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Freitag, 21.07.2017
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Web 2.0 als Frühwarnsystem für Pandemien

Neues Projekt will Krankheitsinformationen aus social Media für Warnsystem nutzen

Ob Twitter, Facebook oder Blogs: Solche „social Media“ dienen bisher vor allem der Selbstdarstellung oder der Unterhaltung. Doch zukünftig könnten sie auch als medizinisches Frühwarnsystem fungieren – für Pandemien: Um bisherige langsame Meldesysteme zu ergänzen entwickeln Forscher zurzeit ein Pandemie-Frühwarnsystem auf der Basis solcher „Web 2.0“-Plattformen. Die Verbreitung gefährlicher Krankheiten könnte mit einem solchen System schneller eingedämmt werden als bisher.
H1N1-Virus

H1N1-Virus

Die Meldung, dass ein Patient eine hochgradig ansteckende Krankheit hat und möglicherweise eine Epidemie droht, erfolgt bislang ausschließlich über eine mehrere Stationen lange Meldungskette, die über Krankenhäuser, lokale Gesundheitsämter, das Robert Koch Institut bis hin zur Weltgesundheitsorganisationreicht. Dieses Meldesystem ist dementsprechend zwar gründlich, aber langsam. Über Onlinemedien, Weblogs, wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Diskussionsforen sowie elektronische Kommunikation verbreiten sich Nachrichten dagegen meist unglaublich schnell, wie das sprichwörtliche Lauffeuer.

Schnelligkeit des Web 2.0 ausnutzen


Genau diesen Effekt wollen Wissenschaftler im Projekt M-Eco sich nun zu Nutze machen. Die Informationen im Internet über das Auftreten von Krankheiten und deren Symptome könnten helfen, die Möglichkeit der Früherkennung von Krankheiten zu erweitern. Ziel von M-Eco ist es, bestehende Frühwarnsysteme mit zusätzlichen Informationsquellen und Methoden zur frühzeitigen Erkennung von Krankheitsausbrüchen zu erweitern. Da sich Infektionskrankheiten nicht zuletzt durch den zunehmenden Flugverkehr schneller ausbreiten und jedes Jahr weitere Krankheitsbilder hinzukommen, müssen sich Gesundheitsorganisationen auf immer neue Herausforderungen einstellen.

„Die einzige Methode, die Pandemien einzudämmen, ist das frühzeitige Erkennen kleinster Hinweise - gefolgt von einer schnellen Reaktion“, sagt Projektmitarbeiterin Avaré Stewart. Dabei kann das Internet Hilfe bieten. M-Eco will dafür Internet-Inhalte, die von den Nutzerinnen und Nutzern selbst verfasst wurden zu nutzen, um Hinweise auf das gehäufte Auftreten von Infektionskrankheiten zu erhalten. Dies können Beiträge über Symptome und Krankheiten in Foren sein, aber auch Einträge in Blogs.


Datenaufbereitung erfordert komplexe Algorithmen


Aus diesen Hinweisen sollen Signale generiert werden, die mit den entsprechenden Informationen und Internetinhalten den Mitarbeitern in den Gesundheitsorganisationen zur Überprüfung mitgeteilt werden. Diese Vorgehensweise würde die traditionellen Methoden der Benachrichtigung ergänzen. Aufgrund der Verschiedenartigkeit der Datenquellen sind allerdings umfassende Algorithmen aus den Bereichen des Text- und Dataminings nötig, um zum einen mit den großen Datenmengen, zum anderen mit den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und der Umgangssprache in diesen Texten umgehen können.

Solche Verfahren werden momentan auf ihre Anwendbarkeit in diesem Kontext hin getestet und angepasst, um sie dann in das M-Eco System zu integrieren. Die Europäische Union (EU) fördert das Projekt Medical EcoSystem (M-Eco) für zweieinhalb Jahre mit insgesamt zwei Millionen Euro. Neben dem L3S, das das Vorhaben koordiniert, sind die dänische Aalborg Universität, die tschechische Brno University of Technology, die Firma Sail Labs Technology, das Robert Koch Institut, das Niedersächsische Landesgesundheitsamt sowie das Joint Research Centre der European Commission an dem Vorhaben beteiligt.
(Leibniz Universität Hannover, 24.09.2010 - NPO)
 
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