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Dienstag, 30.05.2017
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Meereskälte bremste Klimawandel

Aerosolverschmutzung nicht alleinige Ursache langsamerer Erwärmung der Nordhalbkugel

Die Nordhalbkugel erwärmte sich Mitte des letzten Jahrhunderts langsamer als die Südhalbkugel. Bisher galt die abkühlende Wirkung der von den Industrieländern ausgestoßenen Luftschadstoffe hierfür als Hauptursache. Doch in „Nature“ belegen Forscher jetzt, dass dies zumindest nicht die einzige Erklärung sein kann. Sie entdeckten einen plötzlichen Temperatursturz in den Ozeanen der Nordhalbkugel, der zwischen 1968 und 1972 auch die Lufttemperaturen absinken ließ. Was diesen abrupten Abfall auslöste, ist allerdings noch unklar.
Meerestemperaturen der Nord- und Südhalbkugel, sowie die Differnz der beiden.

Meerestemperaturen der Nord- und Südhalbkugel, sowie die Differnz der beiden.

Die Klimaerwärmung war und ist nicht überall gleich schnell. Mitte des 20. Jahrhunderts stiegen die Lufttemperaturen über der Südhalbkugel deutlich schneller als auf der Nordhalbkugel. Die Ursache dafür sahen Klimaforscher bisher in der stärkeren Luftverschmutzung über den stark industrialisierten Ländern des Nordens. Denn die Aerosole reflektieren einen Teil der Sonneneinstrahlung und tragen so zur Kühlung der darunterliegenden Gebiete bei. Doch jetzt hat eine neue Studie Daten geliefert, die diese Erklärung entkräften und damit gängige Vorstellungen widerlegen.

Plötzliche Abkühlung in nur vier Jahren


Ein britisch-amerikanisches Forscherteam wertete erneut Daten zu den Meerestemperaturen verschiedener Meeresgebiete aus und verglich sie. Wie erwartet lagen die Temperaturen der Meere der Nordhalbkugel damals – analog zu den Lufttemperaturen – etwas niedriger als die der Südmeere. Doch dann stießen sie unerwartet auf bisher unbekannte, abrupte Abkühlung der Ozeane des Nordens: Im Zeitraum von 1968 bis 1972 – innerhalb von nur vier Jahren - fielen die Temperaturen plötzlich um 0,3°C ab.

Zu schnell für Aerosole


„Wir wissen, dass sich die Ozeane der Nordhalbkugel Mitte des 20. Jahrhunderts abgekühlt haben, aber die Plötzlichkeit dieser Abkühlung hat uns überrascht“, erklärt David W. J. Thompson, Professor für Atmosphärenforschung an der Colorado State Universität. „Der Zeitverlauf dieser Abkühlung ist zu kurz, um mit atmosphärischen Aerosolgehalten oder einer oszillierenden multidekadischen Schwankung erklärt werden zu können.“ Denn sowohl Klimaphänomene wie der El Nino als auch geologische Ereignisse wie beispielsweise Vulkanausbrüche wirken sich langsamer aus oder kamen in der fraglichen Zeitperiode nicht vor.


Kernzone über dem Nordatlantik


Was aber war es dann? Sicher sind sich die Forscher über die Ursache dieses Klimaabsturzes nicht, klar scheint nur, dass es die Aerosole wohl nicht waren. „Wir wissen nicht, warum sich die Meere der Nordhalbkugel um 1970 herum so rapide abkühlten. Die hemisphärischen Unterschiede scheinen aber zum großen Teil von einem diskreten Abkühlungsereignis in den Ozeanen der Nordhalbkugel auszugehen, das nicht streng geographisch lokalisiert war, aber seine größte Auswirkung über dem Nordatlantik hatte“, so die Forscher in ihrem Fazit.

Abfall des Salzgehalts als Ursache?


„David Thompson und seine Kollegen haben ein wichtiges Paper veröffentlicht, das zu unserem Verstehen der globalen Erwärmung beiträgt, aber gleichzeitig eine ernste Warnung ist“, kommentiert Mark Maslin, Direktor des Environment Institute am University College London den Nature-Artikel. „Die Abkühlung der frühen 1970er Jahre wurde nicht durch erhöhte Sulfat-Aerosole oder dekadische Zyklen der Ozeanzirkulation ausgelöst, sondern wahrscheinlich durch die rapide Versüßung des Nordatlantiks während der so genannten ‚Großen Salinitäts Anomalie‘.

Während dieser Periode ging der Salzgehalt der obersten hundert Meter des Meeres vor Grönland drastisch zurück, gleichzeitig kühlte sich das Wasser ab. Was diese Anomalie auslöste, ist bisher unklar. Doch nach Ansicht von Maslin könnte sie wiederum der Schlüssel für die atmosphärische Abkühlung der Nordhalbkugel gewesen sein. „Die Studie zeigt, wie sensibel das Klima der Nordhalbkugel gegenüber dem Salinitäts-Gleichgewicht des Nordatlantiks ist und gibt eine ernste Warnung davor, was in der Zukunft passieren könnte, wenn größere Mengen Schmelzwasser in den Nordatlantik gelangen.“

Andrew Watkinson, Direktor des Living With Environmental Change Programms ergänzt: „Während der menschliche Fingerabdruck in der Klimaerwärmung des gesamten 20. Jahrhunderts klar zu sehen ist, gibt es noch viel zu lernen über die Ursachen globaler und regionaler Variationen in den Temperaturen.“
(University of East Anglia / Nature, 23.09.2010 - NPO)
 
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