• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 28.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Delfin-Mütter setzen auf Hilfe von Freundinnen

Studie: Erfolgreiche Jungenaufzucht bei Großen Tümmlern hängt auch von sozialen Faktoren ab

Eine erfolgreiche Jungenaufzucht bei frei lebenden Großen Tümmlern hängt sowohl von genetischen als auch von sozialen Faktoren ab. So ziehen Delfinweibchen ihre Jungen erfolgreicher auf, wenn sie Unterstützung bekommen. Dies hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam in einer groß angelegten neuen Studie erstmals nachgewiesen.
Erfolgreiche Aufzucht dank gegenseitiger Hilfe

Erfolgreiche Aufzucht dank gegenseitiger Hilfe

Delfinweibchen, die Hilfe von anderen Weibchen erhalten, sind danach bei der Aufzucht ihrer Nachkommen wesentlich erfolgreicher als solche, die ohne Unterstützung auskommen müssen. Die Verhaltensforscher um Michael Krützen von der Universität Zürich (UZH) berichten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Große Tümmler in Shark Bay untersucht


Dass der Fortpflanzungserfolg im Tierreich von vererbten genetischen Merkmalen abhängt, ist schon in mehreren Studien nachgewiesen worden. Doch auch soziale Komponenten, wie die Hilfe von nahen Verwandten, spielen eine Rolle. Für ihre Forschungen haben die Wissenschaftler nun erstmals diese Faktoren gemeinsam an indopazifischen Großen Tümmlern in Shark Bay in Australien betrachtet und dabei festgestellt, dass genetische und soziale Effekte voneinander abhängen.

Seit langer Zeit werden an dieser Population unter anderem genetische Analysen unter der Leitung von Krützen und Bill Sherwin, Professor an der University of New South Wales in Sydney, durchgeführt. So konnten die Forscher im Laufe der Jahre die genetischen Profile von hunderten von Tieren erstellen.


Soziales Verhalten kompensiert fehlende Verwandte


„Der gemeinsame Einfluss von genetischen und sozialen Effekten auf die Fortpflanzung war in wilden Populationen bis jetzt nicht ausreichend erforscht“, erläutert Krützen die Bedeutung der neuen Forschungsarbeit. Celine Frère, die von Sherwin und Krützen in ihrer Doktorarbeit betreut wurde, kombinierte Langzeitbeobachtungen des Sozialverhaltens der weiblichen Delfine mit den Daten über ihre genetischen Beziehungen.

In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der Fortpflanzungserfolg von weiblichen Delfinen zunimmt, je sozialer sie sind oder wenn das Tier Verwandte hat, die ebenfalls gut darin sind, Nachkommen erfolgreich großzuziehen. Diese Interaktion von sozialen und genetischen Effekten in einer Population von wilden Delfinen zu zeigen, ist das Außergewöhnliche an der insgesamt 25 Jahre dauernden Studie. Für Weibchen, die wenig verwandte Tiere innerhalb der Population haben, wird dann die soziale Kohäsion mit anderen Weibchen umso wichtiger.

Besserer Schutz gegen Haiattacken?


Bis heute ist es Forschern zufolge noch nicht vollständig klar, weshalb bei gewissen Arten die Weibchen auf Hilfe bei der Jungenaufzucht angewiesen sind. Bei Orang-Utans beispielsweise, die ebenfalls am Anthropologischen Institut der UZH erforscht werden, und deren Sozialstruktur der der Delfine in gewissem Maße ähnelt, kommen die Mütter bei der Jungenaufzucht alleine zurecht.

Eine mögliche Erklärung für die gegenseitige Unterstützung bei Großen Tümmlern könnte nach Angaben der Forscher darin liegen, dass die Delfine in Shark Bay häufigen Haiattacken ausgesetzt sind. Der Schutz durch andere Weibchen verbessert daher vermutlich die Chance für die erfolgreiche Aufzucht der Jungen.
(idw - Universität Zürich, 02.11.2010 - DLO)
 
Printer IconShare Icon