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Samstag, 22.07.2017
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Fluglärm erhöht Herzinfarktgefahr

Schon Lärmintensitäten von 60 Dezibel reichen aus

Starke Fluglärmbelastung über eine lange Zeitdauer kann tödlich enden: Menschen, die Fluglärm ausgesetzt sind, haben gegenüber nicht Betroffenen ein erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben. Diesen Zusammenhang haben jetzt Berner Forscher in einer neuen Studie im Fachjournal „Epidemiology“ nachgewiesen.
Flugzeug

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Je stärker der Fluglärm ist und je länger er dauert, desto grösser ist die Gefahr, einem Herzinfarkt zu erliegen. Wie das Wissenschaftlerteam um Professor Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern herausgefunden hat, gilt dieser Zusammenhang bereits ab einer Lärmintensität von 60 Dezibel.

Umfangreicher Datensatz


Am stärksten gefährdet sind laut der Studie Personen, die dem Lärm seit mindestens 15 Jahren ausgesetzt sind. Die Beziehung ist allerdings geschlechtsspezifisch – bei Frauen ist den Forschern zufolge kein erhöhtes Sterberisiko durch Herzinfarkt erkennbar. Der Befund basiert auf einem umfangreichen Datensatz mit über 4,5 Millionen Personen über 30 Jahren aus der ganzen Schweiz.

Luftqualität spielt keine Rolle


Sowohl akuter und chronischer Lärm als auch Luftverschmutzung sind bekannte Risikofaktoren für Herzkreislaufprobleme. Bisherige Studien hatten diesen Zusammenhang meist mit Straßenlärm gemessen. Der Einfluss von Straßenlärm auf die Gesundheit lässt sich jedoch kaum vom Einfluss der gleichzeitig auftretenden Luftverschmutzung trennen.


Mit der vorliegenden Untersuchung unter Einbezug des Flug- anstelle des Straßenlärms zeigte sich nun, dass der Lärm das Herzinfarktrisiko erhöht, unabhängig davon, wie gut die Luftqualität ist. Andere Todesursachen wie verschiedene Krebsarten oder Hirnschlag waren nach Angaben der Forscher nicht an den Fluglärm gekoppelt.

Überraschenderweise war das Herzinfarkt-Risiko besonders hoch für Personen, die in alten, schlecht lärmisolierten Häusern wohnen. „Das deutet darauf hin, dass Schallschutzmassnahmen gesundheitlich wirksam sein können“, erklärt Egger.

Risiko bei Männern höher als bei Frauen


„Insgesamt konnten wir eine eindeutige Verbindung feststellen zwischen Intensität und Dauer des Fluglärms und dem Risiko einer dieser Lärmbelastung ausgesetzten Person, durch einen Herzinfarkt zu sterben. Dieses Risiko ist bei Männern höher als bei Frauen und scheint auch mit der schlechten Schallisolation von alten, nicht renovierten Häusern zusammenzuhängen“, fasst Martin Röösli die Studienresultate zusammen.

Die Wirkung des Fluglärms wird damit erklärt, dass er als psychosozialer Stressor auf das sympathische Nervensystem und das Hormonsystem wirkt und dadurch das Herzinfarktrisiko ansteigen lässt. Egger ergänzt: „Weitere Studien sind notwendig, um abzuklären, ob der beobachtete Zusammenhang kausal ist. Leider konnten in unserer Studie wichtige kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Rauchen oder Cholesterin nicht erfasst werden.“
(idw - Universität Bern, 07.10.2010 - DLO)
 
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