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Samstag, 21.10.2017
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Rüsselspringer stehen auf klebrige Snacks

Tiere laben sich am Nektar von Lilien und bestäuben diese

Sie heißen Rüsselspringer oder auch Elefantenspitzmäuse und haben eine bisher unbekannte Leidenschaft: Sie lieben klebrige Leckereien. Dies haben jedenfalls Forscher in Südafrika herausgefunden. Ihren Untersuchungen zufolge saugt die langschnauzige Art Elephantulus edwardii den Nektar aus Blüten und bestäubt so Pagoda Lilien.
Elefantenspitzmaus

Elefantenspitzmaus

Die Forscher um Petra Wester von der University Stellenbosch stellen die Ergebnisse ihrer neuen Studie jetzt erstmals in der Springer-Fachzeitschrift „Naturwissenschaften – The Science of Nature“ ausführlich vor.

50 Blütenbesuche in vier Tagen


Die Wissenschaftlerin untersuchte in ihrem Projekt das Verhalten von Tieren im nördlichen Gebiet von Cederberg in Südafrika, wo die Pagoda Lilienart Whiteheadia bifolia in schattigen Felsspalten und -höhlen wächst. Vier Nächte lang stellte sie Fallen in der Nähe der Lilienpflanzen auf, in denen Köder aus Erdnussbutter und Haferflocken die Tiere anlocken sollten. Tags darauf wurden die Exkremente aus den Fallen von Wester eingesammelt.

Darüber hinaus wurden zwei Rüsselspringer gefangen und in Glasterrarien mit blühenden Lilienpflanzen ausgesetzt, in denen Wester ihr Essverhalten beobachtete. Ergebnis: Die gefangenen Rüsselspringer haben innerhalb von vier Tagen die Blüten über 50 Mal besucht. Sie gingen dabei von einer Blütentraube zur anderen.


Keine Lust auf Erdnussbutter


Mit ihren biegsamen Nasen drangen sie in die Staubgefäße vor und leckten den Nektar zwischen den Fruchtknoten und den Staubgefäßen mit ihren langen schmalen Zungen ab. Dabei berührten sie nach Angaben der Wissenschaftler die Pollensäcke und bestäubten ihre lange Nase mit Blütenpollen. Auch die Blütennarben wurden von den Tieren berührt.

Die Rüsselspringer labten sich nach den Beobachtungen der Forscher an dem Nektar, ohne dabei die Pollen direkt zu sich zu nehmen oder die Blüten zu fressen, zu beschädigen oder gar zu zerstören. Interessanterweise zogen die Tiere den Nektar anderen Nahrungsmitteln wie Erdnussbutter mit Haferflocken und Äpfeln oder auch Wasser vor.

Wester fand zudem heraus, dass in den Exkrementproben der Rüsselspringer Pollen der Pagoda Lilie enthalten waren. Dies ist möglicherweise eher auf die Fellpflege nach den Blütenbesuchen als auf eine tatsächliche Pollenaufnahme zurückzuführen.

Ungewöhnliche Bestäubertiere


Rüsselspringer gehören zusammen mit Nagetieren, Primaten und Beuteltieren zu einer eher ungewöhnlichen Gruppe von Bestäubertieren, die als „nichtfliegende Säugetiere“ bekannt sind, um sie von den eher verbreiteten Fledermäusen zu unterscheiden.

Abgesehen von ihrer langen Nase ähneln Rüsselspringer den Mäusen, gehören jedoch nicht zu den Nagetieren. Sie werden von Zoologen stattdessen zur Ordnung der Elefantenspitzmäuse – Macroscelidea – gezählt. Dazu gehören auch Erdferkel, Tenreks, Goldmullen, Schliefer, Seekühe und Elefanten.

Westers Fazit: „Es liegen kaum Informationen über Rüsselspringer als Bestäubertiere vor. Mit dieser Studie wird erstmalig nachgewiesen, dass der Elephantulus edwardii Blüten wegen des Nektars besucht und sie folglich auch bestäubt. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Spezies von Rüsselspringern Bestäubertiere sein könnten.“
(Springer / Naturwissenschaften – The Science of Nature, 17.11.2010 - DLO)
 
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