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Mittwoch, 28.09.2016
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Geburtenrückgang nicht nur negativ

Positive Auswirkungen der Bevölkerungsentwickling auf den Wohlstand möglich

Die Bevölkerung Deutschlands und der Industrieländer altert – und der resultierende demographische Wandel verändert auch das Arbeitsleben. Dass die Auswirkungen dieser Entwicklung durchaus positiv für Wohlstand und Gesellschaft sein können, zeigt jetzt eine neue Studie österreichischer Forscher. Voraussetzung dafür sei allerdings ein steigender Bildungsgrad.
Baby

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Die Geburtenzahlen gehen zurück, der Anteil der älteren Bevölkerung wächst. Oft wird diese Entwicklung mit negativen Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum verbunden, doch gibt es darüber weder zuverlässige Erfahrungswerte noch liefern ökonomische Modelle dazu eindeutige Aussagen. Jetzt zeigen wirtschaftsmathematische Analysen der TU Wien: Ein Bevölkerungsrückgang kann sich sogar positiv auf den Wohlstand auswirken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Bildungsgrad der Arbeitskräfte steigt – und zwar in jedem Lebensalter.

Rechnen statt raten


Eine Bevölkerungsentwicklung, wie sie aktuell durch den Geburtenrückgang und die steigende Lebenserwartung bevorsteht, gab es bisher noch nie. Man kann sich daher bei Prognosen nicht auf historische Beispiele stützen. Daher ist es wichtig, alternative Modellansätze zu berechnen, die neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die sich verändernde Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigen. „So haben wir etwa das neoklassische Modell der Arbeitsnachfrage nun um die Altersstruktur der Arbeitnehmer erweitert“, erklärt Professor Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom Institut für Wirtschaftsmathematik der TU Wien. Unterstützt wurde sie bei diesem Projekt von ihrem Kollegen Vladimir Veliov.

Weniger Menschen, mehr Investition in Bildung


Eines der Ergebnisse der Studie: Der Geburtenrückgang setzt Ressourcen frei, die von den Eltern idealerweise in eine verbesserte Ausbildung der Kinder investiert werden – und mehr Bildung hilft der Wirtschaft. Wenn frei werdende Produktionsmittel in einer schrumpfenden Bevölkerung auf immer weniger Menschen aufgeteilt werden, kann die Bevölkerungsreduktionzu einem Wohlstandsgewinn führen. Stehen der einzelnen Arbeitskraft bessere Maschinen oder bessere Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung, steigt die Produktivität. „Allerdings funktioniert das nur, wenn diese frei werdenden Ressourcen auch tatsächlich in produktiven ökonomischen Bereichen und nicht zu einem großen Teil in wachsende Sozial- und Rentenleistungen investiert werden“, betont Fürnkranz- Prskawetz.


Wichtig auch für Unternehmen


Die an der TU Wien entwickelten Modelle können auch Firmen helfen, wichtige Entscheidungen richtig zu treffen: Sollen eher junge als ältere Personen angestellt werden? Soll das Budget, das für Weiterbildung zur Verfügung steht, eher in Jüngere oder in Ältere investiert werden? „Unsere Modelle zeigen, dass es optimal sein kann, auch in die Weiterbildung von älteren Arbeitskräften zu investieren“ erklärt Fürnkranz-Prskawetz. Gerade wenn es weniger Jüngere gibt, bringt mehr Bildung für Ältere deutliche Vorteile für das Unternehmen.

Auch durch empirische Studien lässt sich untersuchen, welche Bedeutung ältere Arbeitnehmer für ein Wirtschaftsunternehmen haben. Inga Freund, Assistentin am Institut von Fürnkranz-Prskawetz, hat sich systematisch die Altersstruktur in österreichischen Unternehmen angesehen und mit der Produktivität der Unternehmen in Beziehung gesetzt. „Ältere und jüngere Arbeitnehmer sind nicht einfach gegeneinander austauschbar“, meint Freund.

Keine Senkung der Produktivität durch ältere Beschäftigte


Während jüngere Beschäftigte im Durchschnitt eine schnellere Auffassungsgabe haben, bringen ältere Arbeitnehmer mehr Erfahrung ein. Doch selbst wenn die Produktivität von älteren Arbeitnehmern einzeln betrachtet nicht mehr ganz an die der jüngeren Generation heranreicht, sollte ein Unternehmen nicht nur auf jüngere Beschäftigte setzen – so das Resultat der Studie. „Die Produktivität eines Unternehmens ist nicht einfach nur die Summe der Produktivität jedes einzelnen Arbeitnehmers“, erklärt Freund. „Unsere jüngsten Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein höherer Anteil an älteren Beschäftigen nicht mit geringerer Arbeitsproduktivität in einer Firma in Verbindung steht.“

Fürnkranz-Prskawetz empfiehlt Unternehmen, sich auch die Stärken älterer Arbeitnehmer bewusst zu machen und nicht nur den persönlichen Arbeitsoutput zu betrachten: „Das in der Firma angesammelte Know-How und die Organisationsstruktur sind oft wichtiger als die individuelle Produktivität.“ Die Rechenmodelle zeigen auch, dass es sich für Firmen rentiert, sich auf künftige demographische Entwicklungen rechtzeitig vorzubereiten. „Firmen werden den demographischen Wandel schon frühzeitig in ihre Personalentwicklungspläne einfließen lassen und für einen passenden Mix aus alt und jung sorgen“, prognostiziert die Forscherin.
(Technische Universität Wien, 09.11.2010 - NPO)
 
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