• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 29.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Fließbandarbeiter altern schneller

Auswirkungen eintöniger Arbeit auf die Gehirnleistung ermittelt

Wer viele Jahre stumpfe, eintönige Arbeit am Fließband verrichtet, der altert im Kopf schneller als Kollegen mit abwechslungsreichen Tätigkeiten. Das hat jetzt ein Dortmunder Forscherteam in einer neuen Studie herausgefunden.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Dass Fließbandarbeiter mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben, ist schon länger bekannt. Durch eintönige Arbeit in teils unbequemen Positionen tragen sie häufiger körperliche Schäden davon und werden so im Alter häufiger und länger krank. Welche Auswirkungen Fließbandarbeit aber auch auf die Gehirnleistung habe kann, ist bisher kaum untersucht worden.

Fließbandarbeitern in die Köpfe geschaut


Forscher um Professor Michael Falkenstein vom Institut für Arbeitsphysiologie (IfADo) der Technischen Universität Dortmund haben nun dafür den Fließbandarbeitern in ihrer neuen Studie in die Köpfe geschaut.

Ausgangspunkt des Projekts war eine Untersuchung von 91 Arbeitern der Adam Opel GmbH in Bochum. Sie mussten in einem im Werk eingerichteten Untersuchungsraum Tests am Bildschirm meistern und dabei eine vielfach verkabelte Haube aufsetzten. Diese erlaubte es Falkensteins Team, ihre Hirnaktivität am Elektroenzephalogramm (EEG) zu verfolgen. Die Versuchsgruppe bestand aus je 23 jüngeren und 23 älteren Fließbandarbeitern sowie 23 älteren und 22 jüngeren Arbeitern, die einen Arbeitsplatz jenseits des Fließbandes haben. Die jüngeren Arbeiter waren zwischen 18 und 23, die älteren zwischen 48 und 58 Jahren alt.


Mit Maus-Klicks auf Ziffern reagieren


Zu absolvieren waren recht schwierige psychometrische Tests, bei denen die Probanden unter anderem möglichst schnell zwischen Aufgaben wechseln mussten – etwa mit Maus-Klicks auf Ziffern reagieren, die am Bildschirm erscheinen, je nachdem ob sie gerade oder ungerade sind, kleiner oder größer als fünf. Der Wechsel erfolgte zum Teil nach einem bestimmten Muster, das im Gedächtnis behalten werden musste.

Die Ergebnisse seiner Auswertung nennt Falkenstein „ernüchternd, aber nicht anders erwartet“: Ältere Teilnehmer, die seit vielen Jahren stumpfe, eintönige Arbeit am Fließband verrichten, sind im Kopf deutlich schneller gealtert als ihre Kollegen mit gleicher Ausbildung, aber anregenden Tätigkeiten.

Arbeitsgedächtnis als Schwachstelle


Anhand der EEG erkannte Falkenstein sogar: Geistig ähneln ältere Nicht-Fließband-Arbeiter, deren Arbeitsleben recht abwechslungsreich ist, viel eher den jungen Arbeitern, als ihren gleichaltrigen Kollegen am Fließband. Die Schwachstelle im Gehirn der älteren Fließbandarbeiter ist vor allem das Arbeitsgedächtnis.

„Eine zentrale Gedächtnisfunktion, die wir täglich brauchen und die immer wieder aufgefrischt werden muss, quasi das RAM des Menschen“, erklärt Falkenstein. Gleichzeitig weist Falkenstein darauf hin, dass das Ergebnis nicht bedeute, dass Fließbandarbeiter schlechtere Arbeit machen. Die Tests zeigen lediglich, dass sie ihr Gehirn bei der Arbeit abschalten würden. Die Hände funktionierten fast automatisch, der Kopf sei ganz woanders.

Mentales Training hilft


Mentales Training kann den Fließbandarbeitern nach Angaben der Wissenschaftler jedoch helfen, ihre grauen Zellen wieder zu aktivieren. Daher hat das IfADo in einem Schulungsraum im Bochumer Opel-Werk 25 Computer aufgebaut und mit einem geeigneten Trainingsprogramm bestückt. Zwei Mal die Woche können die Mitarbeiter hier für eineinhalb Stunden an ihren kognitiven Fähigkeiten arbeiten.

Auch den Erfolg dieses Trainings will Falkenstein in Zukunft beobachten: „Vor Beginn des Trainings haben wir die Hirnströme gemessen, und nach Abschluss werden wir es auch tun, um zu schauen, ob sich durch das Gehirnjogging etwas verändert hat im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die das Training noch nicht gemacht hat.“
(idw - Technische Universität Dortmund, 30.08.2010 - DLO)
 
Printer IconShare Icon