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Donnerstag, 24.05.2012
Neandertalerforschung geht ins Netz
Europäisches Tele-Archäologie-Projekt gestartet
Ein neues EU-Projekt soll erstmalig die internationalen Forschungen über den Neandertaler zusammenführen und im weltweit bisher größten Forschungsverbund zu diesem Thema die Herkunft und Entwicklung des modernen Menschen klären. Durch den Einsatz moderner Medientechnologien wird die größte digitale Sammlung von Neandertalerfunden entstehen.

Schädel eines Neandertalers
Schädel eines Neandertalers
© P.L. Walker/ E.H. Hagen
Über eine Plattform im Internet sollen sich Paläoanthropologen und Archäologen über ihre Forschungen austauschen und zeitgleich an jedem beliebigen Ort mit den Fundstücken arbeiten können. Für das Internetportal "Nespos" werden die Bestände der Museen - Schädel, Zähne, Werkzeuge, Artefakte - digitalisiert und die Inhalte der lokalen Datenbanken vereint. Detailgenaue Abbildungen aller Fundstücke können die Wissenschaftler dann in dreidimensionaler Darstellung am Computer bearbeiten. Die europäischen Forschungsinstitute versprechen sich von TNT einen Durchbruch in den Fragen über die Herkunft des modernen Menschen und das Verschwinden des Neandertalers. Bis zum Jahr 2006, dem 150. Jahrestag der Entdeckung des Neandertalers, soll das TNT-Projekt abgeschlossen sein.

"Wie viel Neandertaler steckt noch in uns?" Antworten auf diese Frage erhofft sich auch Klaus Liedtke, Chefredakteur von NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, von dem neuen EU-Projekt: "Ist der Neandertaler der Vorgänger des Homo sapiens oder war er eine eigene Menschenart, die vor etwa 27.000 Jahren verschwand?" Der National Geographic ArchChannel soll ein populäres Wissenschaftsportal werden, das den aktuellen Stand der europäischen Forschung widerspiegelt: "Jeder Nutzer ist eingeladen, die Welt der Neandertaler über das Internet zu entdecken", sagt Liedtke. Auf dieser Website wird es ab 2005 neben umfangreichen Informationen zahlreiche interaktive Module geben, die eine spielerische Zeitreise in die Welt des Neandertalers ermöglichen.

"TNT verspricht der Forschung zwei große Vorteile: Die Wissenschaftler können künftig die sorgsam gehüteten Teile der Originalskelette untersuchen, ohne sie berühren oder transportieren zu müssen. Und sie können mehr Material in kürzester Zeit vergleichen, ohne die knappen Budgets ihrer Institute mit Reisekosten zu belasten", erklärt Professor Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums Mettmann. Weniger wird im TNT-Projekt mit seinem Team alle verfügbaren Daten zu den deutschen Neandertaler-Fundplätzen zusammenstellen und auch gemeinsam mit anderen Partnern die wissenschaftlichen Anforderungen an die Datenbank formulieren.

"Bald wird es die größte digitale Sammlung von Neandertalerfunden in Europa geben", freut sich Pavel Mayer, Projektleiter TNT bei ART+COM. "Damit erleichtern wir einem sehr viel größeren Forscherkreis den Zugang zu den Fundstücken." Für die Datenbank werden Artefakte und Fossilien nicht nur einheitlich katalogisiert, sondern auch über CT und 3-D Oberflächenscans visualisiert. Außerdem entwickelt ART+COM für die über das Internet zugängliche Plattform Werkzeuge, die mit Methoden visueller Simulation die graphische Reproduktion, Vermessung und Begutachtung von Fundstücken ermöglichen.

"Die interaktive Medientechnologie eröffnet der europäischen Forschungsgemeinschaft ganz neue Möglichkeiten", sagt Ian Pigott, Projektmanager der EU für Informationstechnik. "Der Aufbau eines grenzüberschreitenden Datenpools und die Integration neuer bildgebender Verfahren in Kombination mit einer Website für die breite Öffentlichkeit macht TNT einzigartig." Das Projekt TNT wird im Rahmen des EU-Programms "Digicult" durchgeführt, das sich um die Erforschung und den Erhalt der Kunst- und Kulturschätze Europas mittels moderner Technologie bemüht.
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