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Montag, 22.05.2017
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Doch noch Hoffnung für die Eisbären?

Klimaschutz könnte das Aussterben der arktischen Polarbären noch verhindern

Erwärmt sich die Arktis weiter so schnell wie bisher, sind viele Populationen des Eisbären vom Aussterben bedroht. Doch es gibt Hoffnung: Eine jetzt in „Nature“ erschienene Studie zeigt, dass schneller und konsequenter Klimaschutz das Schwinden des Meereises noch aufhalten könnte und damit auch das Sterben der Eisbären.
Warten auf das Eis: Eisbär in der Gezeitenzone der Hudson Bay

Warten auf das Eis: Eisbär in der Gezeitenzone der Hudson Bay

Das arktische Meereis ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten dramatisch geschrumpft – und damit auch der Lebensraum des Wahrzeichens der arktischen Tierwelt, des Eisbären. Die Bären sind von der Existenz des Meereises abhängig, um ihre Beute, Robben, jagen und erlegen zu können. In eisfreien Perioden finden sie keine Nahrung und können bis zu einem Kilogramm Gewicht am Tag verlieren. Im Zuge des Klimawandels und der Erwärmung besonders der Arktis weiten sich diese Perioden immer stärker aus.

Kaum Hoffnung beim „business-as-usual“-Szenario


2007 veröffentlichten Forscher um Steven Amstrup vom U.S. Geological Survey eine Aufsehen erregende Studie. In dieser prognostizierten sie, dass bis Mitte dieses Jahrhunderts nur noch ein Drittel der heute rund 22.000 Polarbären der Arktis übrig bleiben würden, wenn das Meereis weiter so stark abnimmt. In zwei Ökoregionen bestünde zudem eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Eisbären komplett aussterben würden.

In der damaligen Studie gingen die Wissenschaftler von einem Business-as-usual Szenario aus, in dem die Emissionen von Treibhausgasen mehr oder weniger ungebremst weiter ansteigen. Die Ergebnisse führten damals dazu, dass die Eisbären 2008 in die Rote Liste als bedrohte Art aufgenommen wurden. „Das war ein ziemlich düsteres Bild, aber es hat nicht die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass der Ausstoß von Treibhausgasen begrenzt werden könnte“, erklärt Amstrup.


Gibt es einen Kipppunkt?


Genau dies hat jetzt eine Forschergruppe verschiedener amerikanischer Institutionen – erneut unter Leitung von Amstrup - nachgeholt. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die Frage, ob es in der Entwicklung des arktischen Meereises tatsächlich einen Kipppunkt gibt, einen Schwellenwert der Temperatur, ab dem ein komplettes Abschmelzen der Arktis im Sommer unumkehrbar eingeleitet wird.

Arktis-Ikone auf aktuellem Nature-Titelbild

Arktis-Ikone auf aktuellem Nature-Titelbild

Zur Beantwortung der Frage nutzten die Forscher ein allgemeines Zirkulationsmodell mit einer Meereiskomponente, die besonders sensibel auf Temperaturerhöhungen reagiert. Dieses fütterten sie mit Treibhausgas-Werten, die zum einen erneut dem „Business-as-usual“-Szenario entspricht, andererseits einer schnellen und starken Reduzierung der Emissionen. Dieses Modell wurde mit einem weiteren gekoppelt, in dem biologische Daten zur Eisbärenpopulation und ihrer Reaktion auf Umweltbedingungen mit einbezogen wurden.

Eisverlust könnte umkehrbar sein


Das Ergebnis: Nach diesem Modellansatz scheint es doch keinen Kipppunkt für das Meereis zu geben. Die Eisfläche stand in einem linearen Verhältnis zur Temperatur, Anzeichen für einen „Punkt ohne Wiederkehr“ gab es nicht. Allerdings, so räumen die Wissenschaftler ein, war der Eisverlust nur bis zu einem gewissen Grad umkehrbar. Sie schließen zudem nicht aus, dass es in der Realität trotzdem einen solchen Kipppunkt geben könnte.

Klimaschutz als echte Chance für die Eisbären


In Bezug auf die Eisbären ergab die Studie, dass die Entwicklung der Treibhausgase und Klimaschutzbemühungen einen entscheidenden Unterschied für ihr Überleben machen könnte. Während das Business-as-usual-Szenario die Prognosen von 2007 bestätigte, gibt das Klimaschutzszenario dem Artenschutz Hoffnung. Denn wenn die Treibhausgasemissionen sinken und damit auch die Erwärmung gebremst wird, bleibt mehr Meereis erhalten und die Anzahl der überlebenden Eisbären steigt.

„Es gibt noch immer eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit in den beiden gefährdetsten Regionen, dass die Eisbären verschwinden könnten“, erklärt Amstrup. „Aber mit Klimaschutz und strengem Management der Jagd und anderer Mensch-Bär-Interaktionen wäre die Wahrscheinlichkeit eines Aussterbens jetzt geringer. In den anderen beiden Regionen könnten sich mit entsprechenden Maßnahmen die Bedingungen für die Eisbären sogar verbessern. Der Vorteil des Klimaschutzes für den Eisbär ist substanziell.“

„Unser Ergebnis ist eine vielversprechende, hoffnungsvolle Botschaft, aber es ist auch ein Ansporn, die Treibhausgasemissionen zu verringern“, erklärt Cecilia Bitz, Atmosphärenforscherin der Universität von Washington und Hauptentwicklerin des Modells. Angesichts der geringen Fortschritte im internationalen Klimaschutz bleibt es allerdings die Frage, ob die Treibhausgas-Reduktionen für den Eisbären noch rechtzeitig und umfassend genug kommen werden.
(Nature, 16.12.2010 - NPO)
 
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