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Dienstag, 23.05.2017
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Gene beeinflussen „Hüftgold“

Internationale Studie entdeckt neue Genvarianten für Übergewicht und Fettverteilung

Genetische Faktoren spielen für Übergewicht, aber auch für die Verteilung des Fetts eine wichtige Rolle. Jetzt hat eine internationale Studie erneut zahlreiche Risikogene für die Körpermasse sowie für die Fettverteilung an der Hüfte oder am Bauch entdeckt. Die in gleich zwei Studien in „Nature Genetics“ erschienenen Ergebnisse geben wertvolle Hinweise auf die zugrundeliegenden biologischen Prozesse, zeigen aber auch, dass es noch zahlreiche weitere, bisher nicht bekannte genetische Faktoren geben muss.
Übergewichtiger Jugendlicher

Übergewichtiger Jugendlicher

Es gibt immer mehr Menschen mit starkem Übergewicht, die einen Körpermasseindex (BMI) von mehr als 30 haben. Obwohl die Lebensumstände für das Dicksein mitverantwortlich sind, tragen auch genetische Faktoren entscheidend zum individuellen Risiko bei: Bislang waren vierzehn Gene bekannt, die die Körpermasse und die Verteilung des Fettes an Bauch oder Hüfte beeinflussen. Um weitere aufzuspüren, wurden in der internationalen Kooperation GIANT (Genetic Investigation of ANtropometric Traits) jetzt fast 250.000 Europäer untersucht.

18 neue Genvarianten für Körpermasse


Dabei entdeckten die Wissenschaftler 18 neue Genorte, die die Körpermasse beeinflussen. Unter den neu entdeckten genetischen Varianten für den BMI liegt eine nahe dem bereits bekannten Gen POMC. Dieses kodiert ein bestimmtes Prohormon, das unter anderem beim Hungergefühl eine Rolle spielt. Doch die meisten anderen neuen Genorte waren zuvor nicht mit dem Energiestoffwechsel verknüpft worden und eröffnen daher neue Einblicke in die Steuerung unseres Stoffwechsels.

Die Studie enthüllte auch, dass die von den Eltern geerbte Anzahl der BMI-erhöhenden Genvarianten einen Einfluss auf das später realisierte Körpergewicht hat: So wogen Studienteilnehmer mit vielen ererbten „Dickmacher-Genvarianten“ im Durchschnitt sieben bis neun Kilogramm mehr als Personen, die nur wenige dieser Gene geerbt hatten.


Körperform: Eher Apfel oder Birne?


Zusätzlich stießen die Forscher auf weitere 13 Genvarianten, die die Fettverteilung betreffen: Sie beeinflussen, ob die Körperform eher apfel- oder birnenförmig ist. Aus vorhergehenden Studien ist bereits bekannt, dass viel Fett in der Körpermitte – die Apfelform – mit einem stark erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes Typ-2 assoziiert ist. Fett im Bereich der Oberschenkel oder des Hinterns dagegen – die Birnenform - könnte sogar gegen solche Krankheiten schützen.

Die neu entdeckten Genvarianten, von denen sich sieben stärker bei Frauen als bei Männern auswirken, deuten auf zugrundeliegende Mechanismen hin, die diese Verteilung beeinflussen. So sind unter anderem Gene involviert, die Cholesterin, den Trigylcerid-Spiegel, Insulin und die Insulin-Resistenz regulieren.

„Indem wir Gene gefunden haben, die eine wichtige Rolle dafür spielen, ob wir apfel- oder birnenförmig sind und die Unterschiede zwischen Männern und Frauen festgestellt haben, hoffen wir, die entscheidenden biologischen Prozesse besser zu verstehen“, erklärt Cecilia Lindgren vom Wellcome Trust Centre for Human Genetics an der Universität von Oxford.

Weitere genetische Faktoren noch unbekannt


„Solche großen Studien erlauben ganz neue Einblicke in die Biologie des Energiestoffwechsels und der Gewichtsregulation. Zu klären ist, inwieweit diese Erkenntnisse auch therapeutisch nutzbar sind“, erklärt Professor Hebebrand von der Universität Duisburg-Essen (UDE), der den Adipositas- Verbund im Programm der Medizinischen Genomforschung koordinierte. Obwohl damit inzwischen 32 Genvarianten bekannt sind, die mit Übergewicht zusammenhängen, erklären auch sie erst 1,45 Prozent der Spannbreite menschlicher Körpergewichte. Daher muss es nach Ansicht der Forscher noch zahlreiche andere genetische Faktoren geben, die noch gefunden werden müssen.
(Wellcome Trust Centre for Human Genetics, Oxford University / Universität Duisburg-Essen, 12.10.2010 - NPO)
 
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