

Frühkindliche Mangelsituation verschärft neurologische Folgen von Verlust oder Krankheit im Alter

Wissenschaftler haben jetzt einen Zusammenhang nachgewiesen zwischen der Wirtschaftslage bei der Geburt eines Menschen und seinen kognitiven Fähigkeiten im Alter. Demnach wirken sich bei Menschen, die während einer Rezession geboren sind, in späteren Jahren schwere Rückschläge stärker auf die geistige Erkenntnisfähigkeit aus als bei Kindern aus Boom-Zeiten. Die Ergebnisse sind in der jüngsten Ausgabe des „Economic Journal“ veröffentlicht.
Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer

Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer

Was passiert mit unseren geistigen Fähigkeiten, wenn wir älter werden? Wie viele von uns werden unter zunehmender Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, Formulierungsschwierigkeiten oder sogar unter Demenz und Parkinson leiden? Auch wenn man aufgrund physiologischer Prozesse generell von einer Abnahme der Gehirnleistung mit zunehmendem Alter ausgeht, so gibt es doch enorme Unterschiede zwischen älteren Menschen. Manche bleiben ihr ganzes Leben lang geistig hoch leistungsfähig, während andere einen deutlichen Abbau ihrer geistigen Fähigkeiten erleiden. Sieht man von genetischen Faktoren jedoch ab, was ist verantwortlich für diese Variation?

Die bisherige Forschung gibt Hinweise, dass schwierige Lebensbedingungen während der Entwicklung des Gehirns in den ersten Lebensjahren sich auf kognitive Fähigkeiten im späteren Leben auswirken und unter Umständen zu neurologischen Erkrankungen führen, wie Demenz, Alzheimer und Parkinson. Zu den am meisten untersuchten Faktoren in den ersten Lebensjahren zählen Ernährung, Stress, Krankheiten oder die Belastung mit chemischen Schadstoffen.

Wie wirkt sich die wirtschaftliche Lage der frühen Lebensphase aus?


Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Gerard van den Berg, Professor an der Universität Mannheim und Forscher am schwedischen Forschungsinstitut IFAU hat nun untersucht, wie sich der wirtschaftliche Konjunkturverlauf in der frühen Lebensphase der Menschen auf die spätere neurologische Entwicklung auswirkt. Die grundlegende Idee dabei war, dass die Geburt in einer Rezession unerwartete Einkommensausfälle und nachteilige wirtschaftliche Bedingungen in vielen Haushalten verursachen kann. Dies kann wiederum zu einer verschlechterten Ernährung, zu nachteiligen Wohnverhältnissen und zu einem vergrößerten Stressniveau in dem Haushalt führen.


Langzeitstudie mit 3.000 Menschen


Für ihre Studie nutzten die Forscher Daten einer niederländischen Langzeitstudie. Die „Longitudinal Aging Study Amsterdam“ (LASA) verfolgte die Entwicklung von mehr als 3.000 Menschen, die zwischen 1908 und 1937 geboren wurden, über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren. Die heutigen kognitiven Fähigkeiten wurden durch zwei häufig genutzte Indikatoren gemessen, um einzuschätzen, wie stark die kognitiven Leistungen bei den älteren Menschen zurückgegangen sind. Dabei ging es auch darum zu erfassen, wie geistig flexibel die Probanden sind – wie gut sie also neue Informationen verarbeiten können, eine Eigenschaft, die besonders stark abhängig vom Alter ist. Die Forscher verglichen dabei Menschen, die während ihres ersten Lebensjahres einer Rezession ausgesetzt waren, mit ähnlichen Personen, die in besseren wirtschaftlichen Zeiten geboren wurden.

Folgen von Verlust oder Krankheit durch frühkindliche Mangelsituation verschärft


Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen die eine schwere Krise wie den Tod eines Elternteils oder eines Geschwisters erlebt oder die eine schwere Krankheit erlitten haben, in der Folge unter einem deutlichen Rückgang ihrer kognitiven Fähigkeiten litten. Die Auswirkungen sind dabei noch stärker, wenn die Betroffenen in einer schwierigen Konjunkturlage geboren wurden. So haben beispielsweise Schlaganfälle verheerendere Folgen, wenn die Person während schlechter Wirtschaftsbedingungen geboren wurde. Auch die Fähigkeit, sich von Gehirnschlägen zu erholen, war in solchen Fällen geringer. Besonders stark ist dieser Effekt bei Frauen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler können diese Ergebnisse nicht durch Unterschiede des individuellen Hintergrundes erklärt werden, wie dem Bildungsabschluss, vorübergehenden Krankheiten und anderen Bestimmungsgrößen des Sterblichkeits-Risikos. Wenn, wie diese Forschungsarbeit zeigt, frühkindliche Lebensbedingungen einen Einfluss darauf haben, wie sich im späteren Leben Rückschläge auf Menschen auswirken, dann ist es wichtig, Menschen genauer zu beobachten, die von solchen Ereignissen betroffen sind und während schlechter Zeiten geboren wurden.
(Universität Mannheim, 07.01.2011 - NPO)
 
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