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Freitag, 24.03.2017
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Gefahr für Artenvielfalt duch Nachtbeleuchtung?

Lichtverschmutzung bedroht Nacht als ökologische Nische

Ein Großteil der frühen Wirbeltiere war nachtaktiv und auch heute noch hat die Nacht eine große große Bedeutung als ökologische Nische. Doch durch die künstliche Beleuchtung ist diese Nische heute zunehmend bedroht – und damit auch die Artenvielfalt. Dies zeigen Wissenschaftler in einer in „Trends in Ecology and Evolution“ (TREE) veröffentlichten Studie.
Blick auf Berlin bei Nacht

Blick auf Berlin bei Nacht

Zu Zeiten der Dinosaurier war das Leben tagsüber sehr gefährlich. Dies führte dazu, dass fast alle damaligen Säugetiere auf die Nacht ausweichen mussten. Erst nach dem Aussterben der gigantischen Räuber wurde die „Tagesnische“ sicherer und es entwickelten sich mehr und mehr tagaktive Säugetiere. Doch erstaunlich viele Arten sind auch heute nachtaktiv: Rund 30 Prozent aller Wirbeltiere und mehr als 60 Prozent aller Wirbellosen nutzen die Nacht für ihre Aktivitäten.

Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigen nun in einer in „Trends in Ecology and Evolution“ (TREE) veröffentlichten Studie, dass wahrscheinlich in fast allen Wirbeltierklassen die Nacht bei der Artentwicklung eine große Bedeutung als ökologische Nische gehabt hat.

Nische durch Lichtverschmutzung bedroht


Aber genau diese Nische könnte zukünftig durch die Zunahme der künstlichen Beleuchtung bedroht sein. Der nächtliche Himmel Deutschlands wird durch einen mehr als fünfprozentigen Zuwachs an künstlicher Beleuchtung jedes Jahr stetig heller. Dadurch haben sich die Lichtimmissionen der urbanen, periurbanen und ruralen Nachtlandschaften sowohl quantitativ als auch qualitativ grundlegend verändert. Das Zuviel an künstlichem Licht mit negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt wird mittlerweile unter dem Begriff „Lichtverschmutzung“ zusammengefasst.


Je nach Lichtstärke, Farbspektrum sowie Zeitpunkt und Dauer der Beleuchtung kann dann jede einzelne künstliche Lichtquelle mitunter negative Folgen auf lichtsensible – zumeist nachtaktive – Organismen haben. Es muss davon ausgegangen werden, dass es schon zu einer Verschiebung und Abnahme der natürlichen biologischen Vielfalt gekommen ist.

Evolutionäre Verschiebungen


Aber auch evolutionäre Folgen der rapiden Veränderung der Nachtlandschaft auf Organismen sind zu erwarten. Zwar wird es in urbanen Zentren zukünftig viele lichtsensible Arten nicht mehr geben, aber einige Arten werden sich möglicherweise evolutionär an die neue Lichtsituation anpassen – oder haben es bereits getan. Auch Ökosystemdienstleistungen können durch Lichtverschmutzung beeinflusst werden. Neben kulturellen Werten zählen dazu unter anderem die Bestäubung von Kultur- und Naturpflanzen durch Nachtfalter sowie die Veränderung von Nahrungsnetzen und damit der Produktivität des Systems.
(Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), 26.11.2010 - NPO)
 
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