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Montag, 11.12.2017
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Mehr Schutz für Amazonas-Regenwald

Auf Basis deutscher Forschungsergebnisse erlässt Brasilien neue Holznutzungsgesetze

Die Holzwirtschaft in einem besonders sensiblen Teil des Amazonas-Regenwaldes wird künftig nachhaltiger. Eine Gesetzesnovelle des brasilianische Bundesstaats Amazonas hat jetzt Abholzungsregeln für die so genannten Várzea-Wälder erlassen, die strenger und biologisch sinnvoller sind. Die wissenschaftliche Basis dafür legte ein duetsches Forscherteam.
Überschwemmungs-Regenwald am Amazonas

Überschwemmungs-Regenwald am Amazonas

Der brasilianische Bundesstaat Amazonas verabschiedete kürzlich eine Gesetzesnovelle, die auf eine nachhaltigere Holznutzung in den Überschwemmungswäldern zielt. Darin regelt die Regierung, welche Baumart wie oft, in welcher Menge und bei welchem Stammumfang abgeholzt werden darf. Die Waldgebiete am Amazonas und am Solimões, die Fachleute als Várzea-Wälder bezeichnen, dehnen sich beiderseits der Flussufer bis zu 100 Kilometer weit aus und umfassen mit insgesamt etwa 300.000 Quadratkilometern ein Gebiet, das fast so groß ist wie die Bundesrepublik. Da die Várzea-Wälder regelmäßig überflutet werden, bilden sie einzigartige Ökosysteme, die aber auf Grund der intensiven Abholzung stark gefährdet sind.

Die Grundlage für die Novelle bildeten Studien des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und des Nationalen Instituts für Amazonas-Forschung, INPA. Über einen Zeitraum von zehn Jahren untersuchten die Forscher das Wachstum und die Populationsdynamik der Baumarten der Überschwemmungswälder. „Wir haben die Várzea-Wälder inventarisiert, also die Baumarten, ihre Anzahl und ihr Alter bestimmt", sagt Florian Wittmann, einer der beiden beteiligten Max-Planck-Forscher.

Bisherige Regeln gefährden Bestand


Zusammen mit seinem Mainzer Kollegen Jochen Schöngart und Maria T. F. Piedade vom brasilianischen Kooperationspartner INPA fand er heraus, dass die bisherigen Abholzungsbestimmungen den Bestand der Baumarten, zu denen viele Edelhölzer gehören, nicht sichern. „Auch wenn Bäume in den Überschwemmungswäldern schneller wachsen als in trockenen Gegenden, ist der bisherige Entnahmedruck für viele Arten zu hoch, als dass ihre Population überleben könnte", ergänzt Wittmann.


Das alte Gesetz sah vor, dass alle 25 Jahre fünf Bäume pro Hektar ab einem Durchmesser von 50 Zentimetern geschlagen werden dürfen, egal von welcher Art. Da sich aber viele Baumarten erst vermehren, wenn sie älter und somit dicker im Durchmesser sind, wären diese Arten übernutzt worden. Das hätte über kurz oder lang dazu geführt, dass diese Spezies aus den Überschwemmungswäldern verschwunden wären.

Durchmesser-Grenzwerte jetzt artspezifisch


Auf Basis ihrer Erhebungen schlugen die Wissenschaftler nun art- und ökosystemspezifische Durchmesser und Raten vor, mit denen Bäume abgeholzt werden dürfen. So erhöhte sich der Durchmesser bei einer Art sogar auf 100 Zentimeter. „Wir sind sehr stolz, dass unsere Grundlagenforschung direkte Anwendung für den besseren Schutz des Überschwemmungswaldes findet und dass unsere Forschergruppe im Gesetz sogar explizit erwähnt wird", sagt Wittmann.

Der Wissenschaftler ist sehr zuversichtlich, dass das neue Gesetz auch respektiert wird. "Der Staat Amazonas kontrolliert das sorgfältig", sagt Wittmann. "Die Holzindustrie ist sicher sehr motiviert, die strengen Bestimmungen einzuhalten, weil sie andernfalls kein Umweltzertifikat erhält, ohne dass sie das Holz nicht verkaufen kann." Nicht nur einheimische, sondern auch internationale Holzunternehmen sind in den Überschwemmungswäldern aktiv.
(Max-Planck-Gesellschaft, 16.12.2010 - NPO)
 
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