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Mittwoch, 18.01.2017
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Peptid hemmt HIV-Vermehrung

Forscher finden neues Therapieprinzip gegen Aids

Forscher haben höchstwahrscheinlich ein neues Therapieprinzip gegen die Immunschwäche-Krankheit Aids entdeckt. In einer Studie in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ konnten sie beweisen, dass das von ihnen identifizierte Peptid VIR-576 die Vermehrung von HI-Viren bei Patienten wirksam hemmt.
Befallene Zelle mit freigesetzte HI-Virenpartikeln (grün)

Befallene Zelle mit freigesetzte HI-Virenpartikeln (grün)

Aids-Viren (HIV) müssen mit menschlichen Zellen verschmelzen, um sich in einem komplizierten Zyklus vermehren, ins Blut gelangen und weitere Zellen infizieren zu können. Die meisten der bisher üblichen Medikamente für HIV-Infizierte unterdrücken vorzugsweise Vermehrungsschritte der Viren in den Zellen.

Erst zwei Medikamente mit einem anderen Wirkmechanismus sind zugelassen, die die Verschmelzung von Viren und menschlichen Zellen hemmen. Sie verändern zum Teil die Oberflächenstruktur der menschlichen Zelle und wirken so dieser Fusion entgegen.

Peptid bindet an Hüllprotein des HI-Virus


Das Peptid VIR-576 hingegen bindet an das Hüllprotein des HI-Virus. Es blockiert auf der Virusseite das Fusions-Eiweiß – den so genannten „sticky finger“ –, das für die Verankerung auf der Membran der menschlichen Zelle essenziell ist. „Dies ist ein ganz neues Wirkprinzip gegen Viren und könnte für viele weitere humanpathogene Viren relevant sein“, sagt Professor Dr. Reinhold E. Schmidt von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).


Zusammen mit seinem Kollegen Professor Dr. Wolf-Georg Forssmann und Forschern um Professor Dr. Frank Kirchhoff und Professor Dr. Jan Münch von der Universität Ulm war er für die neue Studie verantwortlich.

Weniger Nebenwirkungen und keine Resistenzen


VIR-576 verringert ebenso wie andere Aids-Medikamente die Anzahl der Viren im Blut HIV-Infizierter. Der wesentliche Vorteil des innovativen Therapiekonzepts besteht nach den Ergebnissen der Wissenschaftler darin, dass weniger Nebenwirkungen auftreten. Die Forscher erklären dies damit, weil das Peptid nicht auf die menschliche Zelle wirkt, sondern an die Fusionspeptide des Virus bindet. Zudem ist VIR-576 ein Abkömmling eines normalerweise im Blut vorkommenden Eiweißes.

Die Wahrscheinlichkeit von Resistenzbildungen ist nach Angaben der Wissenschaftler auch geringer als bei den bisher gebräuchlichen Medikamenten, weil das Peptid an einen Teil des Virus bindet, der sehr konstant ist. „Aufgrund des neuen Wirkmechanismus ist VIR-576 auch gegen Viren wirksam, die gegen andere Medikamente bereits resistent geworden sind“, sagt Kirchhoff. „ Allerdings ist die Substanz derzeit noch nicht für die breite klinische Anwendung geeignet.“

Vom Peptid zum Medikament


In ihrer Studie belegten die Forscher zunächst die Verträglichkeit von VIR-576 und die Wirksamkeit sowie die notwendige Dosierung. Sie verabreichten das Peptid hierzu 18 HIV-Infizierten zehn Tage lang in je einer von drei verschiedenen Dosen – per Dauerinfusion, weil VIR-576 im Blut rasch abgebaut wird.

Nun müssen die Wissenschaftler in einem nächsten Schritt herausfinden, wie aus dem Peptid ein verwendbares Medikament entwickelt werden kann. „Dafür haben wir gute Voraussetzungen, da wir den Eiweißstoff selber entdeckt und inzwischen sehr gut charakterisiert haben“, zeigt sich Forssmann optimistisch.
(Medizinische Hochschule Hannover, 23.12.2010 - DLO)
 
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