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Samstag, 21.01.2017
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Wie Neujahrsvorsätze glücken

Glaube an Unerschöpflichkeit der Willenskraft hilft

Zum Jahreswechsel werden sie wieder aktuell: Die guten Vorsätze. Ob wir durchhalten, hängt auch davon ab, wie wir über die Willenskraft denken. Das zeigt jetzt eine Studie. Halten wir sie für unerschöpflich, steigen die Chancen auf Erfolg.
Sport schützt vor Diabetes

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Eine Diät halten, sich von unliebsamen Gewohnheiten verabschieden oder weniger fernsehen – immer, wenn es darum geht, Impulse oder Wünsche zu unterdrücken, um ein Vorhaben umsetzen zu können, braucht der Mensch Willenskraft, respektive – präziser – Selbstkontrolle. Dabei scheint die
Selbstkontrolle umso schwieriger zu werden, je mehr man davon bereits aufgewendet hat. Nach einem anstrengenden Arbeitstag auf Erholung und Fernsehen zu verzichten, um beispielsweise die Steuererklärung auszufüllen, ist deshalb für viele Menschen besonders schwierig.

Willenskraft: endlich oder nicht?


Die Theorie, dass es sich bei der Selbstkontrolle um eine limitierte Ressource handelt, die sich aufbraucht, dominierte auch die Forschung zur Selbstkontrolle der letzten fünfzehn Jahre. Experimente hatten gezeigt, dass bei Personen, die aufeinanderfolgende Aufgaben zu lösen hatten, die Selbstkontrolle erforderten, Leistungseinbußen auftreten. Zu neuen Erkenntnissen gelangt nun jedoch Veronika Job, Psychologin der Universität Zürich: Zusammen mit Kollegen der Stanford University konnte sie zeigen, dass eine entscheidende Rolle spielt, was Menschen über Willenskraft denken:

Menschen, die glauben, dass Willenskraft eine limitierte Ressource ist, haben bei kontinuierlicher Beanspruchung auch tatsächlich Schwierigkeiten. Personen hingegen, die davon überzeugt sind, dass Willenskraft unlimitiert verfügbar ist, können sich auch bei wiederholter Beanspruchung gut selbst kontrollieren. Diesen Einfluss des Denkens auf die Fähigkeit zur Selbstkontrolle zeigen eine Reihe von drei Experimenten sowie eine Längsschnittstudie.


Welchen Einfluss haben Vorannahmen?


In einem ersten Experiment ermittelten die Forscher mittels Fragebogen, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Willenskraft denken. Sie sollten angeben, ob sie Aussagen zustimmten wie: «Nach einer anstrengenden mentalen Tätigkeit ist meine Energie erschöpft und ich muss mich erholen, um sie wieder aufzutanken.» Anschließend hatten sie eine Reihe von Aufgaben zu lösen, die Selbstkontrolle erfordern. Unter anderem mussten sie in einem Text den Buchstaben «e» durchstreichen oder die Farbe von Wörtern benennen, wobei die Bedeutung des Wortes häufig nicht mit der Farbe der Schrift übereinstimmte (z.B. war das Wort «rot» in grüner Farbe geschrieben).

Das Experiment zeigte, dass in den jeweiligen Folgeaufgaben ausschließlich jene Personen schlechter abschnitten, die glauben, dass Willenskraft durch ihren Einsatz verbraucht wird, dass sie durch Anstrengung weniger wird. Personen hingegen, die davon überzeugt sind, dass Willenskraft nicht verbraucht wird, zeigten keine Leistungseinbußen.

Glaube an unlimitierte Willenskraft hilft


In zwei weiteren Experimenten wurde diese Versuchsanordnung wiederholt, mit dem Unterschied, dass den Teilnehmenden eine der beiden Sichtweisen suggeriert wurde. Hierzu wurden Fragebogen konstruiert, die eine der zwei Grundhaltungen (Willenskraft ist limitiert versus nicht limitiert) stark hervorhoben und eine Zustimmung nahelegten. Auch hier zeigte sich, dass bei den aufeinanderfolgenden Selbstkontrollaufgaben nur jene Personen schlechtere Leistungen erbrachten, die dahingehend beeinflusst wurden, zu glauben, dass Willenskraft eine limitierte Ressource ist.

In einer letzten Studie wurden Theorien über Willenskraft in ihrer Bedeutung für das alltägliche Leben von Studierenden untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass der Glaube, Willenskraft sei keine limitierte Ressource, Studierenden in besonders stressreichen Zeiten – in der Woche der Abschlussprüfungen – hilft, ihre Selbstkontrolle aufrecht zu erhalten, und beispielswiese beim Lernen durchzuhalten und gesund zu essen.

Wichtig für Sport oder Diät


«Die Ergebnisse dieser Studie», resümiert Veronika Job, «sind besonders wichtig für Menschen, die mit vielen Ansprüchen an Selbstkontrolle konfrontiert sind. Menschen etwa, die ihren Lebenswandel durch Sport oder Diät nachhaltig verändern möchten oder Menschen, die während bestimmter
Phasen an ihrem Arbeitsplatz viel Konzentration und Ausdauer benötigen. In diesen Situationen kann es wichtig sein, zu wissen, dass Selbstkontrolle viel weniger limitiert ist, als dies bisher angenommen wurde.»

Das sind gute Nachrichten auch für alle, die sich zum Jahreswechsel viele gute Vorsätze machen wollen: Zu verändern, was Menschen bezüglich ihrer Willenskraft erwarten, kann ihre tatsächliche Fähigkeit zur Selbstkontrolle verändern.
(Universität Zürich, 30.12.2010 - NPO)
 
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