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Dienstag, 24.05.2016
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Vulkane schuld am Ende der Neandertaler?

Aschenschichten in Kaukasus-Höhle deuten auf Eruptionen und Klimawandel vor 40.000 Jahren hin

Starben die Neandertaler vielleicht deshalb aus, weil gewaltige Vulkanausbrüche ihren Lebensraum plötzlich und drastisch veränderten? In einer Höhle im Kaukasus hat ein amerikanisch-russisches Forscherteam jetzt Aschenschichten entdeckt, die auf starke Eruptionen vor 40.000 Jahren hindeuten – genau zu der Zeit, als der Niedergang der Eiszeitmenschen begann. Wie sie in der Fachzeitschrift „Current Anthropology” berichten, könnte dies die Populationen des Neandertalers so stark reduziert haben, dass die Besiedelung durch den modernen Menschen erleichtert wurde.
Vulkanausbruch

Vulkanausbruch

Das nach geologischen Maßstäben relativ plötzliche Verschwinden der Neandertaler vor rund 35.000 bis 40.000 Jahren Jahren gibt Anthropologen bis heute Rätsel auf. Der Eiszeitmensch wurde damals nahezu vollkommen durch den von Süden aus einwandernden modernen Homo sapiens abgelöst. Aber warum? Gab es einen ausgeprägten Wettbewerbsvorteil des moderneren Menschen gegenüber seinem europäischen Vetter? Oder war es das sich verändernde Klima? Bis heute ist nicht geklärt, welche Ursache letztlich zum Aussterben des Neandertalers führte.

Zur falschen Zeit am falschen Ort


Jetzt hat ein amerikanisch-russisches Forscherteam unter Leitung von Liubov Golovanova und Vladimir Doronichev vom ANO Laboratorium für prähistorische Forschung in Sankt Petersburg eine ganz neue Hypothese dazu aufgestellt. Demnach könnten die Neandertaler einfach das Pech gehabt haben, zur falschen Zeit am falschen Ort zu leben.

Die Forscher hatten Ablagerungen in der Mezmaiskaya-Höhle im Kaukasus untersucht, einem Ort, der bereits zuvor durch reiche Funde von Neandertalerknochen und -Artefakten bekannt geworden war. Dabei stießen sie auf zwei deutlich erkennbare Schichten vulkanischer Asche, die auf ein Alter von rund 40.000 Jahren datiert wurden. Nach Meinung der Wissenschaftler könnte dies ein Hinweis nicht nur auf lokale Ausbrüche, sondern auch auf Eruptionen mit weitreichenderen Folgen sein. Zeitlich stimmen die beiden Aschenschichten mit der so genannten Campan-Ignimbrit-Supereruption im Gebiet des heutigen Italien sowie einem kleineren Ausbruch im Gebiet des Kaukasus überein.

Die Asche zeugt jedoch nicht nur von starken Eruptionen in just der Zeitperiode, die den Niedergang der Eiszeitmenschen einleitete, sondern auch von deutlichen Klimaveränderungen in der Folge dieser Ereignisse. Sedimentproben aus den beiden Schichten zeigen eine stark reduzierte Pollenkonzentration im Vergleich der umgebenden Bereiche – für die Forscher ein Hinweis darauf, dass die Vegetation damals drastisch ausdünnte, vermutlich als Folge eines abrupten Wechsels zu einem kühleren und trockeneren Klima.


„Vulkanischer Winter”


Die Wissenschaftler sehen darin einen Hinweis auf einen „vulkanischen Winter”, eine Klimaabkühlung ausgelöst durch den die Sonneneinstrahlung abschirmenden Effekt von Aschenwolken und Aerosolen in der Atmosphäre. Diese möglicherweise über Jahre anhaltende Klimaverschiebung könnte die Ökosysteme der Region gravierend gestört und verändert haben.

„Diese Katastrophe zerstörte nicht nur die ökologischen Nischen der Neandertaler-Populationen, sondern verursachte auch eine physische Vernichtung ihrer Bevölkerung“, erklären die Autoren in ihrem Artikel. „Der Klimawandel resultierte im massenhaften Tod der Frühmenschen und ihrer Beutetiere und veränderte ihre Nahrungssammelgebiete enorm.“ In der Mezmaiskaya-Höhle enden alle Spuren von Neandertalern mit der zweiten Aschenschicht. Während die Forscher darunter noch zahlreiche Neandertalerknochen, Werkzeuge und die Knochen von erbeuteten Tieren entdeckten, ist nach der Eruption kein einziger Knochen mehr zu finden.

Abwesenheit der Neandertaler gut für den modernen Menschen


Die Abwesenheit der Neandertaler in dieser Region könnte es auch gewesen sein, die es den modernen Menschen so leicht machte, dieses Gebiet zu besiedeln: „Frühe moderne Menschen besiedelten ursprünglich die südlicheren Gebiete West-Eurasiens und Afrika und blieben damit von einem Großteil der direkten Eruptionsfolgen verschont“, so Golovanova. Zwar hätte der moderne Homo sapiens auch von seinen fortschrittlicheren Jagdtechniken und seiner Sozialstruktur profitiert, aber er könnte zusätzlich auch von der Abwesenheit der Neandertaler in Europa profitiert haben, die ihm eine weitere Besiedelung und die Etablierung einer großen Population im nördlichen Eurasien ermöglichte.“

Die Forscher betonen jedoch auch, dass noch mehr Daten – auch aus anderen Bereichen Eurasien – benötigt werden, um die Vulkan-Hypothese zu überprüfen. Dennoch glauben sie, dass die Funde in der Mezmaiskaya-Höhle ein wichtiges Indiz und eine mögliche Bestätigung für das Szenario einer vulkanischen Ursache am Untergang der Neandertaler sind.
(University of Chicago Press Journals, 08.10.2010 - NPO)