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Sonntag, 22.10.2017
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Datenautobahn in der Atacamawüste

Neues Glasfaserkabel ermöglicht schnelle Anbindung von Sternwarten ans Internet

Nach zwei Jahren Planungs- und Bauzeit ist es soweit: Ein neues Datenkabel, das sich 100 Kilometer lang durch die chilenische Atacamawüste zieht, bindet das Paranal-Observatorium und das Observatorio Cerro Armazones ans schnelle Internet an und eröffnet den Forschern damit völlig neue Möglichkeiten.
Verlegung des Datenkabels

Verlegung des Datenkabels

Statt Bilddaten wie bisher häufig geschehen erst Wochen später – etwa per Festplatte im Handgepäck - mit nach Hause zu bringen, können sie von überall her fast in Echtzeit darauf zugreifen. So verpassen die Astronomen kein wichtiges Ereignis mehr und sparen sich so manche Reise um die halbe Welt.

EVALSO-Projekt


Das neue Kabel ist Teil des EVALSO-Projektes (Enabling Virtual Access to Latin American Southern Observatories). An EVALSO sind die Europäische Südsternwarte (ESO), das Observatorio Cerro Armazones (OCA) der Ruhr-Universität Bochum, das chilenische akademische Netzwerk REUNA und weitere Organisationen beteiligt. Zusätzlich zu dem neuen Kabel wurden für das EVALSO-Projekt Nutzungsmöglichkeiten für bereits existierende Infrastruktur eingekauft. Das Ergebnis ist eine extrem schnelle Datenverbindung zwischen dem Paranal und dem ESO-Hauptquartier in Garching bei München.

Die Standorte Paranal und Armazones sind aufgrund ihrer Höhe über dem Meeresspiegel und dem klaren Himmel fernab der Lichtverschmutzung größerer Städte ideal für astronomische Beobachtungen. Ihre Abgeschiedenheit bedeutet aber auch, dass sie weit weg von bereits existierender Kommunikations-Infrastruktur liegen. Bis zur Fertigstellung der Kabelverbindung waren die beiden Observatorien von einer Mikrowellen- Funkverbindung zu einer Basisstation in der Nähe von Antofagasta abhängig, wenn es galt, wissenschaftliche Daten zu versenden.


100 Gigabyte an Daten pro Nacht


Die Teleskope allein am Paranal-Observatorium der ESO produzieren jedoch deutlich mehr als 100 Gigabyte an Daten pro Nacht. Selbst wenn die Dateien komprimiert werden, entspricht das noch immer mehr als 20 DVDs. Die bestehende Verbindung war zwar ausreichend, um die Daten der aktuellen Instrumente am Very Large Telescope (VLT) zu transportieren. Die Übertragungsgeschwindigkeit war freilich zu gering, um den Datenmengen gewachsen zu sein, die das VISTA-Teleskop (Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy) oder die nächste Generation an VLT-Instrumenten, die in den nächsten Jahren in Betrieb gehen, generieren.

Die einzig praktikable Möglichkeit, einen Großteil der vom Paranal kommenden Daten zum ESO-Hauptquartier zu befördern, bestand bislang darin, sie auf Festplatten abzuspeichern und diese per Luftpost zu verschicken - oder die Datenspeicher gleich persönlich beim Heimflug mitzunehmen. Daraus ergab sich eine Verzögerung von Tagen oder sogar Wochen, bis Beobachtungen von VISTA zur Auswertung bereitstehen.

Moderne Infrastruktur wichtig


„Das ESO-Observatorium auf dem Paranal wächst immer weiter – neue Teleskope und Instrumente gehen in Betrieb. Unsere wissenschaftlichen Observatorien von Weltrang benötigen eine Infrastruktur auf dem neuesten Stand der Technik”, stellt ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw fest.

Anstelle der existierenden, auf 16 Megabit/s begrenzten Verbindung wird EVALSO eine viel schnellere Leitung mit 10 Gigabit/s zur Verfügung stellen. Bei dieser Geschwindigkeit kann ein kompletter DVD-Film innerhalb weniger Sekunden transferiert werden.

Deutlich höhere Datenübertragungsraten


Die deutlich höheren Datenübertragungsraten lassen zu, dass Daten vom Paranal vermehrt in Echtzeit aus der Ferne abgefragt werden können. Dadurch wird es einfacher, die Effizienz des VISTA-Teleskops zu überwachen. Schnellerer Zugriff auf die Daten des VLT ermöglicht außerdem effektivere Qualitätskontrolle. Mit gesteigerten Datenraten werden sich zusätzlich neue Möglichkeiten ergeben, zum Beispiel, dass Astronomen und Techniker an Meetings über High-Definition-Videokonferenzen teilnehmen können, ohne nach Chile reisen zu müssen.

Auch wenn in Zukunft noch datenintensivere Instrumente in Betrieb gehen, wird die Übertragungsrate der neuen Verbindung nach ESO-Angaben genügen, um die weiter wachsenden Datenströme vom Paranal und vom Cerro Armazones noch für viele Jahre zu bewältigen.

Sofortiger Zugriff auf Daten


Sofortiger Zugriff auf Daten, die sich in großer Entfernung befinden, spart nicht nur Geld und macht die Arbeit des Observatoriums effizienter, sondern erlaubt es auch, zeitnah zu reagieren.

Bei unerwarteten und unvorhersagbaren Ereignissen wie Gamma Ray Bursts bleibt oft nicht genügend Zeit für die Astronomen, um zu den Observatorien zu reisen. EVALSO wird den Experten die Möglichkeit geben, bei solchen Ereignissen aus der Ferne zu arbeiten – beinahe so als wären sie persönlich in Chile.
(idw - Max-Planck-Institut für Astronomie, ESO Science Outreach Network / Ruhr-Universität Bochum, 05.11.2010 - DLO)
 
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