Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Gehirn: Selbstorganisation ist Trumpf
Neben Umwelt und Genen spielen auch selbstorganisierte Prozesse eine entscheidende Rolle bei der Gehirnentwicklung
Selbstorganisierte Prozesse spielen neben Umwelteinflüssen und genetischen Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns. Zu diesem Ergebnis ist jetzt ein internationales Forscherteam in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“ gekommen. In den Gehirnen von Frettchen, Spitzhörnchen und Buschbabys entdeckten die Wissenschaftler eine überraschende Ähnlichkeit: Die Anordnung der Nervenzellen in den Sehrinden beider Arten folgt exakt demselben Design.
Sehrinde eines Frettchens
Sehrinde eines Frettchens
© MPIDS Sehrinde eines Frettchens
Weder frühe Einflüsse der Umwelt noch Vererbung können diesen Befund erklären. Mit Hilfe eines mathematischen Modells jedoch, das beschreibt, wie sich neuronale Schaltkreise im Gehirn selbstorganisiert entwickeln, konnten die Wissenschaftler die Gehirnarchitektur exakt vorhersagen.

Kanten und Konturen
Nervenzellen in der Sehrinde reagieren auf definierte Bildelemente wie Kanten und Konturen. Jede Zelle hat dabei eine so genannte Orientierungspräferenz: Sie ist auf bestimmte Kantenverläufe – wie etwa horizontale, vertikale oder schräge Kanten – spezialisiert. Stellt man sich Zellen gleicher Spezialisierung mit derselben Farbe eingefärbt vor, erhält man so die Karte der Orientierungspräferenz. Das fundamentale Strukturelement dieser Karten, das sich über die Sehrinde tausendfach wiederholt, bezeichnen Forscher als Pinwheel - deutsch: Windrad -, denn Gebiete derselben Orientierungspräferenz treffen an einem Punkt zusammen – wie die Flügel eines Spielzeug-Windrades.

Spitzhörnchen
Spitzhörnchen
© Cymothoa exigua / GFDL Spitzhörnchen
Verblüffende Ähnlichkeit bei Frettchen, Spitzhörnchen und Buschbaby
Während frühere Studien erwarten ließen, dass sich die Verteilung der Windräder in den Sehrinden verschiedener Arten stark unterscheiden, fanden die Forscher unter anderem vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, vom Bernstein Center for Computational Neuroscience und von der Universität Göttingen in der neuen Untersuchung eine verblüffende Ähnlichkeit bei Frettchen, Spitzhörnchen und Buschbaby. Ein Erkennungszeichen dieses gleichen Designs ist die Dichte der Windrädchen. Diese und eine große Zahl anderer Merkmale stimmen bei diesen Arten genau überein.

Auf einen vererbten genetischen Bauplan lässt sich dies den Forschern zufolge jedoch nicht zurückführen. Denn der letzte gemeinsame Vorfahre von Frettchen, Spitzhörnchen und Buschbaby lebte vor mehr als 65 Millionen Jahren im Zeitalter der Dinosaurier. Die Gehirne hatten also reichlich Zeit, sich verschieden zu entwickeln. Zudem gibt es Säugetiere, die deutlich enger miteinander verwandt sind als die untersuchten Spezies und dennoch verschieden strukturierte Sehrinden aufweisen. Ebenso wenig bietet der Einfluss von Erfahrung auf die frühe Hirnentwicklung eine Erklärung. Die untersuchten Tierarten finden nach ihrer Geburt völlig verschiedene Umweltbedingungen vor.

Buschbaby
Buschbaby
© Hans Hillewaert / CC by-sa 3.0 Buschbaby
Selbstorganisationsprozesse in der Hirnentwicklung entscheidend
In empirischen und theoretischen Untersuchungen zeigten die Forscher, dass sich die gleiche Windräderdichte am besten durch Selbstorganisationsprozesse in der Hirnentwicklung erklären lässt. Sobald die Tiere nach der Geburt zu sehen beginnen, bilden sich die Karten der Orientierungspräferenz nach und nach wie von selbst aus. Die mathematische Analyse neuronaler Selbstorganisation zeigte, dass bereits wenige Voraussetzungen ausreichen, um die beobachtete Nervenzellarchitektur hervorzubringen. Zu diesen gehört etwa, dass sich Nervenzellen über große Entfernungen direkt Signale zusenden können.

Sind diese und wenige weitere Voraussetzungen erfüllt, stimmen sich die Nervenzellen im Modell während der Hirnentwicklung nach Angaben der Wissenschaftler so aufeinander ab, dass ein so genanntes „quasiperiodisches Muster“ ihrer bevorzugten Orientierungen entsteht - ein Muster, das sich nie exakt wiederholt.

La-Ola-Welle und Stop-and-Go-Wellen im Autoverkehr
„Vertraute Beispiele für Selbstorganisationsprozesse sind etwa die La-Ola-Welle begeisterter Zuschauer, die sich bei Sportveranstaltungen über die Stadionränge ausbreitet, oder Stop-and-Go-Wellen im Autoverkehr, die ohne jede äußere Behinderung des Verkehrsflusses spontan auftreten können“, sagt Matthias Kaschube von der Princeton Universität und Erstautor der Studie. Bei diesen Beispielen, wie auch bei allen anderen Selbstorganisationsprozessen, gibt es weder einen versteckten „Lenker”, noch ein verstecktes „Drehbuch“, das die Systemelemente - die Sportfans oder die Verkehrsteilnehmer in obigen Beispielen - dazu zwingt zu tun, was sie tun.

Die Bewegung der Elemente resultiert nur aus der Art, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. In den vergangenen Jahrzehnten haben Forscher für viele Systeme der unbelebten Natur ausgearbeitet, wie mathematische Modelle beim Verständnis solcher Selbstorganisationsprozesse helfen können. Wie Fred Wolf, Leiter der Untersuchung und theoretischer Physiker am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen betont, liefern die neuen Ergebnisse nun maßgeschneiderte mathematische Konzepte für das Verständnis der Wechselwirkungen neuronaler Elemente in der Sehrinde.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Gehirn, Gene, Erbanlagen, Erbgut, Umwelt, Nervenzellen, Selbstorganisation, Frettchen, Spitzhörnchen, Buschbaby, Spezies, La-Ola-Welle
Weitere News zum Thema
Heimatliches blockiert das Sprechen der Zweitsprache (18.06.2013)
Der Anblick von Objekten oder Gesichtern aus der eigenen Kultur stört den Spracherwerb
Runde Räume empfinden wir als schöner (12.06.2013)
Instinktiv bevorzugen wir bestimmte Formen auch bei der Innenarchitektur
Gehirn erkennt Schönheit in zwei Stufen (11.06.2013)
Erst kommt das Wohlgefühl, dann der bewusste Aha-Moment: "Das ist schön!"
Überbleibsel von Atomtests lösen Hirnrätsel (10.06.2013)
Vergangene Kernwaffentests helfen, die Geburtsrate neuer Neuronen im Gehirn zu bestimmen
Proteine verraten mehr über Ötzis Tod (10.06.2013)
Gletschermann erlitt Blutergüsse im Gehirn, bevor sie starb
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Wunder Gehirn
Zellen - Bausteine des Lebens
Gliazellen
Genetik
Dossiers zum Thema
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
Teamwork der Sinne
Auch die Augen hören mit
Altern mit Köpfchen
Wie der Geist lange fit bleibt
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
Rätsel Hirnschwund
Auf der Suche nach den Ursachen von Alzheimer und Parkinson
News des Tages
3D: Hologramme lernen laufen
Forscher lesen galaktische Tagebücher
Erdstürze drohen auch in der Vulkaneifel
Gehirn: Selbstorganisation ist Trumpf
Entscheidungsverhalten von Paaren komplexer als gedacht
Doppeltes Erbgut bringt Evolution in Schwung
Datenautobahn in der Atacamawüste
Bücher zum Thema
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Descartes' Irrtum
Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn von Antonio R. Damasio
Gehirn und Erfolg: 12 Regeln für Schule, Beruf und Alltag
von John Medina
Alzheimer
Spurensuche im Niemandsland von Michael Jürgs
Descartes' Irrtum
Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn von Antonio R. Damasio
Gott-Gen und Großmutter neuron
Geschichten von Gehirnforschung und Gesellschaft von Manfred Spitzer
Wie Zellen funktionieren
Wirtschaft und Produktion in der molekularen Welt von David S. Goodsell
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Riesige Stadt um Angkor Wat entdeckt
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst