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Sonntag, 31.07.2016
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Schmerztherapie in deutschen Krankenhäusern mangelhaft

80 Prozent der Patienten in deutschen Kliniken leiden unnötig unter Schmerzen

Mehr als 80 Prozent der Patienten in Krankenhäusern leiden unnötig unter starken Schmerzen. Eine Studie an 25 deutschen Krankenhäusern ergab, dass die Möglichkeiten zur adäquaten Schmerztherapie zwar fast immer vorhanden sind, aber zu selten eingesetzt werden. Besonders Stationen, auf denen nicht-operativ behandelt wird, zeigen erheblichen Nachholbedarf.
Krankenhaus: oft Ort unnötiger Scmerzen

Krankenhaus: oft Ort unnötiger Scmerzen

Eigentlich muss heute kein Krankenhauspatient mehr starke, anhaltende Schmerzen aushalten, das „schmerzfreie Krankenhaus“ ist längst möglich. Mit der Entwicklung moderner Schmerzmittel und Verfahren ist ein „Zähne zusammenbeißen“ weder nötig noch der Heilung förderlich. Doch in der Praxis zeigen Erfahrungsberichte, aber auch wissenschaftliche Studien immer wieder, dass die tatsächliche Behandlung den theoretischen Erkenntnissen weit hinterherhinkt.

Dies bestätigt nun erneut eine aktuelle, im „Ärzteblatt“ erschienene Studie aus deutschen Kliniken. Forscher unter der Leitung von Professor Christoph Maier von der Schmerzambulanz des Bochumer Universitätsklinikums Bergmannsheil werteten für das Projekt „Schmerzfreies Krankenhaus“ Fragebögen von 4.157 Patienten aus, die zwischen 2004 und 2006 in 25 deutschen Kliniken interviewt worden waren. Erfasst worden waren der aktuelle Ruheschmerz, der aktuelle Belastungsschmerz und der maximale Schmerz in den letzten 24 Stunden.

Mehr als die Hälfte hat unerträgliche Schmerzen


Das Ergebnis war erschreckend: Insgesamt mehr als die Hälfte aller Patienten, 55 Prozent der operierten und 58 Prozent der konservativ behandelten, gab an, unerträgliche Schmerzen zu haben. Bei zwei Dritteln der Patienten traten die schlimmsten Schmerzen außerhalb der normalen Dienstzeiten des Personals auf, beispielsweise nachts. Je rund ein Drittel der Patienten auf chirurgischen und konservativen Stationen gaben an, unter mäßigen bis starken Ruheschmerzen zu leiden; je mehr als die Hälfte klagten über belastungsabhängige Schmerzen dieser Stärke.


Dabei waren die Ergebnisse auf konservativen Stationen schlechter als auf chirurgischen. Während immerhin 85 Prozent aller operierten Patienten ein Schmerzmittel erhalten hatten, war dies nur bei 57 Prozent der konservativ behandelten der Fall. Mehr als 55 Prozent aller Befragten gaben der Schmerztherapie eine schlechte Note.

Es gibt auch positive Beispiele


Die Erhebung zeigte aber auch, dass es in einigen Kliniken durchaus gelingt, den meisten Patienten eine adäquate Schmerzbehandlung anzubieten. Positiv bewerteten sie, dass Patienten mit Tumorerkrankungen wesentlich besser schmerztherapeutisch versorgt sind als früher. Auch die Verfahren der „Fast-Track“-Chirurgie lobten sie. Dabei erholen sich Patienten nach großen Eingriffen schneller, auch aufgrund einer lückenlosen Schmerzbehandlung. „Für die besonders häufigen kleineren Eingriffe gibt es aber kaum fachübergreifende schmerztherapeutische Absprachen“, kritisieren die Spezialisten.

Verbesserungen sind machbar


„Unsere Erfahrungen mit über 70 Abteilungen zeigen, dass sich die Schmerzbehandlung durch Schulung, Motivation, Regeln zum Umgang mit Schmerzen und eine verbesserte Kooperation zwischen Ärzten und Pflegepersonal wesentlich verbessern lässt“, so Maier. „Nach den Erfahrungen im operativen Bereich wäre vermutlich auch in konservativ therapierenden Abteilungen der erste entscheidende Schritt, eine spezielle Betreuung von Patienten mit starken oder schwer behandelbaren Schmerzen durch einen Akutschmerzdienst sicherzustellen.“
(Ruhr-Universität Bochum, 16.09.2010 - NPO)