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Dienstag, 12.12.2017
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Urzeit-Vogel nutzte Flügel als Keule

Einzigartig verdickte Handknochen wie „Dreschflegel“ eingesetzt

Der vor zehntausend Jahren auf Jamaika lebende Vogel Xenicibis besaß eine einzigartige und hochspezialisierte Verteidigungsstrategie: Wurde er angegriffen, schwang er seine verdickten Handschwingen wie Dreschflegel und schlug damit auf seine Widersacher ein. Das enthüllt jetzt eine in den „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlichte Studie amerikanischer Forscher.
Xenicibis-Vögel im Kampf

Xenicibis-Vögel im Kampf

Vor rund 10.000 Jahren lebte auf Jamaika ein Vogel aus der Familie der Ibisse. Xenicibis war etwa hühnergroß, wie zahlreiche Skelettfunde zeigen, und höchstwahrscheinlich flugunfähig. Doch die Knochen enthüllten auch eine weitere anatomische Besonderheit, wie Forscher der Yale Universität jetzt entdeckt haben. Der Vogel hatte eine äußerst ungewöhnliche Flügelform. Seine Flügel waren nicht nur länger als die der meisten Vögel, die Handknochen waren zudem extrem verdickt und gekrümmt.

Verdickte Handknochen als Schlegel


„Als ich sie zuerst sah, nahm ich an, es sei eine Art Deformierung“, erklärt Nicholas Longrich von der Yale Universität, der Hauptautor der Studie. Doch bald stellte sich heraus, dass es sich hier nicht um eine Missbildung, sondern um ein durchaus funktionstüchtiges Organ handelte. Allerdings wurde es von Xenicibis auf eine extrem ungewöhnliche Art und Weise eingesetzt: Offenbar nutzte der Vogel seine verdickten Handknochen als Waffe, indem er sie wie zwei Baseballschläger schwang und seine Gegner damit schlug.

Rekonstruiertes Skelett von Xenicibis

Rekonstruiertes Skelett von Xenicibis

„Keiner konnte sich etwas so Bizarres vorstellen. Kein Tier hat jemals so etwas entwickelt”, erklärt Longrich. „Wir wissen von keiner anderen Tierart, das seinen Körper wie einen Knüppel einsetzt. Dies ist die spezialisierteste Waffe die ich jemals bei einem Vogel gesehen habe.“ Zwar gibt es durchaus Vogelarten, die einander mit den Flügeln schlagen, doch Xenicibis ist das einzige bekannte Tier, das seine Hände im Gelenk schwingend wie zwei Dreschflegel oder Baseballschläger einsetzt.


Kampfspuren an Knochen erhalten


Zwei der untersuchten Flügel wiesen deutliche Kampfspuren auf, darunter einen gebrochenen Handknochen und einen zentimeterdicken Oberarmknochen, der ebenfalls noch zu Lebzeiten des Tieres entzweigebrochen war. Das im Vergleich zu vielen anderen Ibisvögeln deutlich stärkere Brustbein deutet auf mächtige Muskeln und damit große Kraft der Tiere hin.

Möglicherweise nutzte Xenicibis seine „Flügelknüppel” um sich und seine Gelege gegen Fressfeinde zu verteidigen. Denn er war flugunfähig und damit auf eine gewisse Wehrhaftigkeit gegenüber Prädatoren wie Schlangen und Greifvögeln angewiesen. Vielleicht setzte er die Flügel aber auch in Revierkämpfen ein, von heute lebenden Ibisvögeln ist bekannt, dass sie extrem territorial sind und häufig Kämpfe austragen.
(Yale University, 05.01.2011 - NPO)
 
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